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Spiritualität

«Glücklicher kann ich nicht werden!»

«Vorwärts und rückwärts habe ich mir überlegt, wie ich meinen Lebensabend gestalten will», sagt Marie-Louise Rutz. Der Entscheid fiel 2014 klar für eine Alterswohnung neben dem Seniorenzentrum «Solino» in Bütschwil.

«Es war, als wäre es eine Fügung gewesen. Meine Schwester – mit der ich fast vierzig Jahre zusammen das elterliche Verkaufsgeschäft für religiöse Artikel geführt hatte – trat ins «Solino» ein. Ich musste mich wegen Diabetes einer Operation unterziehen.» Ein Inserat über das «Wohnen im Alter» und der mittlerweile in die Höhe schiessende Rohbau der neuen Siedlung neben dem Alters- und Pflegeheim halfen, sich für eine dieser neuen Wohnungen zu entscheiden. 

«Ich wollte nicht nochmals zügeln, und der Gedanke an das Treppensteigen hielt mich davon ab, das Haus zu behalten oder in eine kleinere Wohnung im Dorf zu ziehen.» Mit dem Umzug in die neue 21/2-Zimmerwohnung meldete sich die Toggenburgerin zudem im «Solino» an. «Im Alter musst Du vernünftig sein und verzichten können», sagt die 85-Jährige. Statt in der schwellenlosen Wohnung Teppiche auszulegen, gestand sie sich ein, dass sie die Gefahr eines Sturzes in sich bergen. Für die Dusche und Toilette liess sich Marie-Louise Rutz zudem Griffe installieren, damit sie sich halten und hochziehen kann. «Wir haben es hier, nicht nur wegen der Wohnung, dem Lift und der Ruhe ‹verruckt schö›.»

Das Eingebunden- und Aufgehobensein gefallen der Seniorin. Sie besucht Bekannte auf der Demenzabteilung, lädt Leute aus dem Betagtenheim ein, singt im «Solino-Chor» mit. Manchmal gibt es einen «Knacker-Abend» (Würste des ehemaligen Dorfmetzgers) mit Nachbarn des gleichen Hauses. «Wenn wir einander etwas Gutes tun können, machen wir dies. Ansonsten haben wir beschlossen, dass wir nicht immer die Köpfe zusammenstecken.» Marie-Louise Rutz kauft im Dorf ein, putzt und kocht selbstständig. Sie könnte aber Dienstleistungen der Spitex oder vom ‹Solino› beziehen. Manchmal isst sie dort,oft besucht sie die Gottesdienste.

«Ich habe alles, vermisse nichts von früher.» Wie seit je hört sie «Radio Maria», das für sie eine grosse Hilfe ist, um geistig und seelisch weiterzukommen, wie sie sagt. Gern schreibt sie Briefe. «Glücklicher kann ich nicht werden!» – Vielleicht doch, verschwände endlich der Schmerz im kleinen, vor kurzem gebrochenen Finger.

Text | Bild: Katharina Meier – Kirchenbote SG, September 2016

 


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