News aus dem Kanton St. Gallen

Konkordat war umstritten

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20.07.2018
Die Evangelische Synode genehmigte einen Kredit für die Vernetzung von Arbeitsplätzen im IT-Bereich und stimmte trotz inhaltlicher Bedenken der Teilrevision des Konkordats zur Pfarrerausbildung zu. Die Rechnung schliesst mit einem Gewinn von 121‘000 Franken um rund 175‘000 Franken besser ab als budgetiert.

Nach der Neubestellung ihrer Organe, befasste sich die Synode unter FĂŒhrung ihrer neuen PrĂ€sidentin Judith HĂŒbscher Stettler mit der Genehmigung des Jahresberichts und der Rechnung 2017. Am Nachmittag dominierte die Diskussion um mögliche EntzugsgrĂŒnde der WahlfĂ€higkeit von Pfarrpersonen, wie sie die Änderung zum Konkordat formuliert.

Jahresbericht gelobt
Die GPK lobte ausdrĂŒcklich, dass die landeskirchliche Arbeit nicht nur von SparbemĂŒhungen, Fusionen und Geldfragen geprĂ€gt ist, sondern dass die Inhalte ĂŒberwiegen, wie im Jahresbericht 2017 auf ansprechende Art dargelegt ist. Offenbar finden die Beratungsangebote im Bereich Diakonie und die Angebote der kirchlichen Erwachsenenbildung/SpiritualitĂ€t guten Anklang, wie die gestiegene Nachfrage bei der Beratungsstelle fĂŒr Arbeitslose und beim Tecum zeigen. Diakon Hanspeter Rissi, Thurgauer Abgeordneter bei Diakonie Schweiz aus Kreuzlingen, regte an, sich vermehrt ĂŒber das Fachportal www.diakonie.ch zu informieren.
Ruedi Keller, Berg, richtete seinen besonderen Dank an den Kirchenrat fĂŒr die sehr gelungene DurchfĂŒhrung von drei GrossanlĂ€ssen im Reformationsjahr. Nebst Kirchensonntag und Reformationsgottesdienst hob er die Finanzierung der Bahnfahrt fĂŒr 550 Jugendliche aus dem Thurgau am Jugendfestival Reformaction in Genf hervor. Christina Aus der Au, Frauenfeld, wollte vom Kirchenrat wissen, ob die bei diesem Anlass von Jugendlichen formulierten Thesen konkrete Planungen der Thurgauer Landeskirche nach sich ziehen wĂŒrden. KirchenrĂ€tin Ruth Pfister: «Wir bleiben dran.» Kirchenrat Lukas Weinhold beantwortete Fragen der GPK zur Spezialseelsorge. FĂŒr die Mitwirkung im Care Team suche die Landeskirche dringend Pfarrpersonen, die bereit sind, sich in der Notfallseelsorge zu engagieren.

Gewinn - auch dank Erfolgsgeschichte «RĂŒckenwind»
Bei einem Aufwand von 6,36 Mio. Franken schliesst die Rechnung mit einem ErtragsĂŒberschuss von 121‘000 Franken um rund 175‘000 Franken besser ab als budgetiert. Leicht höhere Steuereinnahmen (47’000 Franken) und Minderausgaben wirkten sich aus. GrĂŒnde sind zum Beispiel Verzögerungen von geplanten Arbeiten bei der Organisationsentwicklung und der ökumenischen Finanzbuchhaltung. Auch gesundheitsbedingte Abweichungen bei den Personalkosten zeigten Auswirkungen. Die mehr als doppelt so hohe Nachfrage am Liederbuch RĂŒckenwind bescherte weitaus mehr zusĂ€tzliche Einnahmen als zusĂ€tzliche Ausgaben. Vom Rechnungsvorschlag fliessen 50‘000 Franken fĂŒr das ökumenische Projekt «150 Jahre Landeskirche Thurgau» als Einlage in den Fonds «Vorfinanzierung Kirchengeschichte und JubilĂ€en», 70‘742 Franken werden dem Eigenkapital zugeschrieben.

