News aus dem Kanton St. Gallen

«Ihre Bilder öffnen Herzen»

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31.03.2023
Das Schaffhauser Foto­grafenduo Eric und Bruno Bührer weckte in der Zwinglikirche mit ausge­wählten Bildern Gefühle und Erinnerungen.

Von 1959 berichteten die ┬źSchaffhauser Nachrichten┬╗ auf einer ganzen Seite ├╝ber die feierliche Einweihung der Zwinglikirche ÔÇô allerdings ohne Fotos. Dabei waren die Br├╝der Bruno und Eric B├╝hrer schon damals mit Foto┬şapparaten unterwegs: Bereits 1956 hatte die Zeitung die erste Bildseite von Bruno ver├Âffentlicht.

K├Âniglicher Besuch

In der Zwinglikirche zeigten sie ausgew├Ąhlte Fotos aus ihrer Sammlung, die per Beamer auf eine Grossleinwand projiziert wurden. Die er┬ş┬şw├Ąhnte Bildseite von Bruno B├╝hrer machte den Anfang. Es folgten 86 weitere Bilder, und das war kein Zufall: Die eineiigen Zwillinge feiern in diesem Jahr ihren 87. Geburtstag. Oft ging ein Raunen durch das Publikum, die Eindr├╝cke auf der Leinwand weckten Emotionen. Eric B├╝hrer berichtete, wie er die Waschfrauen am Rhein bei Diessen┬şhofen bei ihrer Arbeit portr├Ątierte. O┬şder wie es gelang, den schwedischen K├Ânig Carl Gustav auf Staatsbesuch in Schaffhausen zu foto┬şgrafieren, ohne auf die Sicherheitsvorkehrungen R├╝cksicht zu nehmen. ┬źIn den Sechzigerjahren war bei so einem Anlass keine Polizei vor Ort, das w├Ąre heute undenkbar.┬╗

 

┬źDas Wichtigste f├╝r einen guten Fotografen ist die Leidenschaft.ÔÇë┬╗

Eric B├╝hrer

 

Er erz├Ąhlte von der Schaffhauser Industriegeschichte, vom ersten Bachfest mit Maria Stader und von der Zusammenarbeit mit vielen namhaften K├╝nstlerinnen und K├╝nstlern wie Max Uehlinger, Els Pletscher oder Joseph Beuys. Weit ├╝ber eine Million Bilder haben die ┬źB├╝hrer-Buben┬╗, wie sie liebevoll genannt werden, geschossen. Daraus ist eine einzigartige Chronik von Schaffhausen und der Region entstanden, die zu einem grossen Teil im Stadtarchiv aufbewahrt wird. Die beiden Fotok├╝nstler gelten als ┬źmoderne Chronisten┬╗ oder als das ┬źfotografische Ged├Ąchtnis von Schaffhausen┬╗. F├╝r ihr Lebenswerk erhielten sie 2021 den mit 20000 Franken dotierten Werner-Amsler-Preis.

Paris und Schaffhausen

Die Fotos zeugten auch vom kosmopolitischen Flair der Br├╝der, die etliche L├Ąnder bereisten und Prominente portr├Ątierten. So war Bruno B├╝hrer in den Sechzigerjahren Assistent eines Modefotografen in Paris und arbeitete mit ber├╝hmten Models. Andere Aufnahmen entstanden auf Reisen nach Florenz, New York oder Moskau. ┬źOb prominent oder nicht, Bruno und Eric B├╝hrer ging es um den Menschen vor der Linse┬╗, betont der Journalist Andreas Schiendorfer, der lange mit den Br├╝dern zusammengearbeitet hat. Im Zentrum ihrer beruflichen Laufbahn stand die Zusammenarbeit mit den ┬źSchaffhauser Nachrichten┬╗, die Eric B├╝hrer als ┬źfruchtbares Geben und Nehmen┬╗ bezeichnete. Als Pressefotografen h├Ątten die beiden viele T├╝ren ge├Âffnet. ┬źOb Politiker oder Bauarbeiter, ihr habt alle ins beste Licht ger├╝ckt.┬╗ Das sei in den Fotos sichtbar. ┬źEure Bilder ├Âffnen auch heute noch Herzen.┬╗

Zueinander schauen

Die Fotografien von Bruno und Eric B├╝hrer sind Momentaufnahmen f├╝r die Ewigkeit, die von einem untr├╝glichen Gesp├╝r f├╝r Stimmungen und Details zeugen. ┬źDas Wichtigste f├╝r einen guten Fotografen ist die Leidenschaft┬╗, sagt Eric B├╝hrer. Den heutigen Umgang mit Bildern sieht er kritisch. ┬źFr├╝her waren Zeitungen Bleiw├╝sten, heute sind es Bilderb├╝cher.┬╗ Aktuell fotografieren Bruno und Eric B├╝hrer nicht mehr. Ihr Atelier, das sie vor sechzig Jahren bezogen haben, besitzen sie immer noch, wenn auch nicht mehr an der gleichen Adresse. Die Dunkelkammer haben sie jungen Fotografen ├╝berlassen. Die Gebr├╝der nutzen die R├Ąume, um Bilder und Negative zu ordnen. ┬źIm R├╝ckblick wird vieles wieder lebendig, es ist wie eine Reise in die Vergangenheit┬╗, sagt Eric B├╝hrer. Die Br├╝der leben in verschiedenen Wohnungen, sehen sich t├Ąglich und essen zusammen. Gesundheitlich hat Bruno, der Zweitgeborene der Zwillinge, mehr zu k├Ąmpfen als Eric. Beide sind dankbar, dass sie so lange zusammen arbeiten konnten. ┬źWir hatten eine sch├Âne Zeit. Und jetzt k├╝mmern wir uns umeinander, solange es geht.┬╗

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