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Politik

Was macht die Kirche mit meinem Geld?

31.08.2021

Die Kirchensteuer, die Kirchenangehörige und Unternehmen im Kanton Glarus zahlen, ist neuerdings ein umstrittenes Thema. Manchmal ist sie auch der Grund für den Kirchenaustritt, denn das Geld sei ja besser angelegt als in einer Organisation, die vermeintlich schon genug hat. Ist dem wirklich so? Und was passiert eigentlich mit meiner Kirchensteuer?

 

Kirchensteuern im Glarnerland

Natürlich, die Kirchensteuern gehen auch in die Kirchenverwaltung, werden angelegt und zu Gunsten von Kirchenrenovierungen genutzt. Ebenso werden die Kirchensteuern dafür genutzt, dass Menschen Unterstützung und Hilfe finden, wenn sie sich in einer schwierigen Lebenssituation befinden. Hierfür gibt es mehrere von den Landeskirchen initiierte und heute unterstützte Projekte, die in manchen Fällen staatliche Hilfen ergänzen: Beispielsweise ALOJOB, wo Menschen bei der Suche nach einer Arbeitsstelle beraten werden und auch eine Arbeitsvermittlung angeschlossen ist. Die Schuldenberatung Glarnerland hilft Menschen, aus der Schuldenfalle zu kommen und erstellt gemeinsam mit betroffenen Personen Budgets, so dass ein bewusster Umgang mit Geld ermöglicht werden kann. Die Beratungs- und Therapiestelle Sonnenhügel (kurz BTS) bietet ambulante psychologische Hilfe für Kinder, Jugendliche und Erwachsene bei Problemen mit der Psyche, bei Beziehungs- und Lebenskrisen und Sucht und Abhängigkeiten. Und helppoint Glarus richtet sich direkt an Schülerinnen und Schüler, die jemanden zum Reden brauchen, Probleme lösen möchten und das kostenlos, diskret und anonym.

 

helppoint:
Sozialdienst an den Glarner Schulen

Schauen wir uns den helppoint genauer an: helppoint ist der Sozialdienst der Kaufmännischen Berufsfachschule des Kantons Glarus, der Gewerblich-Industriellen Berufsfachschule Glarus und des Bildungszentrums für Gesundheit und Soziales Glarus. Hilfe wird geboten bei persönlichen und familiären Problemen, wenn es in der Schule Schwierigkeiten gibt, bei finanziellen Fragen und natürlich auch bei gesundheitlichen Themen.

 

Individuelle Lösungen

Franzisca Matos leitet den helppoint und die Begeisterung und Leidenschaft, mit der sie hinter dem Projekt steht, wird im Gespräch deutlich spürbar: «Am schönsten ist bei meiner Aufgabe einfach das Einlassen auf die Menschen. Dabei zuhören, wie ein Mensch seine eigene Weltkarte entfaltet und darlegt. Und das «Da sein», wenn ein Mensch Hilfe braucht, allein das hat schon viel Erfolg gebracht. Wenn ich dann sehe, wie sich die Schultern meines Gegenübers wieder aufrichten, der Blick wieder ein Stück wacher und eine kleine Sonne am Horizont sichtbar wird, da geht bei mir das Herz auf.» Wichtig sei dabei, dass sie zuhören könne, ohne ein Urteil zu fällen und ohne festgeschriebene Lösungsrezepte immer wieder neue und individuelle Lösungen finde – diese Erfahrung hat Franzicsa Matos oft gemacht. Gerade dabei hilft ihre gute Vernetzung im Glarnerland und der enge Kontakt zu den Organisationen wie ALOJOB, der Schuldenberatung und dem BTS. Die Synergie-Effekte und das gemeinsame Arbeiten Hand in Hand sind ungemein wertvoll, um die Jugendlichen mit ihren Problemen zu unterstützen, so dass sie sich auch ernstgenommen fühlen können. Das natürlich nur, wenn die Jugendlichen eine Zusammenarbeit mit anderen Stellen wünschen.

 

Nächstenliebe im Zentrum

«Es ist eine einmalige Erfahrung, das Vertrauen, das einem die Menschen entgegenbringen», erzählt Franzisca Matos weiter. «Und auch, das Gute zu sehen in schwierigen Situationen. Und im Grunde zählt nur eins: Wie gehen wir mit der Natur um? Und wie gehen wir mit den Menschen um?» Und das, so Matos, seien Grundsätze aus der Bibel. Die Nächstenliebe sei genau das, was wir vermehrt in unserem Leben brauchen, ebenso wie der Schutz der Schöpfung. Deswegen zahlt sie auch gerne Kirchensteuern, weil sie direkt sieht, was sie bewirken: Die Unterstützung von Jugendlichen auf dem Weg ins Erwachsenenleben.

 

Angebote für jede Altersklasse

Die Kirchensteuern bewirken noch mehr: Es gibt für jede Altersgruppe Angebote in der Kirche. Nicht nur kultischer Natur, sondern auch kultureller und sozialer. Der Betrag, den die evangelischen und katholischen Kirchgemeinden im Kanton durchschnittlich in den letzten fünf Jahren für nicht kultische Zwecke ausgegeben haben, beläuft sich auf 2.188 Millionen Franken. 

Diese Summe wurde unter anderem auch investiert in Angebote für Kinder, Mutter- und Kind-Gruppen, Kinderkino und Ferienlager. Für Kriseninterventionen und Integrationsarbeit. Nicht zu kurz kommt auch die Kultur in der Kirche: mit Konzerten, Filmen und Vorträgen und Formaten wie «wine, dine and organ» ist für jeden Geschmack etwas dabei. Seniorenzmittage, Spielenachmittage, Hausbesuche und Ausflüge in der Schweiz werden auch von älteren Menschen rege und mit Freude genutzt. 

Kurz, die Kirche verbindet. Sie schafft Raum für Begegnungen, für kulturelle und soziale Angebote und ist für Menschen in schwierigen Situationen da. Die Kirchen nehmen dabei viele unterschiedliche Aufgaben wahr, einige der Aufgaben passieren im Stillen und als Ergänzung zu staatlichen Massnahmen. Und genau deswegen braucht es die Kirche: weil sie den Unterschied macht.


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