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Religionen

Haus Gottes

Ob Pagoden, Tempel, Synagogen, Kirchen oder Moscheen:Überall lassen sich Häuser Gottes finden.

«… und ich werde in des Herrn Hause weilen mein Leben lang.» Psalm, 23,6

Zuerst kommen uns wohl Gebäude in den Sinn, wenn wir an ein Haus Gottes denken. Die christliche Kirche, die jüdische Synagoge oder die muslimische Moschee. Sie sind aus Liebe zu Gott und aus Respekt vor seiner Heiligkeit gebaut oder zumindest eingerichtet. Sie sind ein Ästhetikum. Sie verkörpern idealerweise das jeweils Schönste und Beste, was eine Religionsgemeinschaft zu einer bestimmten Zeit geben kann. Aber sie sind auch ein Politikum. Religiöse Präsenz und Sichtbarkeit in der Gesellschaft bedeuten potenzielle Wirksamkeit und Einflussnahme – Macht eben, und es ist nicht immer einfach, Macht zu teilen. Aber manchmal geht es auch ohne Konflikte. Die Ausbesserung des jüdischen Tempels durch den Priester Jojada war abhängig von der Einsicht seines Machthabers, König Joas von Juda (2. Chronik 24). Der Priester hatte viel für Joas getan. Vielleicht aus Anerkennung und Dankbarkeit dafür, ordnete jener die Renovation an. So erhielt das Volk einen schöneren Tempel, zu dem man sich gern begab.

Auch der Betende in Psalm 23 ist von Sehnsucht nach dem Haus Gottes erfüllt. Er scheint sich aber nicht nur auf ein Gebäude zu fixieren, wenn er sagt, er werde sein Leben lang zum Hause des Herrn zurückkehren. Haus des Herrn ist nicht einfach das Tempelgebäude, sondern auch die jüdische Religion selbst, ihre Gebote, die Gemeinschaft derer, die zu Gott gehören, das ganze Leben mit Gott. Zu dem allem will sich der Betende immer wieder bekehren (denn das bedeutet das hebräische Verb «schub» an dieser Stelle). Dies ist die Lebenserkenntnis eines Menschen, der mit Gott tiefe Freundschaft geschlossen hat. «Du deckst mir den Tisch im Angesicht meiner Feinde und schenkst mir den Becher voll ein», sagt er. Politik und Streit ist nicht in seinem Fokus. An der Gewissheit über Gottes Fülle, Überlegenheit und Treue hält er fest. Dieser Erfahrung wendet er sich immer neu zu. Er kommt immer neu nach Hause zu Gott. Die Stelle erinnert auch an das Bekenntnis Josuas: «Ich und mein Haus halten uns zu Gott» (Josua 24,15). Sein Haus, das ist seine Sippe, für die er spricht, sein Daheim.

Und schliesslich spricht Jesus Christus, selbst vom Haus Gottes, seines Vaters. Zu den Jüngern sagt er, im Haus seines Vaters gebe es viele Wohnungen, und er gehe hin, für sie eine Stätte zu bereiten (Johannes 14,2). Jesus redet als Seelsorger in Gleichnissen, die ohne Weiteres verständlich sein sollen. Haus oder Stätte beim Vater, das können die Jünger sich gut vorstellen. Aber ihm geht es nicht um eine greifbare Wirklichkeit, sondern um eine Gemeinschaft in Gott. Es geht um ein Bleiberecht oder eine Geborgenheit in der Einflusssphäre des Vaters.

So mag der Glaube einerseits mit einem Gebäu­de inszeniert, von Gegenständen, Dekorationen, Satzungen und Regeln begleitet sein. Aber viel Bauliches, Konstruiertes braucht es eigentlich nicht, um in Freundschaft mit Gott zu leben, wie auch Jesus betont. Es entspricht ebenfalls einem reformatorischen Anliegen, weg zu kommen von Objekten und Bildern, von verschnörkelten und bisweilen schwer verständlichen Regelwerken, hin zum Wort der Bibel, hin zum gelebten Glauben, zur Freundschaft mit Gott und seinem Wort. Dies mag uns trösten, wenn Kirchgemeinden ihr Gotteshaus verkaufen müssen, zu dem eine persönliche Beziehung besteht. Und wir müssen und dürfen neu lernen: Sehnsucht nach dem Haus Gottes wird nicht durch Immobilienbesitz gestillt.

 

Text: Oliver Gengenbach, Pfarrer in Mogelsberg | Foto: meka – Kirchenbote SG, Oktober 2016


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