Logo
Kirche, Gesellschaft, Kultur

Handläuten in der Kirche Kappel wieder möglich

Mit der Glocke schwingen

01.01.2016
«Herzhaft ziehen und sich dem Seil übergeben » Viel mehr will Ernst Wälle den Menschen, die im Kirchturm Kappel von Hand läuten, gar nicht sagen. Die Glocken geben den Rhythmus an. Der lange gehegte Wunsch, im Handläuten den Klang der Glocken zu erleben und neue Traditionen zu schaffen, ging für den Mesmer im September 2009 in Erfüllung.

Seit 1985 arbeitet Ernst Wälle als Mesmer in Ebnat-Kappel. Bei seiner Arbeit kamen immer wieder Menschen vorbei,  die von früher erzählt haben, als die Glocken noch von Hand geläutet wurden. Im fiel auf, dass die inzwischen älteren Herren durch den Einsatz als «Läuterbuben» ein inniges Verhältnis zu den Glocken entwickelt haben. «Sie wussten genau, welche Glocke für welchen Anlass erklingt und sie konnten die jeweilige Glocke an ihrem Klang erkennen.»

Ernst Wälle wurde sich bewusst, dass die Mechanisierung des Geläuts auch ein Verlust darstellt. «Ich begann mir zu überlegen, ob es nicht möglich ist, etwas davon zurück zu gewinnen.» Schon bei der Renovation der Kappeler Kirche 1993 hatte er in der Vorsteherschaft die Idee vorgebracht, doch damals war zu viel anderes zu erledigen.

Anfang mit der Frauenglocke

Hoffnung kam auf durch eine Begegnung mit Max Bretscher aus Krinau, der die Glocken der Kirchen wartet. Er konnte sich sogleich für die Idee erwärmen und besass auch das handwerkliche Geschick, wenigstens mit einer Glocke, der «Frauenglocke», das Handgeläut wieder zu ermöglichen. Dieser Versuch überzeugte die Vorsteherschaft. Sie bewilligte 3000 Franken und auch die Kantonalkirche unterstützte das Projekt. Durch den Einsatz von Max Bretscher war es möglich, bald alle vier Glocken von Hand zu läuten, und zwar auf einem Boden im Turm, der für fast 30 Personen Platz bietet. Am 12. September 2009 konnte das Pionierprojekt der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Eine Tradition

Bereits ist das Handläuten an Silvester zur festen Tradition geworden. Immer mehr Leute, Schulklassen, Vereine usw., kommen vorbei,  um als Gruppe zu läuten   natürlich im Rahmen des Läutplans, der auf der Website von Ebnat-Kappel veröffentlicht ist. Ernst Wälle hofft, dass bald auch junge Leute in der Kirche vorbeischauen und erzählen, wie sie sich durch das Handläuten den Glocken verbunden fühlen. 

 

Text: Andreas Schwendener l Bild: Elisabeth Scherrer – Kirchenbote, Februar 2011


KIRCHENBOTE E-PAPER

Alle Kirchenboten ab 2002 zum Lesen, Suchen und Herunterladen...

Zwischen Zebra und Löwe  | Artikel

An der St. Galler Olma kann man sich hinter einer Krippe fotografieren lassen – umgeben von exotischen Tieren. Hinter der ungewöhnlichen Aktion steckt die reformierte Kiche des Kantons St. Gallen.


Was denken Sie dazu? Diskutieren Sie mit!  | Artikel

Der Kirchenbote führt neu einen Blog! Haben Sie zu unseren Themen etwas erlebt, eine Erkenntnis gewonnen? Diskutieren Sie mit!


Zauberklang der Dinge – Niklaus Meienberg  | Artikel

«Eigentlich bin ich mir längst abgestorben, ich tu nur noch so als ob - Atem holen, die leidige Gewohnheit hängt mir zum Hals heraus!» Mit diesem Satz beginnt das Gedicht «Rivers of Babylon» von Niklaus Meienberg. Dieser Text steht im Zentrum der neuen Folge 25 von Zauberklang der Dinge. Schauspieler Peter Rinderknecht singt uns diese Worte. Das Lied «This body is a rose», nach einem Text des Mystikers Dschallalu din Rumi, gesungen von Barbara Balzan, bildet gleichsam einen Kontrapunkt.