News aus dem Kanton St. Gallen

Menschlich und rentabel wirtschaften

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02.09.2022
Unternehmerischer Erfolg mit sozialen Werten strahlt in die Wirtschaft und die Gesellschaft aus: Referierende aus verschiedenen Branchen beleuchteten am sechsten Forum christlicher Führungskräfte die Bedeutung sozialen Unternehmertums – darunter die Theologin Christina Aus der Au.

Am Freitag, 2. September 2022 gaben sich am Forum christlicher F├╝hrungskr├Ąfte in der Parkarena Winterthur rund 400 Verantwortliche aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft ein Stelldichein. Am Vorabend trafen sich am Young Professionals PreForum rund 130 Nachwuchsf├╝hrungskr├Ąfte.

Zins: eine Frage der Verantwortung
Ethikerin und Theologin Christina Aus der Au besch├Ąftigte sich als fr├╝here Verwaltungsr├Ątin der Alternativen Bank mit dem biblischen Zinsverbot (siehe auch Video). ┬źWer das Geld liebt, wird des Geldes nicht satt┬╗, zitierte die evangelische Thurgauer Kirchenratspr├Ąsidentin unter anderem aus der Bibel. Sie r├Ąumte ein, dass der hebr├Ąische Ursprungstext nicht zwischen den W├Ârtern Zins und Wucher unterscheide.

Das Zinsverbot sei eigentlich ein Wucherverbot. ┬źZinswirtschaft zwingt zum Wachstum┬╗, gab sie zu bedenken und thematisierte die Schere zwischen Arm und Reich. Deswegen werde sie von ihrem Mann als ┬źlinker Socken┬╗ bezeichnet, sagte sie augenzwinkernd. Sie zeigte aber auch auf, dass die reformatorische Interpretation zielf├╝hrend sei: Dann n├Ąmlich, wenn ein Nutzen f├╝r die Allgemeinheit und die Gesellschaft als Ganzes erwachse.

Ausw├╝chse bek├Ąmpfen
Schliesslich nannte Aus der Au grunds├Ątzliche Stossrichtungen: Es gehe darum, Ausw├╝chse zu bek├Ąmpfen, H├Âchstzinse festlegen, in bestimmten Situationen freiwillig auf Zinsen zu verzichten oder sogar die Praxis der Erlass- und Halljahre zu bedenken. Es gebe aber auch radikale Alternativen wie Alternativw├Ąhrungen, Tauschringe, Negativzinsen oder Vollgelderformen. Als Fazit betonte sie: ┬źIch sage Euch nicht, was gut oder schlecht ist.┬╗ Man m├╝sse sich aber fragen, welches der Geist hinter dem Zinsverbot sei und sich bewusst machen, dass man diesbez├╝glich in der Verantwortung stehe.┬á

Werte f├╝r Nachwelt erhalten
Zum Start ins Forum 2022 hatte Moderatorin Ladina Spiess die Frage in den Raum gestellt, wie man soziale Unternehmenswerte in Stein meisseln k├Ânnte. Regina Aebi aus Niederwangen, Rechtsprofessorin an der Universit├Ąt Luzern, referierte dazu ├╝ber einen ihrer Forschungsschwerpunkte. Unternehmenspers├Ânlichkeiten m├╝ssten sich grunds├Ątzlich ├╝berlegen, welche Werte unbedingt der Nachwelt erhalten bleiben sollen. Anhand konkreter Beispiele ÔÇô zum Beispiel einer bekannten Luxusuhrenmarke ÔÇô zeigte Aebi auf, wie man ├╝ber eine Stiftung einen Unternehmenszweck und Werte ├╝ber Generationen aufrechterhalten kann.

Am wichtigsten sei ihr aber zu betonen: ┬źUnternehmensnachfolge bedeutet auch Loslassen und setzt Vertrauen voraus.┬╗ Erbrechtliche Instrumente seien ebenso eine M├Âglichkeit, Werte weiterzugeben ÔÇô sie nannte die Reduktion von Pflichtteilen oder die Ehegattennutzniessung, die gr├Âssere Verf├╝gungsfreiheit erm├Âgliche. Als weitere erbrechtliche Instrumente nannte sie Testament, Erbvertrag und Erbvorbezug mit Auflagen oder Bedingungen ÔÇô zum Beispiel im Hinblick auf Nachhaltigkeit, Anstellungsbedingungen oder Wertsch├Ątzung von Mitarbeitenden.

Ber├╝hrende Praxiserfahrungen
Nebst den beiden Hauptreferentinnen standen am Freitagmorgen weitere Pers├Ânlichkeiten auf der B├╝hne. Regula Sulser, die einen Mahlzeitendienst f├╝r Menschen ab 80 und in Regensdorf ein Restaurant betreibt, ber├╝hrte die Teilnehmenden mit einem emotionalen Praxisbericht ├╝ber ihre ungew├Âhnliche berufliche Erfolgsgeschichte. Damit motiviert sie nicht nur Senioren sondern auch ihr Team neu und betont: ┬źEine Gesellschaft ohne alte Menschen ist wie eine Muschel ohne Perle.┬╗

Wirtschaftsanwalt, Immobilien- und Gastrounternehmer Daniel Gysi aus Muolen berichtete ├╝ber seine wirtschaftlichen und pers├Ânlichen Erfolgserlebnisse, die sich einstellten, als er bereit war, nicht nur auf den eigenen Profit zu achten, sondern sogar mehr als zehn Prozent des Umsatzes weiterzugeben.

Dienende Kultur pr├Ągt Firmen
Auf dem Podium ├╝ber soziales Unternehmertum machten drei F├╝hrungskr├Ąfte klar, wie wertvoll es ist, Menschen in den Fokus der wirtschaftlichen T├Ątigkeit zu r├╝cken: Elisabeth Schirmer, Verwaltungsr├Ątin des Uhrwerkherstellers Ronda, betonte, dass in der ┬źchristlichen Ewigkeitsperspektive┬╗ die Kraft liege, die im Alltag den Unterschied mache.

Adrian Ciardo, CEO der B├╝ndner Arbeitsintegrationsfirma Stiftung Feschtland, nannte eine dienende Haltung als wichtigen F├╝hrungsgrundsatz. Internetunternehmer Daniel Bachmann hob sein Anliegen hervor, eine Firmenkultur zu schaffen, ┬źdie den Menschen und dem Unternehmen dient. Ich w├╝nsche mir f├╝r meine Mitarbeitenden, dass sie in der Gesellschaft handlungsf├Ąhiger und gleichzeitig in der Firma leistungsf├Ąhiger sind.┬╗


(Roman Salzmann)

 

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