News aus dem Kanton St. Gallen

Schweizer zeigen Herz für Flüchtlinge

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03.06.2019
Eine Studie des Heks liefert zum ersten Mal Zahlen: Entgegen dem Trend zu Verschärfungen im Asylwesen hat sich jeder siebte Schweizer schon für Flüchtlinge engagiert.

Seit Jahren begr├╝sst das Stimmvolk an der Urne die Versch├Ąrfung der Asylgesetze. Beim eigenen Umgang hingegen zeigen die Schweizerinnen und Schweizer ein anderes Gesicht. Dies ist das Ergebnis einer Studie des Hilfswerks der Evangelischen Kirchen Schweiz Heks. Gem├Ąss der Umfrage haben sich 15 Prozent der Schweizer Bev├Âlkerung schon einmal f├╝r Fl├╝chtlinge eingesetzt. Das ist jeder Siebte. Das Engagement erfolge meist bei sozialen Aktivit├Ąten, etwa beim Sport oder beim Kochen. Gerne helfen die Schweizer auch bei den Freizeitangeboten f├╝r Fl├╝chtlingskinder mit. Oder sie begleiten Asylbewerber im Alltag.

Hilfe im Alltag und neue Welten
Wie etwa Sophie Sch├╝rmann. Die 20-J├Ąhrige engagiert sich seit kurzem bei ┬źZÔÇÖR├ĄchtCho┬╗ in Muttenz BL. Der Verein hilft Fl├╝chtlingen, sich im Alltag zurechtzufinden. ┬źWir sollten einen Weg finden, friedlich miteinander zusammenzuleben. Das gelingt nur, wenn wir etwas f├╝r die Integration tun┬╗, begr├╝ndet Sophie Sch├╝rmann ihr Engagement. Einfach zu sagen ┬źalle raus┬╗, sei keine L├Âsung. Die Baselbieterin sch├Ątzt die vielseitigen Kontakte. ┬źMan lernt tolle Menschen und andere Kulturen kennen.┬╗

Die Begegnung mit Migranten gef├Ąllt auch Anne-Claire Galli. Sie engagiert sich seit 13 Jahren beim ├Âkumenischen Seelsorgedienst f├╝r Asylsuchende OeSA in Basel. Die 58-J├Ąhrige redet mit den Fl├╝chtlingen, beantwortet Fragen, vermittelt Adressen und Kontakte oder begleitet sie zu den offiziellen Befragungen. Vom Einsatz profitiert sie selbst. ┬źEs er├Âffnet mir neue Welten, das finde ich spannend. Ich denke, wir alle haben dieselben Grundbed├╝rfnisse und oft braucht es nicht viele Worte, um einander zu verstehen.┬╗

Beitrag zum sozialen Zusammenhalt
Zahlen zur Freiwilligenarbeit im Fl├╝chtlingswesen gab es bisher nicht. Mit der repr├Ąsentativen Umfrage zeigt Heks erstmals das Ausmass dieser ehrenamtlichen Arbeit. ┬źDas Resultat hat uns positiv ├╝berrascht. Wir h├Ątten nicht gedacht, dass bereits so viele sich freiwillig f├╝r Gefl├╝chtete einsetzen. Sie leisten einen elementaren Beitrag zum sozialen Zusammenhalt in der Schweiz┬╗, erkl├Ąrt Heks-Mediensprecherin Bettina Filacanavo.

Auch beim Kontakt zu den Fl├╝chtlingen sind die Schweizer offen. Gem├Ąss Studie hat zwei Drittel der Bev├Âlkerung sporadisch oder regelm├Ąssig Kontakt zu Fl├╝chtlingen. Am h├Ąufigsten ├╝ber die Schule oder die Arbeit. Man begegnet sich auch im Freundeskreis, in der Nachbarschaft oder in der Freizeit. ┬źDie Schweizer haben realisiert, dass es f├╝r ein friedliches Zusammenleben wichtig ist, wenn man Migranten schnell und gut in die Gesellschaft integriert und sie nicht ausgrenzt┬╗, sagt Bettina Filacanavo.

Das Heks stuft die Hilfsbereitschaft der Bev├Âlkerung so hoch ein, dass es diese koordinieren m├Âchte und deshalb die Online-Plattform┬áengagiert.heks.ch aufschaltete. Hier k├Ânnen Organisationen Freiwillige suchen, und wer helfen m├Âchte, findet hier den entsprechenden Kontakt.

Karin M├╝ller, kirchenbote-online, 3. Juni 2019

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