News aus dem Kanton St. Gallen

Klimagerechtigkeit: Der Wandel von unten

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10.02.2021
Die ökumenische Kampagne von «Brot für alle» und «Fastenopfer» thematisiert in diesem Jahr die Klimagerechtigkeit. Wie jede und jeder im Alltag dazu beitragen kann, zeigen Initiativen wie die «KlimaGespräche» und die Transition-Towns-Bewegung, die ein Umdenken auf persönlicher und lokaler Ebene propagieren.

Es ist eine gute Nachricht in Corona-Zeiten: Die ┬źKlimaGespr├Ąche┬╗, die ┬źBrot f├╝r alle┬╗ und ┬źFastenopfer┬╗ vor gut einem Jahr lanciert haben, stossen gem├Ąss den Hilfswerken trotz der Pandemie auf Anklang. Man habe 2020 ┬źmehr als 200 Menschen in der ganzen Deutschschweiz dabei unterst├╝tzt, ihr Leben auf Klimakurs zu bringen und ihren CO2-Ausstoss zu reduzieren┬╗. In den Workshops erfahren die Teilnehmenden, wie sie im Alltag ihr Verhalten ├Ąndern und ihren Lebensstil anpassen k├Ânnen.

Konkret statt abstrakt
Das Konzept geht davon aus, dass sich viele Sorgen ├╝ber den Klimawandel machen, selber aber nicht bereit sind, auf den Flug in die Ferien, exotische Lebensmittel oder ein neues Smartphone zu verzichten. Die Informationen und Gruppendynamik der ┬źKlimaGespr├Ąche┬╗ k├Ânnten dies ├Ąndern. ┬źEs braucht die pers├Ânliche Auseinandersetzung mit dem Thema┬╗, sagt Daniel Wiederkehr, Verantwortlicher f├╝r die ┬źKlimaGespr├Ąche┬╗.

In Gruppen mit acht Personen analysieren die Teilnehmenden in sechs Gespr├Ąchsrunden ihre Gewohnheiten und die Folgen f├╝rs Klima. Es geht darum, das Gef├╝hl der Machtlosigkeit zu ├╝berwinden, indem man sich gemeinsam mit den eigenen Widerst├Ąnden und ├ängsten auseinandersetzt.

Mehr ┬źKlimaGespr├Ąche┬╗
Die Methode stammt aus Grossbritannien, wird mittlerweile auch in Frankreich, Holland und Kanada angewendet, und sie ist erfolgreich. Untersuchungen zeigen, dass es Teilnehmenden gelingt, einen neuen Lebensstil zu finden und ihren CO2-Ausstoss innert vier bis f├╝nf Jahren um die H├Ąlfte zu verringern. Nun k├╝ndigt ┬źBrot f├╝r alle┬╗ an, die ┬źKlimaGespr├Ąche┬╗ mit 27 neuen Moderatorinnen und Moderatoren an acht Orten in der Schweiz und online in die n├Ąchste Runde zu schicken.

Keine Horrorszenarien
Die Idee, beim Kampf gegen die Klimaerw├Ąrmung aufs Lokale zu setzen, geht auf den Briten Rob Hopkins zur├╝ck. Der 52-j├Ąhrige Dozent und Umweltaktivist setzt sich seit Jahren f├╝r die Energiewende ein und gilt als ┬źvision├Ąrer Gr├╝nder der Energiewendebewegung┬╗. Sein Ansatz ist lokal, konkret und kreativ. Apokalyptische Horrorszenarien sind nicht seine Sache, er setzt auf Inspiration. ┬źWie w├╝rde eine Umweltbewegung aussehen, die nicht auf Abschreckung, auf Betroffenheit, Entsetzen und Wut setzt, sondern versucht, Begeisterung zu wecken?┬╗, fragt er in seinem Handbuch zur Energiewende, das er als ┬źAnleitung f├╝r zukunftsf├Ąhige Lebensweisen┬╗ versteht. Von seiner Heimatstadt Totnes aus gr├╝ndete er 2006 die Transition-Towns-Bewegung. Sein Handbuch wurde inzwischen zur Bibel f├╝r viele Klimaaktivisten.

Eine Welt ohne ├ľl
Anstatt vor globalen Herausforderungen wie dem Klimawandel zu kapitulieren, weil man glaubt, als Einzelner nichts ausrichten zu k├Ânnen, m├╝sse man auf lokaler Ebene mit den Ver├Ąnderungen beginnen, so Rob Hopkins. Dort k├Ânne man etwas bewegen. Transition Towns sind St├Ądte und Gemeinden, die mit Umwelt- und Nachhaltigkeitsinitiativen den ├ťbergang vorbereiten in eine Welt, die nicht mehr auf fossile Energie angewiesen ist. Die international vernetzte Bewegung z├Ąhlt mittlerweile zwischen 3000 und 4000 regionale Gemeinschaften in ├╝ber 40 L├Ąndern, auch in der Schweiz.

Die Initiativen reichen vom gemeinsamen Bepflanzen ├Âffentlicher Gr├╝nfl├Ąchen mit Gem├╝se, ├╝ber Reparaturwerkst├Ątten, das Gesch├Ąft, das seine Waren ohne Verpackung verkauft, bis zur Einf├╝hrung einer lokalen W├Ąhrung.

Der innere Wandel
Bei der Transition, dem ├ťbergang, geht es aber nicht nur um konkrete Projekte, sondern um ein grunds├Ątzliches Umdenken, den inneren Wandel. Die Bewegung funktioniert, ebenso wie die ┬źKlimaGespr├Ąche┬╗, in erster Linie ├╝ber Beziehungen. ┬źIm Netzwerk treffen wir uns als Menschen, die sich f├╝reinander interessieren, die einander fragen, ÔÇświe geht es dir?ÔÇÖ Dies ist eines der wichtigsten Elemente der Transition-Bewegung und unterscheidet diese von anderen Kampagnen und Organisationen┬╗, betonte Rob Hopkins gegen├╝ber ┬źBrot f├╝r alle┬╗. Darum gehe es bei den Ausbildungen um die Frage, ┬źwie man eine Versammlung organisiert, mit Konflikten umgeht, Entscheide trifft und sich gegenseitig unterst├╝tzt┬╗.

Verspielt und hoffnungsvoll
Auch die Transition-Bewegung kommt nicht ohne Verzicht aus, sie bedeutet die Abkehr von Konsum, Egoismus und Machtk├Ąmpfen. Diesen Verzicht verwandelt der positive Ansatz von Rob Hopkins in eine ┬źgl├╝ckliche Gen├╝gsamkeit┬╗, verspielt und hoffnungsvoll. ┬źIch besuche viele Orte, die sich wandeln ÔÇô dank der Arbeit, den Tr├Ąumen, der Liebe zum Ort, dank der Kreativit├Ąt vieler Menschen. Es ist herrlich und ├╝berraschend, zu sehen, wie Menschen zu spielen beginnen, wenn sie Vertrauen haben. Als Erwachsene haben wir sonst nicht mehr oft das Recht zu spielen.┬╗

Karin M├╝ller, kirchenbote-online

Transition-Initiativen in der Schweiz
Klimagespr├Ąche
├ľkumenische Kampagne

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