News aus dem Kanton St. Gallen

Andreas Hefti präsidiert neu die Synode

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16.11.2018
Im Zeichen von Wahlen, Finanzen und hohem Besuch stand die Herbst-Synode der Evangelisch-Reformierten Landeskirche des Kantons Glarus. Neuer Synodepräsident wurde Andreas Hefti aus Glarus.

Die Synode begann am Donnerstagmorgen mit einem Gottesdienst in der Stadtkirche Glarus, gestaltet von Dekan Christoph Schneider, Pfarrer im Grosstal. «Wer ist mein NÀchster?», fragte er in seiner Predigt, in welchem es ihm am Beispiel des barmherzigen Samariters um den Rahmen und nicht ums Bild ging. «Hilfreich wÀre, wenn wir sagen könnten, wer wir sind. Was bedeutet es, reformiert zu sein?»

Aber es stelle sich auch die Frage, ob es nötig sei, «die eigene Existenz und Haltung selbst zu rechtfertigen». Der Unterschied besteht laut dem Dekan nicht darin, wer dazu gehört und wer nicht, sondern in unserer Haltung. Nicht in der Theorie leerer Formeln, sondern im praktischen Tun: «Die Antwort heisst nicht fragen, sondern der Barmherzigkeit folgen.»

Mehr Einheit ohne mehr Zentralismus?

Über «Unsere Kirche fĂŒr morgen» referierte anschliessend Pfarrer Dr. Gottfried Locher, RatsprĂ€sident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes. Er stellte die neue Verfassung der «Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS)» vor, die 2020 in Kraft treten soll. «Wir werden kleiner», betonte er. Gab es vor 50 Jahren noch etwa 50 Prozent Katholiken und 50 Prozent Reformierte, sind es heute noch rund 40 Prozent Katholiken und 25 Prozent Reformierte. Fast eine Million Schweizer gehören nicht mehr einer Landeskirche an. Im Wachstum befindet sich der Islam, dessen religionsbewusste Kultur eine Herausforderung fĂŒr die Zukunft darstellt. So entsteht eine neue Religionslandschaft. «Wir mĂŒssen mehr zusammenarbeiten, sonst fĂ€llt der Protestantismus zusammen», sagte der RatsprĂ€sident. Aber wie erreicht man mehr Einheit ohne mehr Zentralismus, der in reformierten Kreisen ja verpönt ist?

Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund, 1920 als politischer Dachverband der reformierten Kirchen gegrĂŒndet, soll nach 100 Jahren ĂŒbergehen in eine Kirchengemeinschaft unter dem Namen «Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz». Der Name bedeutet, dass die EKS selbst Kirche ist, deren Auftrag klar und prĂ€zis definiert ist: Das Evangelium von Jesus Christus in Wort und Tat zu verkĂŒndigen. Durch Wort und Sakrament, Diakonie und Seelsorge, Erziehung und Bildung. 

Einheit in der Vielfalt

Dies soll auf drei Ebenen gelebt werden: national durch die EKS, kantonal durch die Mitgliedkirchen, lokal durch die Kirchgemeinden. Und zwar durch ein engeres Miteinander und Zusammenwirken.

Die Leitung dieser Kirchengemeinschaft wird neu dreiteilig: synodal (die bisherige Abgeordnetenversammlung wird durch eine nationale Synode mit neuer Gewichtung der Stimmkraft ersetzt), kollegial durch den Rat und personal durch die PrĂ€sidentin oder den PrĂ€sidenten. «Man muss uns sehen, das ist mir ein Herzensanliegen», sagte der RatsprĂ€sident bezĂŒglich Vertretung in Politik und Gesellschaft. Dabei seien persönliche Beziehungen sehr wichtig.

Die anschliessende, kurze Diskussion kreiste um die Volkswahl von Pfarrpersonen, das AbrĂŒcken der Schulen, den Zerfall der SolidaritĂ€t und die VerĂ€nderungen, die nach vorangegangener Kritik nun zur Akzeptanz der neuen Verfassung gefĂŒhrt haben. Wobei die Schlussabstimmung noch aussteht.

Neue Amtsperiode

Nach einer Kaffeepause dislozierten die Synodalen samt Gottfried Locher in den Landratssaal. Da eine neue Amtsperiode begann, oblag die Eröffnung der Synode dem Dekan. Christoph Schneider befasste sich in seiner Ansprache mit dem Populismus und der Überforderung durch die Freiheit, der Herrschaft der eigenen Meinung sowie dem technischen Fortschritt.

«Reformiert ist anders», betonte er. Wie denn? «Dogmatisch gesprochen: Die Königsherrschaft Jesu Christi, die Befreiung zum verantwortlichen Handeln durch Kreuz und Auferstehung, die Entzauberung irgendwelcher anderer AutoritÀten.»

