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Kirche

Als neuer Mensch wieder auftauchen

Die Taufe ist ein christlicher Ritus, der seit der Zeit des Neuen Testaments besteht. Die reformierte Kirche kennt in der Regel das Benetzen der Säuglingsstirn mit drei Kreuzen. In jüngster Zeit wird von Jugendlichen und Erwachsenen aber immer mehr die Taufe durch Untertauchen im Wasser (Immersionstaufe) gewünscht. Dies ist aber nur zulässig, wenn man vorher noch nicht getauft wurde.

Das Taufen durch Untertauchen des Täuflings ist nicht etwa ein Trend der Moderne. Bereits in der Urkirche war diese Praxis eine normal gelebte Form des Taufens. Wieso aber ist Wasser Teil der Taufe? John Bachmann, Pfarrer der evangelischen Kirchgemeinde Grabs-Gams, die das Taufen im Wasser als eine der wenigen Kirchgemeinden anbietet, erklärt: «Die Ursprünge liegen im Neuen Testament bei Johannes dem Täufer. Jesus selbst wurde für uns getauft. Das Untertauchen beinhaltet auch das Element der Reinigung.» Man könne es auch mit Paulus als Wechsel von einem vorherigen in ein neues Leben sehen, «man taucht sozusagen als neuer Mensch auf», so Bachmann. Im Gegensatz dazu stehe bei der Kindertaufe die Gnade im Vordergrund. Eine Taufe durch Eintauchen können aber nur Jugendliche oder Erwachsene vollziehen, die vorher noch nicht getauft wurden.

Starke Symbolik

Bachmann stellt fest, dass die Kindertaufe Tradition hat. Er betont aber, dass eine Darbringung mit Segen durchaus sinnvoll sei. «So steht später einem Entscheid für die Taufe nichts im Weg.» Er denkt, dass zudem die Taufe von Erwachsenen und Jugendlichen immer wichtiger wird, vor allem in städtischen Gebieten. «Das Untertauchen hat Erlebnischarakter und ist Ausdruck einer starken Symbolik, man zieht sozusagen Altes aus und Neues an. Zudem wird die Taufe so zu einem Bekenntnis, welches ja in unserer Kirche von vielen schmerzlich vermisst wird.» Dass in Grabs die Möglichkeit dieser Wassertaufe bestehe, dafür mussten Kantonalkirche und die Kirchgemeinde ihr Einverständnis geben. Bachmann betont, dass Pfarrpersonen, die Taufen durch Eintauchen vornehmen, nicht speziell ausgebildet werden, «aber es braucht natürlich das Hintergrundwissen». Wichtig erscheint ihm, dass sich der Täufling, aber auch die Pfarrperson, mit diesem Vorgang auseinandersetzen.

Das persönliche Zeugnis

Wo aber in der Bibel findet man die Anweisung, wie genau man taufen soll? Dazu muss wohl in erster Linie die Bedeutung des Wortes, welches im Urtext für Taufe steht, berücksichtigt werden. Das griechische Wort für Taufe lautet «baptizo». Dieses Wort beziehungsweise dessen Wurzel «babto» heisst nichts anderes als «eintauchen» oder «untertauchen». In der Bibel wird ausschliesslich diese Bedeutung genutzt. «Und so gibt es Menschen, die überzeugt sind, dass diese Taufe für sie die einzig Richtige ist», sagt Bachmann. 

Seine Kirchgemeinde hat das Vorgehen bei einer Taufe durch Eintauchen schon sehr früh selber festgelegt. Der kleine Gottesdienst beginnt mit der Begrüssung. Es wird gesungen und gebetet, gefolgt von einer kurzen Predigt. Vor dem eigentlichen Taufakt spricht der Täufling sein persönliches Zeugnis, in dem er auch begründet, was ihn zu dieser Art Taufe bewogen hat.

Taufe als Geschenk Gottes

Aller Diskussion zum Trotz, ob man bei der Taufe untertauchen oder besprengen soll: Gott hat uns ja die Taufe als Geschenk gegeben und damit als Anlass zur Freude und gleichzeitig als geistliche Chance. Und für Pfarrer Bachmann liegen die Ursprünge auch im Alten Testament, wo es um Unreinheit und Reinheit geht – bei der Entsündigung wohl auch um die innere Reinheit. In Psalm 51, 9 steht geschrieben: «Entsündige mich mit Ysop, und ich werde rein, wasche mich, und ich werde weisser als Schnee.»

«Unvergessliches Erlebnis»

Welche Interpretation auch immer es sein mag: Für Bachmann gehört das Taufen durch Eintauchen zum Eindrücklichsten. Das würden ihm die Täuflinge immer wieder bestätigen. Auch die so getaufte Amelie spricht von einem «unvergesslichen Erlebnis». «Unvergesslich», so Bachmann, «für mich auch, weil es unaufhörlich regnete und meine Gitarre ganz schön nass wurde...»

Eine solche Taufe im Grabser Voralpsee ist am 21. August wieder möglich, diesmal mit Pfarrer Martin Frey. Wichtig zu wissen ist, dass Täuflinge wetterunabhängig sein müssen. Zudem ist natürlich auch für Auswärtige ein Vorgespräch von grosser Bedeutung. «Sind es bei der Kindtaufe die Eltern, mit denen man Details bespricht, ist es hier der Täufling selber, von dem man wissen will, was seine Beweggründe sind», so John Bachmann. Ob Taufe durch Benetzen oder durch Untertauchen, ob Säuglings- oder Erwachsenentaufe: Die Taufe lebt davon, dass man sich an sie erinnert und aus ihr lebt.

Text: Reto Neurauter, Grabs | Bild: zVg  – Kirchenbote SG, Juli-August 2016

 


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