News aus dem Kanton St. Gallen

«Konsumenten haben es in der Hand»

min
23.05.2020
Schon als Kind wusste Rolf Ziegler, dass er zum Landwirt berufen ist. Im Interview erklärt der 64-Jährige, weshalb ressourcenschonender Anbau nur im Zusammenspiel mit dem Handel und den Konsumenten wirksam ist.

Herr Ziegler, seit wann sind Sie Landwirt und auf was ist Ihr Betrieb spezialisiert?
Seit meiner Kindheit. Schule war f├╝r mich ein notwendiges ├ťbel. Mit 14.5 Jahren ÔÇô im Jahr 1971 ÔÇô habe ich dann die Lehre zum Landwirt begonnen. Nach der Rekrutenschule konnte ich den Betrieb meiner Eltern pachten und sp├Ąter kaufen. Wir bewirtschaften Tafelobst, Karotten, Speiseerbsen und Weizen. Bis Mitte Dezember 2019 hatten wir zudem Milchk├╝he auf dem Hof.

Was macht f├╝r Sie den Beruf des Landwirts aus?
Es ist meine Berufung. Ich habe schon w├Ąhrend der Schulzeit Kaninchen, Meerschweinchen, Enten, G├Ąnse und H├╝hner gez├╝chtet. Speziell liebe ich die Apfelb├Ąume.

Sie f├╝hren einen Biobetrieb. Wie unterscheidet sich ein solcher von einem konventionellen Betrieb ÔÇô gerade in Bezug auf die ├ľkologie?
Es muss nicht zwingend einen Unterschied geben. Ob Bio-Knospe oder konventionell: Beide haben noch Potenzial f├╝r Verbesserungen.

Aus welcher Motivation heraus haben Sie auf einen Biobetrieb umgestellt? Inwiefern spielte diesbez├╝glich der Glaube eine Rolle?
Im Jahr 2000 war es der Wunsch von unserem Milchabnehmer Pius Biedermann in Bischofszell, weil er zu wenig Biomilch hatte. Da wir aber auch noch zwei Hektaren Tafelobst und etwas Acker bewirtschaften, war der Respekt vor der Umstellung gross. Der Glaube hatte keinen Einfluss auf die Entscheidung.

Gem├Ąss dem Schweizer Bauernverband ist die Landwirtschaft f├╝r rund 13 Prozent der Treibhausemmissionen in der Schweiz verantwortlich. Einige Kantone streben eine ┬źklimaneutrale┬╗ Landwirtschaft an. Wie beurteilen Sie dieses Ziel? Und wo machen Sie das gr├Âsste Potenzial aus?
┬źKlimaneutralit├Ąt┬╗ ist ein Wort, mit dem ich nicht viel anfangen kann. Ob die Landwirtschaft wirklich so viel zu den Treibhausemmissionen beitr├Ągt, kann ich ohnehin nicht beurteilen. Die K├╝he furzen und r├╝lpsen gleich viel wie vor der Corona-Zeit und trotzdem ist das Klima besser gewordenÔÇŽ Dennoch sehe ich an einigen Orten Potenzial. Wir sollten zum Beispiel K├╝he z├╝chten, die ihre Leistung mit Gras und Heu erbringen k├Ânnen. Die Hochleistungstiere, die wir jetzt haben, brauchen zus├Ątzliche Futtermittel, die oft von sehr weit her sind. Diese Problematik haben aber viele Landwirte erkannt.

Und wie sieht es beim Tafelobst aus?
Wir Bauern sind sehr bem├╝ht, die Anliegen der Konsumenten ernst zu nehmen. Zum Beispiel haben wir im Bioobstbau sehr viele neue Z├╝chtungen, die mit weniger Spritzmitteln auskommen. Oft werden sie aber vom Markt stiefm├╝tterlich behandelt und der Konsument findet sie oft gar nicht im Laden. Die Apfelsorte Gala, seit Jahren die Nummer 1 in der Schweiz, braucht viel mehr Spritzmittel als unsere pilzresistenten Neuz├╝chtungen. Trotzdem kaufen alle Gala. Hier sollten der Handel und die Konsumenten gemeinsam diesen neuen Weg gehen und unseren guten Willen belohnen, indem sie diese Produkte kaufen. Der Konsument hat es letztlich in der Hand, die schweizerische Landwirtschaft zu beeinflussen. Wir produzieren gerne umweltfreundliche, gesunde Nahrungsmittel, wenn sie dann auch im Einkaufskorb an erster Stelle stehen. Trotzdem: Bei allem, was wir tun, sollten wir uns nicht ├╝bersch├Ątzen. Wenn etwas nicht Gottes Wille ist, so wird es uns trotz allen Anstrengungen nicht gelingen.


(Interview: Cyrill R├╝egger)

Unsere Empfehlungen

Warum Religion bei den Wahlen eine Rolle spielt

Warum Religion bei den Wahlen eine Rolle spielt

Es klingt paradox: Trotz Bedeutungsverlust wirkt Religion immer noch in das politische Gefüge der Schweiz hinein. Vor allem die Fusion von BDP und CVP zur Mitte könnte im Wahlherbst einiges unter der Bundeskuppel verändern.
Freundschaften ernten

Freundschaften ernten

An verschiedenen Orten in der Schweiz betreibt Heks Gärten für Menschen aus aller Welt: Migranten sowie Einheimische kommen bei der Gartenarbeit in Kontakt. Ein Blick über die Hecken.