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Spiritualität

In Palliative Care ist die Berücksichtigung von religiös-spirituellen Aspekten sehr wichtig – Dieser Seelsorgegrundsatz soll nun mehr Raum erhalten

Spiritualität – die vierte Dimension

19.10.2016
Spirituelle Bedürfnisse eines Patienten werden bei der Behandlung häufig zu wenig berücksichtigt. Doch seit kurzem findet ein Umdenken statt. Spiritual Care (Sorge um die spirituell-religiösen Aspekte) etabliert sich zusehends als Behandlungsansatz. Der professionellen kirchlichen Seelsorge kommt dabei eine Schlüsselrolle zu.

Pflegefachleute, Ärzte und Psychotherapeuten sind oft unsicher mit dem Umgang mit der Spiritualität des Patienten, betrachten sie nicht als ihren Zuständigkeitsbereich oder finden aufgrund des Spardrucks schlicht keine Zeit, sich des geistig-spirituellen Innenlebens des Bettlägerigen anzunehmen.

Aufgabe aller Gesundheitsberufe

Doch eine Trendwende hat eingesetzt. «Davon ausgehend, dass die Spiritualität eine wichtige Quelle in der Krankheitsverarbeitung sein kann, wird die Sorge um spirituelle Bedürfnisse, Möglichkeiten und Wünsche von Patientinnen und Patienten zunehmend auch als Aufgabe aller Gesundheitsberufe verstanden», sagt Renata Aebi, Seelsorgerin und Projektbeauftragte für Seelsorge in Palliative Care der St. Galler Kantonalkirche sowie Mitglied der Fachgruppe Seelsorge bei palliative ch. Mittlerweile eignen sich verschiedene Berufsgruppen Kompetenzen in Spiritual Care an und seit Herbst 2015 fördert die an der theologischen Fakultät der Universität Zürich beheimatete Professur für Spiritual Care das Wissen angehender Mediziner im Umgang mit spirituellen Fragen. Denn: Spiritualität wird seit der Beschreibung durch die WHO als die vierte Dimension von Gesundheit verstanden.

Interdisziplinär

Der Ansatz, verstärkt interdisziplinär zu arbeiten, so Aebi, sei aus der Palliative Care herausgewachsen, die für Schwerst- und Chronischkranke sowie Sterbende mit ihren Angehörigen eine ganzheitliche Unterstützung biete und dabei auch bewusst die religiös-spirituellen Aspekte miteinbeziehe. Wie dies in der Praxis aussehen kann, zeigt ein Beispiel aus dem Seelsorgealltag der 49-Jährigen in einer Langzeitpflege- institution. Ein teilgelähmter, künstlich ernährter und kommunikativ beeinträchtigter Patient mit einer fortgeschrittenen Hirnatrophie (Schrumpfung) forderte beim Eintritt das Betreuungsteam sehr stark. Er verweigerte Therapien und zog sich stark zurück. Die Seelsorgerin initiierte in enger Zusammenarbeit mit der Bezugspflegenden eine Biographiearbeit.

«Spiritualität ist eine wichtige Quelle in der Krankheitsverarbeitung.»

Der Patient entwickelte zunehmende Präsenz, erzählte aus seinem Leben, – persönliche Ressourcen wurden sichtbar. Die Angehörigen zeichneten allmählich seine Geschichte nach und in einem Buch mit Fotos auf. Darin enthalten waren auch Wünsche und Hoffnungen des Mannes für den weiteren Lebensweg. Das «Lebensbuch» wurde dem Betreuungsteam vorgestellt. Dieses machte den Inhalt für den Patienten gezielt fruchtbar, indem die Musiktherapie intensiviert und die Physiotherapie für den ehemaligen Taucher ins Wasser verlegte wurde.

Expertin unter den Generalisten

Braucht es die Seelsorge noch, wenn die medizinischen Berufe neues Wissen aneignen? «Im Gegenteil, ihr kommt eine Schlüsselrolle zu! Sie ist Expertin der spirituellen Begleitung unter den Generalisten der übrigen Gesundheitsberufe.» Sie müsse sich in die interprofessionelle Zusammenarbeit einbringen. Unabdingbar sei dafür bestausgebildetes Personal, das über spezialisiertes Wissen verfüge, so Aebi. Dazu gehöre auch, ein Verständnis von Spiritualität, welche nicht unbedingt an Religion oder Konfession gebunden sei.

 

Text: Katharina Meier, pd | Zeichnungen: Bruno, Nadine, Manuel  – Kirchenbote SG, November 2016

 


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