News aus dem Kanton St. Gallen
Menschenrechte

Fünf Jahre Talibanherrschaft: Frauen in Afghanistan kämpfen im Verborgenen

von Claudia Rometsch/epd/nin
min
14.08.2026
Fünf Jahre nach der Machtübernahme der Taliban ist Afghanistan laut Medica Mondiale das Land mit der schwersten Unterdrückung von Frauenrechten weltweit. Doch viele Frauen geben nicht auf – sie kämpfen im Verborgenen um Bildung, Arbeit und ein Leben nach den Taliban.

In keinem anderen Land der Welt werden nach Einschätzung der Hilfsorganisation Medica Mondiale Frauenrechte so gravierend verletzt wie in Afghanistan. «Seit den fünf Jahren der Machtübernahme der Taliban herrscht ein institutionell verankertes System der Unterdrückung, Entrechtung und Segregation von Frauen und Mädchen», sagte Inga Weller, Regionalreferentin Afghanistan bei der Frauenrechtsorganisation in Köln, dem Evangelischen Pressedienst (epd). «Wir bewerten das als 'Gender Apartheid'.» Medica Mondiale arbeitet seit fast 25 Jahren mit Partnerorganisationen in Afghanistan.

Am 15. August ist der fünfte Jahrestag der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban in Afghanistan. Die Einschränkungen für Frauen beträfen mittlerweile alle Lebensbereiche, erklärte Medica Mondiale. Frauen dürften ausschliesslich verhüllt und in Begleitung eines männlichen Verwandten das Haus verlassen. «Vor allem die Einschränkungen in Bereich der Bildung sind besonders schmerzhaft», sagte Weller. Mädchen ist es inzwischen verboten, weiterführende Schulen zu besuchen. Ein Studium bleibt jungen Frauen verwehrt.

Entrechtung von Frauen weiter verschärft

Medica Afghanistan, die Partnerorganisation von Medica Mondiale, musste nach der Machtübernahme der Taliban 2021 die Arbeit einstellen. Seitdem unterstützt Medica Mondiale drei Organisationen, die im Verborgenen tätig sind. «Wir haben unsere Arbeit in Afghanistan seitdem sogar noch ausgeweitet», erklärte Weller. «Wir wollen dranbleiben.» Denn auch wenn die Organisationen im Untergrund arbeiten müssten, schenkten sie den Frauen Mut und Hoffnung.

Die Entrechtung von Frauen sei in den vergangenen Monaten sogar durch neue Gesetze weiter verschärft worden, beklagte Weller. Anfang des Jahres sei Gewalt gegen Frauen in einem neuen Strafgesetzbuch legalisiert worden. Im Mai sei die Zwangsverheiratung von Mädchen ohne Altersbeschränkung für rechtens erklärt worden.

Arbeit und Weiterbildung trotz grosser Risiken

Auch die Berufstätigkeit von Frauen ist laut Weller stark eingeschränkt und meist nur noch in den eigenen vier Wänden möglich. Dennoch gebe es eine sehr hohe Nachfrage nach Fortbildungskursen, die meist nur im Verborgenen stattfinden könnten: «Die Frauen wollen nicht aufgeben. Sie wollen Wege finden, sich selbst und ihre Familien zu versorgen.»

«Afghanische Frauen arbeiten weiter», erklärte Weller – und das oft unter enormen Risiken. Möglich sei die Arbeit zum Beispiel über Online-Kurse. So biete eine Partnerorganisation ein juristisches Ausbildungsprogramm für junge Frauen an. Unterstützt würden etwa Start-ups und Schulungen zur Unternehmensgründung. Möglich seien Tätigkeiten, die Frauen zu Hause ausüben können, wie Schneiderei, Schmuckherstellung, die Herstellung von Backwaren, aber auch Reparaturen von Handys oder Computern. «Was viele Frauen am Leben hält, ist die Hoffnung, dass es ein Leben nach den Taliban gibt. Dafür wollen sie sich bereit machen.»

 

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