Umfangreiche WahlgeschÀfte

Dann folgten die Wahlen. Als Nachfolger von Hans Thomann bestimmte die Synode zunĂ€chst Andreas Hefti aus Glarus zum neuen SynodeprĂ€sidenten. Dieser stellte drei Gedanken an den Anfang seiner Amtszeit. Erstens: Wir sollten Sorge tragen zur Verankerung der Landeskirche in der Verfassung des Kantons Glarus. «Wir mĂŒssen eine öffentliche Institution mit einer klaren – reformierten – Botschaft bleiben und dĂŒrfen uns nicht in das private Schneckenhaus zurĂŒckziehen.»

Zweitens: Wir dĂŒrften vor lauter Papier und Elektronik unseren Auftrag nicht aus den Augen verlieren. «Das innere Feuer des Evangeliums können wir nicht mit Papier einfangen, wir mĂŒssen es leben. Denken wir also bei unserem Handeln stets daran, ob wir nur Papier produzieren oder etwas bewirken.»

Drittens: «Man kann ein Parlament auch mit Humor leiten. Dies werde ich versuchen.» Der Applaus war ihm gewiss.

Als VizeprĂ€sidentin der Synode bestĂ€tigt wurde RegierungsrĂ€tin Marianne Lienhard, als Aktuarin Jaqueline Paysen-Petersen aus SchĂ€nis. Neue StimmenzĂ€hler im BĂŒro wurden Hansheinrich Hefti aus Schwanden und Michael Wachsmuth aus Mitlödi.

BestĂ€tigt wurden weiter Pfarrer Ulrich Knoepfel als PrĂ€sident des kantonalen Kirchenrates sowie die verbleibenden Mitglieder Otto Wyss aus Luchsingen, Barbara Hefti aus SchwĂ€ndi und Pfarrer Sebastian Doll aus Glarus. Ihren RĂŒcktritt eingereicht hatten QuĂ€storin Rosmarie Figi sowie Andrea TrĂŒmpy und Pfarrer Peter Hofmann. Neu gewĂ€hlt wurden Daniel Jenny aus Riedern als QuĂ€stor und Pfarrerin Christina BrĂŒll Beck aus Mollis als Mitglied des Kirchenrates. Ein Sitz bleibt vorderhand vakant.

Hansheinrich Hefti ersetzt Andreas Hefti als GPK-PrĂ€sident. Als Beauftragte fĂŒr die Rechnungsrevision beliebten Susanne Abesser aus Ennenda und Ruth KĂ€lin aus Mollis. Weitere GPK-Mitglieder sind Elisabeth Fischli aus Niederurnen sowie neu Daniel SprĂŒngli aus Luchsingen.

HansjĂŒrg Gredig aus Schwanden vertritt weiterhin die Glarner Kirche in der GPK der Stiftung Pensionskasse Evangelisch-Reformierter Kirchen der Ostschweiz. Und Pfarrer Beat E. WĂŒthrich aus Matt wird an der Herbst-Synode 2019 predigen.

Budget gutgeheissen

Unbestritten blieb das Budget 2019, welches bei einem Gesamtaufwand von 1,189 Millionen Franken und einem Gesamtertrag von 1,177 Millionen ein Defizit von rund 12‘000 Franken ausweist. Der Steuerfuss bleibt unverĂ€ndert bei 1,8 Prozent (0,2 % Finanzausgleich, 1,35 % Aufgaben Landeskirche, 0,25 % Baufonds). Zur Kenntnis genommen wurde der Finanzplan 2019-2023, welcher eher dunkle Wolken vorhersagt.

Diskussionslos passierte auch ein Beitrag von rund 37‘000 Franken aus dem Baufonds fĂŒr PflĂ€sterungen um die Kirche Elm.

ZurĂŒckgewiesen wurde hingegen auf Antrag von Hans-Markus Stuck, Niederurnen, mit 23 zu 20 Stimmen eine Totalrevision der synodalen Verordnung ĂŒber den Auftrag der Kirche im Bereich Ökumene, Mission und Entwicklungszusammenarbeit. Er störte sich vor allem an einigen «unklaren und schwammigen Festlegungen».

KirchenratsprĂ€sident Ulrich Knoepfel informierte ĂŒber den gesundheitlich bedingten RĂŒcktritt von Christoph Schneider als Dekan. Vizedekanin Dagmar Doll ĂŒbernimmt interimsweise die GeschĂ€fte. An der FrĂŒhlings-Synode vom 6. Juni 2019 wird sich dann Peter Hofmann zur Wahl stellen.

Anwesend war zudem die neue Kirchenratsschreiberin Sandra Felber aus RĂŒti ZH; sie stellte sich den Synodalen persönlich vor. Am 1. Mai 2019 wird sie die Nachfolge von Sekretariatsleiter Markus Beerli ĂŒbernehmen.

Schliesslich verabschiedete Andreas Hefti mit persönlichen Worten seinen VorgĂ€nger Hans Thomann, StimmenzĂ€hler Matthias Peters sowie Andrea TrĂŒmpy, Rosmarie Figi und Peter Hofmann vom kantonalen Kirchenrat. Alle bekamen nebst Geschenken einen langen, verdienten Applaus vom Kirchenparlament.

Madeleine Kuhn-Baer, Medienbeauftragte