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Kultur

«Heiliger Besuch»

03.05.2016
Bis zum 28. August werden im Museum zu Allerheiligen gotische Skulpturen ausgestellt. Ergänzt wird die Ausstellung durch ungewöhnliche Madonnen-Schöpfungen von Annelies Štrba.

Ein Zufall war es, der dem Museum zu Allerheiligen zur bevorstehenden Sonderausstellung «Heiliger Besuch» verhalf. Ein wenig Fügung mag auch nachgeholfen haben, dass Katharina Epprecht letzten September unmittelbar vor ihrem Amtsantritt als neue Museumsdirektorin auf einen Kollegen stiess, der ihr von den gotischen Skulpturen der Emil-Georg-Bührle- Sammlung erzählte. Der Sammler weltberühmter Impressionisten hatte eine wenig bekannte Schwäche für mittelalterliche Skulpturen aus dem 15. und frühen 16. Jahrhundert. Epprecht – auf der Suche nach einem Ausstellungsthema – packte die Gelegenheit, ausgewählte Stücke dieser Sammlung mit den museumseigenen Skulpturen zu kombinieren. «Was passt wohl besser, als wenn das Allerheiligen-Museum ‹heiligen Besuch› erhält?», sagt Epprecht. Doch sie wollte es nicht allein bei den mittelalterlichen Skulpturen bewenden lassen, sondern ihnen einen modernen Kontrast gegenüberstellen.

Verfremdete Madonnenbilder

Vor Jahren erhielt sie ein Büchlein von der international bekannten Schweizer Foto- und Videokünstlerin Annelies Štrba geschenkt, das mit farbenstarken Madonnenbildern gefüllt ist. «Als ich mich mit den Skulpturen beschäftigte, wusste ich sofort: Das gehört einfach zusammen.» Das Thema «Maria mit Kind» begleite unsere Menschheitsgeschichte, so Epprecht, und sei ein Thema, das auch heute medial gern aufgegriffen werde. Die Madonnenbilder von Annelies Štrba – Fotografien, die verfremdet, verwandelt und mit neuer Farbigkeit zum Leuchten gebracht werden – sieht Epprecht als Übersetzung der alten Bildwerke in die moderne Zeit. «Die Sehgewohnheiten sind heute anders», sagt Epprecht dazu.

Museumsschätze aufzeigen

Mit den zahlreichen gotischen Skulpturen aus dem süddeutschen Raum werden die christlichen Feiertage vergegenwärtigt. Besonders wertvoll und aufwendig ist beispielsweise der Sippenaltar, der aus der Werkstatt Niklaus Weckmann aus Ulm um 1515 stammt. Auch Heilige wie Katharina von Alexandrien, Barbara oder Sebastian liefern sich ein Stelldichein. Und natürlich ist Maria mit Kind gleich mehrfach vertreten. Um die Besucherinnen und Besucher nicht nur in die Sonderausstellung, sondern auch in die Sammlungen zu locken, werden die Werke nicht direkt am Objekt beschrieben, sondern in einem separaten Büchlein, das durch die verschiedenen Räumlichkeiten führt. «Damit erhoffe ich mir mehr Publikum in den Sammlungen, um auf unsere Schätze aufmerksam zu machen», sagt Epprecht.

Attraktives Rahmenprogramm

Wie sieht ihr Zielpublikum aus? «Ich wünsche mir, dass alle kommen, von Gross bis Klein.» Entsprechend ist auch das Rahmenprogramm aufgebaut: Es gibt Vorträge zum Thema «Heilige» oder «Maria», aber auch eine 3-Generationen-Veranstaltung, bei der man unter Anleitung einer Kulturvermittlerin selber aktiv werden kann. Die Ausstellung bemüht sich also, allen Generationen mit ihren Bedürfnissen gerecht zu werden. Wichtig sei ihr, so Katharina Epprecht, sich von der Qualität der Werke berühren zu lassen.

Claudia Koch


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