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Gesellschaft

Viele sind «stille Kirchenmitglieder» – sie wissen um den Wert und die Wichtigkeit der Institution und ihrer Arbeit

Etwas Wichtiges würde fehlen

22.03.2019
Der Austritt aus der Kirche kann ein bewusster Entscheid sein. Unbestritten. Mitglied zu bleiben, ist aber heute ein ebenso reflektierter Beschluss. Das legen die Echos nahe, welche St. Galler Pfarrerinnen und Pfarrer geben.

Patrick Siegfried aus Buchs hat sich umgehört und betont: «Dass Kirche Menschen in Lebensübergängen begleitet, bei Taufe, Hochzeit und Beerdigungen, sehen viele als einen hohen Wert.» Auch der soziale Aspekt der Kirche werde oft genannt, als wertvoller Impuls in der Gesellschaft. Wertschätzung erführen zudem die Offenheit für unterschiedliche Glaubensauffassungen sowie die Lebendigkeit und Schönheit von Festen. Kurz, ohne Kirche würde etwas Wichtiges fehlen, auch wenn sich dieses «Etwas» nicht in Franken beziffern liesse. Viele Mitglieder der Kirche seien sich dessen wohl sehr bewusst und unterstützten es durch ihre bewusste Mitgliedschaft. 

Wertschätzung
Diese Wertschätzung teilen offenbar auch Menschen, die gar kein Kirchenmitglied sind. Fabian Gern etwa hat sich zwar der Spiritualität des Buddhismus zugewendet, schätzt es aber, dass es hierzulande Kirche als prägende kulturelle und religiöse Kraft gibt. «Das Feiern der Hochfeste und der Lebensübergänge ist wichtig, auch die Suche nach Verbundenheit in etwas Transzendentes.» Speziell der Segen bedeute ihm viel, verweise er doch darauf, dass «ich mir nicht alles selbst sein muss».

«Ist es Zufall, dass das Christentum am schnellsten wächst? Kaum.»

Psychiater Tobias Müller betont, das Gebet fördere Selbstvergewisserung und bilde einen stabilisierenden Rahmen, durch die Einbettung in eine soziale Gemeinschaft. Das kann Therapie alleine offenbar nicht bieten. Was für eine Wertschätzung! Womöglich sind darum, aller Unkenrufe zum Trotz, fast zwei Drittel der Bevölkerung sehr bewusst Mitglied einer Kirche und das Christentum die am schnellsten wachsende Religionsgemeinschaft weltweit. Zufall? Kaum. Es liegen persönliche Entscheidungen zugrunde. 

Es gibt nur wenige Studien
Die kurze Umfrage im Kanton deckt sich mit einer der wenigen Studien, die es zum Thema gibt. Die Universität im deutschen Siegen hat dabei vor allem fünf «Dimensionen der Kirchenbindung» ermittelt, die leitend für den Verbleib in der Kirche seien. Als erste Dimension gilt die heimatliche, also Kirche als eine persönliche Sinn- und Halt-Gebende Instanz. Die zweite ist die interaktive Dimension, also Kirche als Ort der Gemeinschaft und des Zusammenhalts. Die dritte beschreibt das gesellschaftliche, sozialkritische Engagement der Kirche, die vierte ihre liturgische, gottesdienstliche Dimension. Als fünfte gilt die blosse Existenz der Kirche als einer Orientierungsinstanz für die Gesellschaft. 

Tue Gutes und sprich davon!
«Der Vielschichtigkeit der Gründe für einen Kirchenaustritt stehen ebenso vielschichtige Gründe für den Verbleib in der Kirche gegenüber», halten die Macher der Studie denn auch fest. Daraus liesse sich der Schluss ziehen, dass Kirche gut beraten wäre, auch mal ihre Talente einzusetzen, die Fähigkeiten zu nutzen. Tue Gutes und rede darüber, statt sich immer weiter selbst zu verzwergen. Interesse wäre da, wie das Bundesamt für Statistik ermittelt hat. Über die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer betet täglich und ein ebenso hoher Anteil besucht immerhin fünfmal jährlich einen Gottesdienst.

 

Text: Reinhold Meier, Journalist, Pfarrer, Wangs | Foto: Katharina Meier – Kirchenbote SG, April 2019

 

Ethos prägen

Neben Schulbildung und ihrer sozialdiakonischen Arbeit in Spitälern und Gefängnissen leistet Kirche wertvolle Arbeit vor Ort. Sie fungiert damit auch als Stabilisator. «Denn der freiheitliche, säkulare Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.» Die, nach ihrem Urheber, als «Böckenförde-Diktum» bekannt gewordene These beschreibt die Tatsache, dass der moderne Staat angewiesen ist auf eine Gesinnung, die er selbst nicht erzwingen kann, weil er eben neutral ist. Er braucht somit Träger von Gemeinsinn, die dieses Ethos prägend praktizieren. Auch dafür ist Kirche da. (rem) 


Von roundabout SG-APP (Rahel Schwarz) erfasst am 14.09 2018 11:50

Danke!

Vielen Dank für die Veröffentlichung des Artikels. Wir freuen uns über jedes interessierte Mädchen, über neue Partnerorganisationen oder Workshop-Anfragen. Freundliche Grüsse Rahel Schwarz kantonale Leiterin roundabout SG-APP

Von Maurer Charlotte erfasst am 06.01 2020 09:13

Erwachseme Taufe

Ein lieber Freund, der sich inzwischen sehr mit Gott verbunden hat, möchte eine Erwachsenen Taufe. Er ist als Kind reformiert getauft. Bitte können Sie uns da helfen?

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