News aus dem Kanton St. Gallen

Dank-, Buss- und Bettag

min
31.08.2021
Dank-, Buss- und Bettag

Am 19. September feiern wir wieder den eidgen├Âssischen Dank-, Buss- und Bettag. Ich mag den Bettag, auch wenn er mit seinen eher politischen als kirchlichen Wurzeln ein wenig zu w├╝rdig und steif daherkommt.┬á

Dabei finde ich die Frage schon reizvoll, wie es zu dieser Kombination von Danken und Busse tun kommt. Danken und Busse tun sind f├╝r mich beinahe entgegengesetzte Pole:

Wir danken, wenn wir zufrieden sind, wenn etwas Gutes geschehen ist, wenn wir beschenkt worden sind. Dank heisst: es ist gut so. Daf├╝r bin ich dankbar.

Busse hingegen zieht in die andere Richtung: Etwas Schlimmes droht oder ist geschehen. Ich bin daran beteiligt, mitschuldig, ich sollte umkehren und etwas anders machen. Busse heisst: Es ist gar nicht gut und ich habe daran mitgewirkt.

In der Entstehungsgeschichte des Bettags begegnen mir beide Seiten. Manchmal war ein Bettag mit Notzeiten verbunden, als beh├Ârdlich verordnetes Fasten: nach der Bartholom├Ąusnacht wurde in Z├╝rich f├╝r die vertriebenen Hugenotten gebetet, ebenfalls in Z├╝rich wegen des Erdbebens 1650. Nach Seuchen w├Ąhrend des Dreissigj├Ąhrigen Krieges hat St. Gallen einen Buss- und Bettag durchgef├╝hrt. Diese Beispiele unterstreichen eher den Bitt - und Busscharakter des Tages: Not lehrt beten. Der franz├Âsische Name des Bettags┬á - je├╗ne f├ęd├ęral - unterstreicht diese Bedeutung.

Auch der Dank hat seinen Platz in der Geschichte des Bettags: Zum einen durch den Erntedank. Seit 1932 hat die Tagsatzung beschlossen, dass der Bettag am dritten Sonntag im September stattfindet. ┬źDer Kern der herbstheiligen Zit bildet der B├Ąttag┬╗, lese ich im Idiotikon. Zu dieser Zeit wird geerntet, ┬źein ordentlicher Dancktag, wie alle Jahr nach eingesamleten Fr├╝chten.┬╗ Meine ersten Bettagsgottesdienste waren zugleich Erntedankfeiern.┬á

Auch der politische Dank ist mit dem Bettag verbunden: Ab 1639, nach der Ermordung von J├Ârg Jenatsch, wurde der Bettag j├Ąhrlich aus Dankbarkeit wiederholt, weil die Schweiz vom Dreissigj├Ąhrigen Krieg verschont geblieben war.

F├╝r mich ist die Bereitschaft, Dank und Busse nebeneinander zu halten, ein Reifezeichen. Wir sind gleichzeitig unverdient beschenkt und verstrickt in Unrecht. So hat Martin Luther die Reformation auf die Formel gebracht hat: Simul iustus et peccator, wir sind zugleich Gerechtfertigte und S├╝nder. Es ist gut und nicht gut zugleich.

Heute, da Klimawandel und Erhaltung der Sch├Âpfung ein vordringliches Thema sind, sehe ich diese Verbindung von Dank und Busse vor allem im Blick auf die Natur. Wir sind dankbar f├╝r ┬źunser Land in seiner Pracht┬╗, wir d├╝rfen die Natur geniessen und nehmen. Und zugleich: wir leben auf zu grossem Fuss, eine Umkehr ist f├Ąllig. Beides gleichzeitig wahrzuhalten, ist f├╝r mich Reife.

 

Von Pfarrer Edi Aerni, Netstal