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Kultur

Das Werk des Toggenburger Malers ist gefährdet

Das Willy-Fries-Fresko in Heerbrugg

21.03.2017
In Heerbrugg sorgt seit Wochen ein grosses Fresko des Wattwiler Künstlers Willy Fries (1907–1980) für Aufregung. «Die verlorenen Söhne» am Trakt C des Schulhauses Kirchplatz der Oberstufe Mittelrheintal aus dem Jahre 1955 sollen dem Baggerzahn zum Opfer fallen. Es regt sich Widerstand.

Eines ist unbestritten: Es ist ein bedeutendes Werk des Malers aus dem Toggenburg, das einzige zwischen St.Gallen und Grabs, und eines der ersten Fresken, die Fries in der Schweiz geschaffen hat, schreibt «Der Rheintaler» in seiner Ausgabe vom 1. März dieses Jahres. Das Fresko in Heerbrugg zeigt das Gleichnis vom verlorenen Sohn in zwei Szenen: Der verlorene Sohn zieht triumphierend hoch zu Ross davon, später kehrt er verarmt zurück, der Vater nimmt ihn vorbehaltlos in die Arme – zum Argwohn des daheimgebliebenen Sohns. Fries hat es nicht nur in Heerbrugg verstanden, biblische Themen auf seine charakteristische Art und Weise in die heutige Welt zu platzieren. 

Bedeutendes Werk von Fries

Nun also scheinen die Tage des Freskos in Heerbrugg gezählt zu sein, wären da nicht einige, die sich gegen den Abbruch wehren: So wie der Dorfchronist Walter Schedler, alt Lehrer Peter Zimmermann oder Bettina Egli. «Ich war beeindruckt von der Aura von Fries, der mit der Tochter Paul Wiesers (Pfarrer in Berneck von 1934 bis 1952) verheiratet war», sagt sie gegenüber dem «Rheintaler». Und Silvan Altermatt von der Stiftung Willy Fries in Wattwil betont: «Das Werk ist als bedeutend einzustufen.»

Auch Markus Waser von der Baukommission ist «der Meinung, dass das Bild ein Kulturgut ist. Aber zu welchem Preis?» Für knapp 11 Millionen Franken soll anstelle des 1953 bezogenen Schulhauses ein Neubau entstehen, dem die Stimmbürger bereits zugestimmt haben.

Ein Prozent oder «erheblich mehr»

Altermatt sprich von 20 000 bis 50 000 Franken an Mehrkosten für Erhalt und Restauration. «Setzt man ein Prozent des Kredits für Kultur am Bau ein, wären es 110 000 Franken. Nicht einmal die Hälfte bräuchte man für das Fresko», so Altermatt. Im Abstimmungsbüchlein sei von «erheblichen Mehrkosten» die Rede gewesen. Über den Wert des Freskos kann man nur spekulieren. Das tut Bettina Egli, wenn sie von bis zu einer Million Franken spricht. Kleinere Werke von Fries würden um die 750 000 Franken beziffert.

Noch besteht ein Hoffnungsschimmer für den Erhalt des Freskos, wenn die Schulbürgerversammlung das will. Diese fand am 21. März statt (nach Redaktionsschluss). Der Schulrat versprach zu erklären, was er unter «zu hohen Kosten» für Erhalt und Renovation versteht. 

 

Text: Reto Neurauter | Foto: Walter Schedler  – Kirchenbote SG, April 2017

 


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