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Kultur

Prediger im Wettstreit gegen Slam-Poeten

30.09.2016
«Predigten» besonderer Art sind am 1. Basler Preacher Slam in der Matthäuskirche zu hören. Dann -treten eine Pfarrerin und zwei Pfarrer gegen drei bekannte Poetry Slamer an: Marguerite Meyer, Jens Nielsen und Micha de Roo.

«Dichterwettstreit oder -schlacht» lautet die Übersetzung von Poetry Slam laut Duden. Sinngemäss streiten sich deshalb beim 1. Basler Preacher Slam Pfarrerinnen und Pfarrer. «Die Idee ist nicht neu», sagt Judith Borter, Leiterin der Fachstelle für Genderfragen und Erwachsenenbildung der Reformierten Kirche Baselland. «In Bern in der Heiliggeistkirche wurde ebenfalls schon ‹geslamt›». Vor rund zwei Jahren dachte sie deshalb, das könnte auch für Baselland und -Stadt funktionieren. Judith Borter: «Das sind doch alles professionelle Wortkünstlerinnen und Wortkünstler, wenn es um die Predigt geht.» Als Mitorganisator konnte sie Martin Dürr vom Pfarramt für Industrie und Wirtschaft und Daniel Frei vom Pfarramt für weltweite Kirche ins Boot holen. Aus ihren Arbeitsbereichen ergaben sich drei Themengebiete, über die «geslamt» wird: Arm und Reich, Mann und Frau, Nord und Süd. Und auch einen Namen bekam das Kind: 1. Basler Preacher Slam.

Martin Dürr wurde gleichzeitig auch als «Slamer» angefragt. Er erinnere sich nur allzu gut an die Anfrage: «Ich habe innerhalb eines Jahres mindestens fünf Mal abgesagt und auf Zeit gespielt, in der Hoffnung, dass Ruhe einkehren werde.» Sie trat indes erst ein, als Martin Dürr schliesslich zusagte. Aus heutiger Sicht bereut der Industriepfarrer, dass er nicht spontaner reagiert habe. «Ich begrüsse eigentlich jede Gelegenheit, in der Pfarrpersonen sich einem anderen Publikum stellen, ihre Komfortzone verlassen und ihre Inhalte neu denken und vermitteln müssen.» Ja, er ist überzeugt, dass «Luther, Zwingli & Co. heute auch mitmachen würden».

Pfarrpersonen und Profis
Ganz wohl ist es dem Industriepfarrer aber dennoch nicht. «Im Moment mache ich mir noch keine Gedanken darüber, dass ich mit fliegenden Fahnen untergehen werde. Immerhin machen wir etwas.» Er hofft auf die Kolleginnen und Kollegen, die die Ehre der Pfarrpersonen retten werden: Pfarrerin Nicole Häfeli aus Therwil und der Basler Pfarrer Jürg Scheibler. Ganz unbegründet sind Dürrs Ängste nicht, treten die Pfarrpersonen doch mit den bekannten Poetry Slamern Marguerite Meyer, Jens Nielsen (beide aus Zürich) und Micha de Roo (Basel) auf.

Moderiert wird der 1. Basler Preacher Slam von Daniela Dill, die seit fünf Jahren Poetry-Slam-Workshops gibt und «Slam Basel» lanciert hat. Welchen Wortbeitrag die «Slamgemeinde» am Ende lautstark feiert, wird sich am 28. Oktober zeigen – in der Matthäuskirche. Denn der dortige Diakon, Tobias Dietrich, sieht in der Kooperation einen Gewinn für die kirchliche Arbeit vor Ort: «Das Format und die Themen passen perfekt ins Kleinbasel und ins Quartier.» Apropos gewinnen. Der Preis für den 1. Platz im 1. Basler Preacher Slam ist sinnigerweise eine Flasche «Spirit».

Franz Osswald / 30. September 2016

1. Basler Preacher Slam: Freitag, 28. Oktober, 19.30 Uhr, Matthäuskirche Basel. Eintritt 15 Franken, Abendkasse ab 19 Uhr


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