News aus dem Kanton St. Gallen

Lernen zu hinterfragen

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15.09.2021
Studium der Theologie, praktische Gemeindearbeit und Forschung. Judith Engeler schliesst gerade ihre Doktorarbeit an der Theologischen Fakultät der Universität Zürich ab. Was sie motiviert und wie sie heute über ihren bisherigen Weg und ihre Zukunft denkt.

┬źIch habe die Theologie gew├Ąhlt, weil ich mich nicht auf ein einzelnes Fach festlegen wollte. Denn ich konnte mich nicht zwischen Geschichte, einem Sprachstudium und Philosophie entscheiden┬╗, erz├Ąhlt Judith Engeler. Das Theologiestudium ist breit angelegt, und so kam auch ihr Geschichtsinteresse nicht zu kurz. Kirchengeschichte sei von Anfang an ein Lieblingsfach gewesen, auch wenn sie an allen F├Ąchern Gefallen gefunden habe.

Auf den Grund gehen
┬źDas Theologiestudium ist ein ÔÇ╣Studium generaleÔÇ║ und lehrt einen, Vieles zu hinterfragen. Unsere Gesellschaft wird immer Menschen brauchen, die vernetzt denken k├Ânnen und die Hintergr├╝nde gewisser Vorg├Ąnge und gesellschaftlicher Entwicklungen verstehen und einordnen k├Ânnen. F├╝r die reformierte Kirche ist es noch wichtiger, dass Menschen in ihr leben und arbeiten, die den wichtigen Fragen auf den Grund gehen wollen und k├Ânnen und nicht einfach irgendwelche Halbwahrheiten akzeptieren.┬╗

Lehrreiches Vikariat
Lange Zeit war Engeler unentschlossen, ob die Arbeit im Pfarramt etwas f├╝r sie sei: ┬źZu Beginn des Studiums habe ich das sogar noch ausgeschlossen.┬╗ Im Vikariat erfuhr Judith Engeler aber Begeisterung f├╝r den Beruf: ┬źDazu beigetragen hat auch zu einem grossen Teil die Kirchgemeinde Romanshorn-Salmsach, deren Mitglieder mir mit grossem Wohlwollen begegnet sind. Ich durfte ein tolles Jahr verbringen und wahnsinnig viel lernen.┬╗ Auch wenn sie sich im Studium manchmal mehr Praxisorientierung gew├╝nscht h├Ątte, lernte sie in der Gemeindearbeit die Tiefe der theologischen Ausbildung zu sch├Ątzen.

Kirchengeschichte begeistert
Der Impuls zu ihrer┬áDissertation┬áging aus von ihrem Doktorvater Peter Opitz, Professor f├╝r Kirchen und Dogmengeschichte von der Reformationszeit bis zur Gegenwart an der Universit├Ąt Z├╝rich. ┬źEr hat mir das Erste Helvetische Bekenntnis von 1536 vorgeschlagen. Ich untersuche dabei, wie theologische und politische Gesichtspunkte miteinander verkn├╝pft waren und welche Rolle sie bei der Abfassung des ersten gesamtschweizerischen Bekenntnisses gespielt haben┬╗, erl├Ąutert Judith Engeler. Ihre Begeisterung f├╝r die Kirchengeschichte ist auch heute sp├╝rbar.

Pers├Ânliche Entwicklung
Sie sieht die Zeit ihrer wissenschaftlichen Arbeit vor allem als eine Art Weiterbildung an. ┬źNicht nur inhaltlich ÔÇô ich denke, da kann nebst der Forschung auch meine zuk├╝nftige Kirchgemeinde profitieren ÔÇô sondern auch pers├Ânlich. F├╝r ein halbes Jahr forschte sie am Leibniz-Institut f├╝r Europ├Ąische Geschichte in Mainz, das ihre wissenschaftliche Arbeit mit einem Stipendium unterst├╝tzte.

Antworten suchen
Judith Engeler empfiehlt das Theologie-Studium gerne weiter: ┬źEs ist ein tolles Studium!┬╗ Mitbringen sollte man ein breites Interesse in den Bereichen Geschichte, Sprache, Ethik, Philosophie und unserer Kultur sowie Diskussionsfreude. Und sie f├╝gt hinzu: ┬źDer Glaube an den dreieinen Gott ist keine unbedingte Voraussetzung. Suchen sollten zuk├╝nftige Studierende Antworten auf die grossen Lebensfragen, aber nicht die Erwartung haben, diese im Studium zu finden. Daf├╝r braucht es mindestens ein ganzes Leben.┬╗ Am 1. Dezember 2021 wird sie ihre erste Pfarrstelle antreten und dies ganz in der N├Ąhe ihres jetzigen Wirkungsortes, in Z├╝rich Altstetten.

 

(Karin Kaspers Elkes)

 

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