Den seltenen Sorten und Rassen Sorge tragen
Grünenfelder und Gleichgesinnte gründeten 1982 die schweizerische Stiftung für die kulturhistorische und genetische Vielfalt von Pflanzen und Tieren, Pro Specie Rara, und retteten 1983 in einer spektakulären Fahrt über den Walensee die letzten Stiefelgeissen. Es folgten Hinterwälder Rinder und die Appenzeller Spitzhaubenhühner. Die Gruppe um Grünenfelder erkannte: Nicht nur Wildtiere sind bedroht, sondern auch Nutztierrassen und Pflanzen.
Ausweitung des Tätigkeitsfeldes
Kurz darauf weitete sich das Tätigkeitsfeld aus: Getreide, Kartoffeln, Obst und Gemüse kamen hinzu. Zu Beginn sind es einige Begeisterte, welche von seltenen Gemüsesorten Saatgut gewinnen oder gefährdete Obstsorten in ihren Gärten anpflanzen. Muttergärten entstehen, eine Samenbank für Gemüsesorten wird angelegt. 1988 wird der erste bezahlte Mitarbeiter eingestellt und eine Koordinationsstelle in St. Gallen eröffnet, auch wenn das Wort Biodiversität noch nicht in aller Munde ist. Doch die jahrelange Arbeit der Pioniere trägt Früchte, und die Problematik tritt ins Bewusstsein der Öffentlichkeit: Die Schweiz ratifiziert 1995 die Biodiversitätskonvention von Rio und verpflichtet sich somit, die einheimischen Wildarten, aber auch Kulturpflanzensorten und Nutztierrassen zu erhalten.
Robuster und schmackhafter
Derzeit engagiert sich Pro Specie Rara (mit Hauptsitz in Wildegg AG) und viele Freiwillige für die Erhaltung und Nutzung von über 1600 Garten- und Ackerpflanzen, 400 Beeren-, 2500 Obst- und 1000 Zierpflanzensorten sowie 38 Nutztierrassen. Vielen geläufig ist der Sortenfinder. Weniger bekannt ist, dass sich in der Obhut von Pro Specie Rara über 5700 Pflanzensorten befinden. Dieser Vielfalt an seltenen Sorten gilt es, auch in der Schweiz, Sorge zu tragen. Darüber hinaus sind die alten Sorten an Beeren, Gemüse, Kartoffeln, Obst, Getreide, Kräuter oder Ackerpflanzen meist robuster und schmackhafter.
Den seltenen Sorten und Rassen Sorge tragen