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Kirche

Die Spitäler des Kantons St. Gallen zählen auf Freiwillige – so auch das Kantonsspital

«Es braucht Mut, die Tür zu öffnen»

19.10.2016
Jeden Samstagvormittag klopft Renate Sidler an sechzig Türen. Als eine von sechs Freiwilligen ist sie einmal pro Woche im Kantonsspital St. Gallen unterwegs, um abzuklären, welche Patientinnen und Patienten am Sonntagsgottesdienst in der Spitalkapelle teilnehmen möchten und ob sie für den Weg dorthin den Bettendienst benötigten. «Eine Aufgabe, die herausfordert», so Renate Sidler, «sie hat aber auch meinen Horizont enorm erweitert.»

«Ich habe jedes Mal Bammel vor dem, was mich erwartet», bekennt Renate Sidler beim Gespräch in der Spitalcafeteria. Seit acht Jahren ist sie für IDEM (siehe Fussnote) im Einsatz. Trotz Routine heisse es immer wieder neu, den Mut zu haben, die Tür zu öffnen und die Frage zu stellen. Sie wisse nie, was sie erwarte, wenn sie ein Patientenzimmer betrete und die Patienten mit der Frage konfrontiere: «Möchten Sie am Sonntag in den Gottesdienst?» «Junge Patienten lachen oft laut heraus, wenn sie meine Frage hören. Durch mich wird ihnen erst bewusst, dass in der Spitalkapelle Gottesdienste angeboten werden.»

Zum Mitagessen eingeladen

«Natürlich gibt es auch Patienten, die ablehnend reagieren und mich sofort wegschicken oder mit Vorwürfen gegenüber der Kirche konfrontieren.» Es gebe aber sehr wohl auch Patienten, die auf sie warten und sich über ihren Besuch freuen. Da kann es sogar passieren, dass sie eingeladen wird, zum Mittagessen zu bleiben. «Ich erlebe oft, dass mein Besuch ein wichtiger Moment im Alltag mancher Patienten ist, auch wenn nur ein kurzes Gespräch möglich ist.» Wenn Renate Sidler von ihren Erfahrungen erzählt, ist herauszuhören, wie wichtig die Aufgabe für sie ist, dass ihr die Erlebnisse manchmal auch nahe gehen: «Einige Begegnungen sind intensiv. Es ist manchmal schwer auszuhalten, mit welchen Schicksalen die Menschen konfrontiert sind.»

«Aushängeschild» der Kirche

Auch wenn sie nur den Auftrag hat, das Bedürfnis nach der Gottesdienstteilnahme abzuklären, ist sie so etwas wie ein «Aushängeschild» der Kirche. «Mir kommt sicher zugute, dass ich keine Mühe habe, mit anderen ins Gespräch zu kommen», so Sidler. «Dazu kommt: Ich vertrete zwar die Kirche, aber ich bin keine Seelsorgerin. Das erlaubt mir, anders auf Patienten zuzugehen.» Sie werde von ihnen anders wahrgenommen. Nach etwa neunzig Minuten hat Renate Sidler ihren Rundgang absolviert. Die Liste mit den Anmeldungen für den Gottesdienst und den Bettenschiebedienst wird weitergeleitet. Oft trifft sie sich mit einer anderen IDEM-Freiwilligen in der Cafeteria, um sich über die Erlebnisse auszutauschen. «Das hilft mir, das Erlebte zu verarbeiten. Doch ich kann gut abschalten. Es kommt praktisch nie vor, dass ich etwas Belastendes mitnehme.»

«IDEM – Im Dienste eines Mitmenschen» ist eine Gruppe Freiwilliger, die einen Teil ihrer Freizeit in den Dienst kranker Menschen im Kantonsspital stellt. Eine Untergruppe davon klärt das Interesse an der Teilnahme am Sonntagsgottesdienst ab. Freiwillige werden gesucht. Sie werden in den Dienst eingeführt und professionell betreut. Kontakt: monika.rueeggbless@kssg.ch Tel. 071 494 14 20

 

Text | Foto: Stephan Sigg, Pfarreiforum – Kirchenbote SG, November 2016

 

 


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