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Gesellschaft

Im Anfang ist die Stimme

Die St. Gallerin Annina Gonzenbach beschreibt die Wahrnehmung der Stimmwerdung ihres Kindes vom Säugling bis hin zum 14 Monate alten Kind.

Deine erste Stimme war ein lautes Weinen. Immer wieder und oft untröstlich. Diese, deine erste Stimme verstehen zu lernen, war eine grosse Aufgabe. Vergeblich suchte ich nach Inhalten, nach Worten. War sie doch einfach da, von Anfang an. 

Hin und her gegluckst

Etwas später, mit ca. 3 Monaten, hast du angefangen leise, sanfte Töne von dir zu geben. Du hast sie ganz weit hinten im Gaumen geformt und dann zaghaft nach vorne gestossen. Du hast entdeckt, dass sie dir gehören, diese Töne, und dass du sie selber erzeugen kannst. Und das hat dich gefreut. Und als du meine Freude darüber entdeckt hast, wolltest du gar nicht mehr aufhören damit. Und so haben wir hin und her gegluckst und mein Herz ist vor Glück beinahe explodiert. 

Da ist ein Mensch und da ist eine Stimme. 

Da ist ein Wille, der sich Ausdruck verschafft. 

Im Verlauf der Zeit wurden deine Töne lauter und es kamen immer wieder neue Töne und ganze Tonvariationen dazu. Unermüdlich warst Du im Üben, Umformen, Wiederholen. Habe ich zu Beginn versucht, dir in deinen Tönen und Tonlagen zu folgen, so wolltest auch du mir schon bald folgen, mich nachahmen und mir auf deine Weise antworten. Von nun an gab es kein Zurück mehr; die Sprache hatte ihren Anfang genommen. Und so war es auch nicht mehr weit bis zu deinem ersten Wort. 

Das erste Wort

Dein erstes Wort war «ao», aus welchem später ein profanes «hallo» wurde. Als wolltest du sagen, hallo, hier bin ich. Und mit diesem einen Wort, welches du schon sehr früh beherrscht hast, bist du mit allen Menschen sofort in Kontakt getreten. Die Leute haben über dich gestaunt, und das wiederum hat dich ermuntert, immer wieder das gleiche Wort zu sagen. Mit Wonne hast du es in deinem Mund geformt, mal so, mal so betont. Du hast verstanden, mit einem Wort erreiche ich die Welt. 

Heute bist du 14 Monate alt und kannst schon viele, verschiedene Worte sagen. Du zeigst auf Dinge und nennst sie beim Namen. Du lernst gerne neue und auch schwierige Wörter, so viele, dass du sie wohl noch gar nicht alle verstehen kannst. Manchmal, da plapperst du minutenlang vor dich hin und vor dem Einschlafen summst du meistens ein bisschen. Und du kannst nein sagen, wenn du etwas nicht willst. 

Wichtig für mich, dass ich ob all der Worte nicht deine Stimme überhöre, die mir noch ganz anderes zu sagen hat als all die vielen Worte, die ich dir Tag für Tag beibringe.

 

Text: Annina Gonzenbach, St.Gallen – Kirchenbote SG, Juni-Juli 2016

 


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