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Politik

Ölpalmen verdrängen die Bevölkerung und ihre traditionelle Lebensweise

Palmöl-Konzerne pflanzen in West-Kalimantan immer mehr Ölpalmen an. Das bedroht die Existenz der Dayak, der ursprünglichen Bevölkerung. Walhi, eine Partnerorganisation von Brot für alle, kämpft gemeinsam mit den Betroffenen für ihre Rechte.

Es ist eine holperige Fahrt bis zur Familie von Pak Aby Lei in Sungai Kelik im Südwesten von Kalimantan. Ständige Begleiter auf diesem Weg sind Ölpalmen. Kleine, grössere, in Reih und Glied – bis dicht an ihr Haus. Die Plantage wird von der Bumitama Gunajaya Abadi Group betrieben. Sie ist eine der grossen Firmen im indonesischen Palmölgeschäft. 

«Die Erde ist unsere Mutter, der Wald unser Blut und unser Atem»

Tausende Hektar Wald hat Bumitama in den letzten Jahren abgeholzt und Millionen von Ölpalmen gepflanzt. Das nötige Kapital nahm die Gruppe auch über die brasilianisch-schweizerische Bank J. Safra Sarasin auf. «Ohne Begründung haben sie uns 36 Hektaren Land weggenommen und Ölpalmen angepflanzt», erzählt Pak Aby. Seither kämpft er um sein Land. Die Situation im Dorf Sungai Kelik ist kein Einzelfall. Und auch hier steckt Schweizer Geld in den Plantagen oder mischen die Schweizer Grossbanken Credit Suisse und UBS mit, obwohl in diesem Geschäft mit Monokulturen und Land Grabbing allzu oft die Menschenrechte verletzt und die Umwelt geschädigt werden. 

Einfach weggenommen 

Von diesem unrechtmässigen Vorgehen erzählt Aby Lei: Er und seine Verwandtschaft wollten vor Jahren eine eigene kleine Plantage anlegen. Von 96 Hektar Land rund um Sungai Kelik waren ungefähr 50 Hektar für nachhaltige Produktion zertifiziert. Dann tauchte die Bumitamagruppe auf. «Vor vier Jahren hat uns der Konzern mehr als ein Drittel unseres Landes weggenommen», erzählt Aby Lei. «Wir haben unseren Fall nach Disbun zur Forstschutzbehörde gebracht. Doch bis heute haben wir keine Antworten erhalten.» Um zumindest das Land um sein Haus zu sichern, hat er aufgrund seiner Dokumente Grenzpfähle machen lassen. 

Derweil wachsen die Ölpalmen der Plantage um sein Haus jedes Jahr etwa einen halben Meter höher. Kommt hinzu, dass auf den Plantagen viel Dünger eingesetzt und regelmässig alles Unterholz weggeräumt wird. Tiere finden kaum mehr Nahrung und Schutz. 

Unterstützung ist nötig

Wie der Familie Lei geht es vielen. Allein in der Provinz West-Kalimantan besitzen 411 Palmöl- konzerne eine Bewilligung für Plantagen. Zusammen mit Firmen für Holzschlag und Bergbau beanspruchen sie über 5,5 Millionen Hektaren Land. Das sind 85 Prozent der gesamten Fläche von West-Kalimantan – und rund ein Fünftel mehr Fläche als die ganze Schweiz. Die Kultur und die traditionelle Lebensweise der Dayak, so heisst die ursprüngliche Bevölkerung der Region, werden verdrängt. Ihre Lebensgrundlage wird vernichtet. Dagegen wehren sich die Menschen in vielen Dörfern. Walhi, eine Partnerorganisation von Brot für alle, unterstützt diesen Widerstand. 

Im Dayak-Kosmos aufgehoben

Auch die Bevölkerung von Sungai Utik, einem Dorf des Dayak-Volkes der Iban, wehrt sich. Sie will verwurzelt bleiben in der traditionellen Lebensweise und aufgehoben im Kosmos der Dayak. Dieser baut auf einem Leben in Harmonie mit der Umwelt. Die traditionellen Sitten und Regeln sorgen dafür, dass der Wald erhalten wird, die Trockenreisfelder nach bestimmten Riten vorbereitet, bepflanzt und geerntet werden. Davon erzählt der 87-jährige Abay Janggut. «Ich sah, wie sich die Welt veränderte und wie es heute vielen unmöglich ist, frisches Wasser zu finden, die Trockenreisfelder zu bearbeiten und auf die Jagd zu gehen.» 

Mit seiner Weisheit und als ehemaliger Chef des Dorfes ist er noch immer Hüter der traditionellen Rechte und Gebräuche. Sie heissen Adat und geben nicht nur Janggut Kraft für den Kampf gegen die Palmölkonzerne. «Die Erde ist unsere Mutter, der Wald unser Blut und unser Atem», erklärt er. «Wie können wir ohne Land und mit zerstörter Umwelt Lösungen für unser Leben in der Zukunft finden? Wenn du dein Land an das Unternehmen gibst, heisst das, dass du dich selber tötest, denn du wirst dein Land für immer verlieren.»  

Manifest 

Janggut findet auch viel Unterstützung bei den Jungen im Dorf. Und darüber hinaus: Sein Name und sein Engagement wirken bis über die Grenze von Indonesien nach Malaysia. Im Nachbardorf Ulak Pauk ereifert sich Marselus Alek, Leiter einer Gruppe von jungen Bewohnern: «Wir sind gegen die Ölpalm-Plantagen, weil wir sehen, wie unfair sich der Konzern Rimba Utara benimmt. Er kam in unser Dorf, ohne uns zu informieren. Nie suchten sie unsere Zustimmung. Unser Dorf liegt mitten in der geplanten Plantage, sie stehlen uns unsere Landrechte. Vermutlich hat sich Rimba Utara unser Land ohne Erlaubnis angeeignet.» 

Mit einem Manifest versuchen sie die Aufmerksamkeit der Regierung auf diesen Landraub zu lenken. Doch diese ist weit weg in der Hauptstadt Jakarta. Darum braucht es auch da die Hilfe einer landesweit tätigen Organisation wie Walhi.

 

Text: Urs Walter, Bfa | Fotos: Brot für alle, François de Sury   – Kirchenbote SG, März 2017

 


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