Thurgauer Zeichen des Missfallens
Die Teilrevision des Konkordats dominierte die Diskussion am Nachmittag. ErgĂ€nzend zum staatlich verantworteten Theologiestudium, regelt das Konkordat den kirchlich verantworteten Teil der praktischen Pfarrausbildung und die Zulassung zum Kirchendienst. Die vom Kirchenrat zu treffende Übereinkunft mit anderen Kantonalkirchen bedarf der Genehmigung der Synode. Auf die inhaltliche Ausgestaltung hat sie keinen Einfluss. BefĂŒrchtungen zum missbrĂ€uchlichen Entzug der WahlfĂ€higkeit ins Pfarramt, was einem Berufsverbot von Pfarrpersonen gleich kĂ€me, wurden deutlich. Hans Peter NiederhĂ€user, Weinfelden, forderte als deutliches vernehmbares Zeichen des Missfallens aus dem Thurgau, die Vereinbarung abzulehnen. Um dies zu verhindern, rang die Synode um eine gangbare Lösung, ihr Missfallen gegenĂŒber den mitunterzeichnenden Konkordatskirchen auszudrĂŒcken, ohne die Annahme gesamthaft zu gefĂ€hrden. Der breit geteilte Unmut konzentrierte sich auf Formulierungen im Artikel 19 zum Verlust oder Entzug der WahlfĂ€higkeit. Pfarrer Frank Sachweh, Sulgen, befĂŒrchtete, dass Pfarrpersonen, die sich engagiert und mit klaren Voten fĂŒr Menschenrechte einsetzen oder Kirchenasyl gewĂ€hren wĂŒrden, missbrĂ€uchlich als politisch unbequeme Personen vom Kirchendienst ausgeschlossen werden könnten. Pfarrer Harald Ratheiser, Arbon, attestierte dem Gesetz zwar gute Absichten, die aber «grottenschlecht formuliert» seien. Pfarrerin Gabriele Weiss, Scherzingen-Bottighofen, doppelte nach: «Das Recht muss besser sein als die Menschen.» Die Lösung fand die Synode in der Konsultativabstimmung zum Antrag Sachweh: Die Thurgauer Vertretung soll sich in der Konkordatskonferenz dafĂŒr einsetzen, dass bei der Umsetzung der rechtlichen Bestimmungen eine missbrĂ€uchliche Anwendung verunmöglicht wird. Sowohl die Konsultativabstimmung wie auch die Genehmigung des Konkordats wurden mit grossem Mehr angenommen. Die Neugestaltung des Konkordats bewegte auch die Theologiestudierenden, die sich auf das Pfarramt vorbereiten, teilte der Kirchenrat ĂŒber seine jĂ€hrliche Zusammenkunft mit den Thurgauer Theologiestudierenden mit.

IT Kredit bewilligt
Nach kurzer Diskussion ĂŒber die wiederkehrenden Kosten, bewilligte die Synode einen Kreditantrag fĂŒr die EinfĂŒhrung einer zentralen digitalen Datenablage mit einmaligen Umstellungskosten von 25'000 Franken und jĂ€hrlich wiederkehrenden Kosten von 35'000 Franken. Somit können die ArbeitsplĂ€tze von Kirchenrat, Mitarbeitenden von Kanzlei und Fachstellen vernetzt werden, wie es die Organisationsentwicklung vorsieht.

Zeitgeist und falsche Propheten
Pfarrer Christian Herrmann aus Gachnang sprach im Synodegottesdienst ĂŒber Jeremias 23, 16-19 und falsche Propheten, die mit Augenwischerei auf Stimmenfang gehen um sich Einfluss und Macht zu sichern. Herrmann mahnte die Aufmerksamkeit nicht dem Zeitgeist zu widmen, sondern auf Gottes Wort zu lenken: «Das wahre Sprachrohr der Kirche ist ihr Handeln, nicht ihre einheitliche Stimme.» Im Synodegottesdienst kam die Kollekte von 939 Franken fĂŒr den Hospizdienst Thurgau zusammen.

(27. Juni 2018, Brunhilde Bergmann)

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