Logo
Gesellschaft

Tankstellen der Seele eröffnen

Pumpen und Picknicken bei der Kirche

22.02.2016
Mitten durch die Schweiz führt die Herzroute. Auf dem Berner Abschnitt finden Velofahrerinnen und E-Biker die Velowegkirchen. Ende August erhalten sie ein Label.

Etwas überschwänglich klingt es in der Broschüre: Die über 700 Kilometer der speziell für E-Bikes geplanten Herzroute zwischen Lausanne und Rorschach sollen ans Herz gehen mit «traumhaften Landschaften, einsamen Hügelketten, lauschigen Bauernhöfen und pittoresken Altstädten». Und auch Pfarrer Peter Raich findet, die Strecke solle «ermutigen zu einer zärtlichen Lebensweise». Er predigt im Emmentaler Dorf Walkringen – und hat begeistert die Kirchentore geöffnet, um als gastfreundliche Velowegkirche Radelnde willkommen zu heissen. So ist die Kirche neben der Hauptstrasse und Herzroute auf einem winzigen Hügelchen jeden Tag offen, ein Steintisch mit Bänken unter einem Baum lädt vor dem Eingang zur Rast, ein WC liegt gleich nebenan.
Die Initiative zu diesem Pilotprojekt kommt von Ralph Marthaler. Er ist bei den Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn Beauftragter für Kirche und regionale Entwicklung. Auf die Idee stiess er 2013 im Urlaub in Deutschland: Da gibt es die «Radwegekirchen» schon länger – und weit verbreitet. Mit seinem Aufruf unter den 23 Berner Kirchen entlang der Herzroute hat Marthaler seit Ende vergangenen Sommers bisher 15 Kirchen überzeugen können mitzumachen. Zwei katholische sind auch dabei, zudem je eine in den angrenzenden Kantonen Freiburg und Luzern.

Lebendige Gastfreundschaft
Marthaler ist «sehr zufrieden» mit dem Echo. Die Erfahrungen in Deutschland zeigten, dass verlässlich geöffnete Kirchen öfter besucht werden – umso mehr, wenn sie noch aktiv Velofahrende willkommen heissen. «Es geht auch nicht um Glaubensinhalte, sondern darum, lebendige Gastfreundschaft zu pflegen.» 
Die Kirchen dürfen sich ja auch zeigen: Sie sind gepflegt, schön hergerichtet, kühl in der Sommerhitze und bieten ein Dach überm Kopf. Die Anforderungen an Velowegkirchen sind die tägliche Öffnungszeit von 9 bis 18 Uhr und mindestens ein Angebot, das sich speziell an Radelnde richtet. «Das kann ein Krug mit Wasser sein, eine Bank, eine Pumpe, ein Gästebuch, ein WC – oder auch mal ein Velofahrergottesdienst», sagt Ralph Marthaler.

Pilotprojekt für erste Erfahrungen
Mit dem Pilotprojekt im Kanton Bern sollen erste Erfahrungen gesammelt werden. Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) hat das Label von Deutschland für die Schweiz übernehmen können und farblich angepasst. Die Velowegkirchen werden es zusammen mit den Logos für die offene Kirche und die Herzroute einsetzen können. Am Pfingstmontag 2016 soll gemäss Ralph Marthaler die offizielle Eröffnung der Velowegkirchen sein.
Bereits am 23. August wird mit einem Gottesdienst die Label-Übergabe an die ersten «Tankstellen für die Seele» in der Velowegkirche Signau gefeiert. Der Walkringer Pfarrer Peter Raich wird sicher dabeisein – nicht allein: «Für uns ist das so bedeutungsvoll, dass wir unseren Gottesdienst nach Signau verlegen – und wir wollen zusammen mit dem Velo anreisen.» 




Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».

Zum Bild: Direkt an der Herzroute: Die Velowegkirche Walkringen (BE) lädt mit offenen Türen, Tisch und Bank zur Rast. | Bildnachweis:
Marius Schären / reformiert.info

 

Marius Schären / reformiert.info


Error loading Partial View script (file: ~/App_Plugins/MultiMostRead/Views/MacroPartials/IncrementView.cshtml)
KIRCHENBOTE E-PAPER

Alle Kirchenboten ab 2002 zum Lesen, Suchen und Herunterladen...

Zwischen Zebra und Löwe  | Artikel

An der St. Galler Olma kann man sich hinter einer Krippe fotografieren lassen – umgeben von exotischen Tieren. Hinter der ungewöhnlichen Aktion steckt die reformierte Kiche des Kantons St. Gallen.


Was denken Sie dazu? Diskutieren Sie mit!  | Artikel

Der Kirchenbote führt neu einen Blog! Haben Sie zu unseren Themen etwas erlebt, eine Erkenntnis gewonnen? Diskutieren Sie mit!


Zauberklang der Dinge – Niklaus Meienberg  | Artikel

«Eigentlich bin ich mir längst abgestorben, ich tu nur noch so als ob - Atem holen, die leidige Gewohnheit hängt mir zum Hals heraus!» Mit diesem Satz beginnt das Gedicht «Rivers of Babylon» von Niklaus Meienberg. Dieser Text steht im Zentrum der neuen Folge 25 von Zauberklang der Dinge. Schauspieler Peter Rinderknecht singt uns diese Worte. Das Lied «This body is a rose», nach einem Text des Mystikers Dschallalu din Rumi, gesungen von Barbara Balzan, bildet gleichsam einen Kontrapunkt.