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Kirche

Visitation – «Wie geht es Euch …?»

In der St.Galler Kirche läuft derzeit die alle zehn Jahre stattfindende Kirchenvisitation. Im Zentrum steht diesmal das Wohlergehen der Mitarbeitenden. Wie es diesen geht, wurde bereits durch eine Online-Umfrage erhoben – und bis zum Sommer sollen alle Kirchgemeinden visitiert worden sein. Wie das genau abläuft, zeigt ein Bericht aus der Kirchgemeinde Sennwald, die vor zwei Jahren aus drei Gemeinden entstanden ist.

Jetzt ist es also soweit: Die Visitation kommt zu uns nach Sennwald. Visitation – das sind Annina Policante und Urs Noser als Vertreter des Kirchenrates, Renato Tolfo als Dekan und Sandra Torgler vom Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institut. In einer ersten Gesprächsrunde sitzen sie mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Kreis. Annina Policante betont, dass das Gespräch anonym bleibe. Es ist nicht Kontrolle angesagt, nicht Suche nach Schwachpunkten: «Wie geht es Euch in der neuen Kirchgemeinde Sennwald?» – nicht Finanzen, Gebäude, Strukturen oder Programme stehen im Zentrum, sondern die wichtigste Ressource der Kirche: die Menschen, die sich für die Kirche engagieren.

War die Befindlichkeit der Mitarbeiter nicht schon einmal Thema? Ja, vor anderthalb Jahren hat der Kirchenrat die Firma SIZ-Care angefragt, bei langwierigen Erkrankungen von kirchlichen Mitarbeitern das Case Management zu übernehmen: In den vier Jahren davor seien einige Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter schwer erkrankt, war zu hören. Was für ein Leid für die Betroffenen und ihre Angehörigen – und welche Belastung für die Gemeinden?!

Befindlichkeit im Fokus

Es muss ja nicht gleich ein Burnout sein. Ob Fachlehrkraft Religion, Mesmerin, Diakon oder Pfarrerin: Es genügt schon, wenn ein kirchlicher Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin die Arbeit lustlos verrichtet. Welches Bild von Kirche oder von Christentum würden sie vermitteln? Nicht viel anders verhält es sich mit den Kirchenvorsteherinnen und -vorstehern: Sind sie überlastet, haben sie Streit, wären sie demotiviert, dann würde das Gemeindeleben leiden. «Ich will euch nur sagen, dass es gefährlich ist, zu lange zu schweigen, denn die Zunge verwelkt, wenn man sie nicht braucht.» Mit dem Zitat von Astrid Lindgren macht Annina Policante Mut, auch Unbequemes auszusprechen.

Nur, was gibt es Heikles auszusprechen? Im Fusionsprozess gab es Kompetenzen und Rollen zu klären, Strukturen und Kommunikationswege zu schaffen. «Eigentlich wusste ich ja, man sollte an Annabeth (Diakonin in Teilzeit) das Protokoll des Konventes schicken, aber ich musste zuerst verinnerlichen, dass das meine Aufgabe war» – Strukturen und Absichten sind eines, aber sie müssen auch umgesetzt werden. Viel Wissen blieb erhalten Annina Policante hakt nach: «Wie kommt ihr zu Informationen?» Das ist eine der kritischen Fragen besonders für die, die mit kleinem Pensum tätig sind: «Wenn ich etwas brauche, weiss ich, ich kann im Pfarrhaus vorbeigehen!», lautet die rasche Antwort.

«So einfach ist das: Für die anderen mitdenken.»

 

Die Gemeinde Sennwald hat den Vorteil, dass im Pfarrhaus Sennwald das Sekretariat, der Arbeitsplatz des Präsidenten und die Büros des Diakons und eines der beiden Pfarrer sich unter einem Dach befinden. Und was es in Bezug auf die Kantonalkirche zu sagen gebe? «Ihr von der Kantonalkirche habt so gute Angebote, etwa die Vermittlung der Aktion ‹Jesus ist…› – aber als Fachlehrkraft Religion habe ich das so spät erfahren.» «Ihr Pfarrer bekommt ja die Unterlagen, ihr seht ja auch den Verteiler auf den kantonalkirchlichen Einladungen und Schreiben. Dann gebt ihr es doch weiter!» So einfach ist das: Für die anderen mitdenken.

Nach einer Pause eröffnete Urs Noser die zweite Runde mit der Kirchenvorsteherschaft. Vor fast zwei Jahren hat Kirchenrat Urs Noser die Gründungsversammlung der Kirchgemeinde Sennwald geleitet. Seither haben Kirchenvorsteherschaft und Mitarbeiterteam vieles neu aufgegleist. Der Start der neuen Kirchgemeinde ist auch deshalb so gut verlaufen, weil die damaligen Präsidenten und Präsidentin nun das Präsidium bzw. die Ressorts Bau und Unterricht übernommen haben.

Viel Wissen blieb erhalten

«Zeitliche Belastung?» – Besonders im Ressort Diakonie und Senioren wendete Kirchenvorsteherin Gaby Heeb anfangs enorm viel Zeit auf, aber «unterdessen konnten wir die Arbeit ökumenisch organisieren und auf mehr Schultern verteilen.» Die Fusion änderte die Arbeit in der Behörde: «Früher haben wir in der Vorsteherschaft über jeden Zettel gesprochen, der aufgehängt werden sollte», während sie sich nun auf die strategische Leitung konzentriert.

In zwei Retraiten hat die Behörde die Rollen von Konvent (die beiden Pfarrer und der Diakon) und Vorsteherschaft geklärt; die Zusammenarbeit hat gut begonnen, auch weil je ein Mitglied der Vorsteherschaft und des Konvents zusammen ihre Ressorts leiten. Als Diakon Ruedi Eggenberger das erste Mal eine Sitzung der Kirchenvorsteherschaft miterlebte, dachte er: «Sie verbringen ihre Zeit gern miteinander.» Dekan Renato Tolfo kommentierte das knapp: «Behaltet das!»

Die fusionierte Evang.-ref. Kirchgemeinde Sennwald ist ein kompliziertes Gebilde. Aber Behörde und Mitarbeiterschaft sind gut unterwegs. Es tut gut, sich das wieder einmal vor Augen zu halten. Spannend wäre aber die Frage: Was haben Kirchenräte und Dekane in den anderen Kirchgemeinden angetroffen? Was hat die Internet-Befragung der Mitarbeiterinnen und Mit­arbeiter ergeben? Das Schweizerische Pastoralsoziologische Institut wird eine Auswertung liefern - bis dahin heisst es sich gedulden.

 

Text und Foto: Helmut Heck, Pfarrer in Sennwald  – Kirchenbote SG, Juni-Juli 2016

 


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