News aus dem Kanton St. Gallen

Ein Friedensdorf für Christen und Muslime

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27.09.2018
Neue Konflikte in Nigeria fordern Todesopfer. Mitten in der Gewalt wächst ein Friedensdorf für Christen und Muslime.Mission 21 hat das Projekt in Neuhausen präsentiert.

Seit Beginn dieses Jahres haben die Konflikte in Nigeria etwa 2000 neue Todesopfer gefordert. Rund zwei Millionen Menschen sind auf der Flucht. Seit bald zehn Jahren terrorisiert die jihadistische Miliz Boko Haram die Bev├Âlkerung im Norden Nigerias. Die Entf├╝hrung der 276 Sch├╝lerinnen in Chibok im Jahr 2014 machte den Konflikt auf der ganzen Welt bekannt.

Ausbildung und Trauma-Arbeit

Heute schwelen neue Unruhen. Immer h├Ąufiger kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen sesshaften christlichen Bauern und muslimischen Nomaden mit ihren Herden. ┬źFr├╝her hat zwischen den beiden Bev├Âlkerungsgruppen ein Geben und Nehmen geherrscht┬╗, sagt Detlef Lienau vom Basler Hilfswerk Mission 21 am Begegnungstag in Neuhausen Rheinfall. Durch den Klimawandel seien die Regenzeiten k├╝rzer geworden, was den Druck auf das Land verst├Ąrke. ┬źDer Streit um Weidefl├Ąchen f├╝hrt ganz schnell zu erneuten Religionskonflikten┬╗, so Lienau.
Doch mitten in den Unruhen existiert ein Ort des Friedens: Das Gurku Village, ein Dorf, wo Christen und Muslime zusammenleben. Der Nigerianer Markus Gamache hat es gegr├╝ndet. Er hat den Religionskonflikt am eigenen Leib erfahren. Sein Vater war zum Islam konvertiert und warf den Sohn aus dem Haus, weil er Christ sein wollte. ┬źDamals war ich etwa 15 Jahre alt. Mein Vater weigerte sich, mit mir aus der gleichen Sch├╝ssel zu essen┬╗, erz├Ąhlt der 50-j├Ąhrige Betriebswirt. Doch es gab auch viele muslimische Br├╝der und Schwestern, die ihm mehr Liebe gezeigt h├Ątten als manche Christen. Dies habe ihn sosehr ber├╝hrt, dass er Christen und Muslime zusammenbringen wollte, um eine Atmosph├Ąre zu schaffen, in der sie gemeinsam handeln k├Ânnen. ┬źMan kann den Frieden nicht herbeireden, man muss ihn leben┬╗, so Gamache.
Mission 21 unterst├╝tzt zusammen mit ihrer nigerianischen Partnerkirche, der Kirche der Geschwister, Gamaches Engagement. Seine Organisation erm├Âglicht jungen Christen und Muslimen eine Ausbildung. Daneben bietet er interreligi├Âse Workshops zur Trauma-Verarbeitung an. Denn die schrecklichen Erlebnisse verfolgen viele der ├ťberlebenden jahrelang. So auch Yohana Zidiko, ein 34-j├Ąhriger Familienvater: ┬źMein Leben war gepr├Ągt von Wut, Angst und Sorge, bis ich hier in Gurku einen Trauma-Workshop besuchte. Dort erfuhr ich, was ein Trauma ist, wie es dich beeintr├Ąchtigt, und dass es dich nur losl├Ąsst, wenn du lernst, zu vergeben┬╗, sagt er.
Wie Yohana Zidiko leben 1200 Menschen in Gurku Village. Es gibt eine Klinik, eine Kirche, eine Moschee und eine Schule. Die muslimischen und christlichen Kinder ┬źlernen, spielen, springen und singen miteinander┬╗. Das Spendengeld, das Mission 21 mit ihrer Kampagne sammelt, unterst├╝tzt die Friedensarbeit in Nigeria.

27.09.18 / Adriana Schneider

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