News aus dem Kanton St. Gallen
Synode führt Grundsatzdiskussion zur Strukturerhaltung

Solidarität ja, aber nicht um jeden Preis

von Karin Steffen
min
20.09.2023
An der Synode vom 18. September fällte das evangelisch-reformierte Parlament beider Appenzell wegweisende Entscheidungen für die Zukunft.

Drei neue Reglemente verabschiedete die Synode, das evangelisch-reformierte Parlament beider Appenzell, in erster Lesung am vergangenen Montag im Kantonsratssaal in Herisau. Die neue Kirchenverfassung wurde im Juni 2022 mit 85,5 Prozent angenommen. Synodalpr√§sident Marcel Steiner erl√§uterte, dass deshalb die Reglemente, also die Gesetze der Landeskirche, √ľberarbeitet werden m√ľssen. Im Vorfeld wurden √ľber 50 Antr√§ge eingereicht.

 

Keinen Finanzausgleich mehr f√ľr kleine Kirchgemeinden

Wie Kirchenrat Thomas Gugger anmerkte, sei der Entwurf des Reglements Finanzausgleich zukunftsgerichtet, da er die ungleiche Steuerkraft teilweise ausgleiche und nicht strukturerhaltend wirke. Er verzichte auf Anreize, welche kleine und kleinste Kirchgemeinden beg√ľnstigen. Kirchgemeinden, deren Mitgliederzahl unter 500 f√§llt, k√∂nnen demnach keinen Finanzausgleich mehr beziehen. Die Synodalen diskutierten teils emotional den Entwurf des neuen Reglements. Bereits bei den Vernehmlassungsantworten wiesen einige kleinere Kirchgemeinden auf die fehlende Solidarit√§t hin. Kirchenratspr√§sidentin Martina Tapernoux informierte √ľber eine Studie von Ecoplan, welche 2022 im Auftrag der Evangelischen-reformierten Kirche Schweiz EKS erstellt wurde. Diese geht davon aus, dass die Kirchensteuern ab 2045 schweizweit massiv abnehmen und dann auch die Mitgliederzahlen nochmals deutlich sinken werden. Somit werde es, nebst den fehlenden finanziellen Ressourcen, auch schwieriger, Mitglieder f√ľr Beh√∂rden zu finden. F√ľr kleinere Kirchgemeinden treffe das versch√§rft zu. Der Kirchenrat hat deshalb seine Verantwortung wahrgenommen und pr√§sentiere den Entwurf eines zeitgem√§ssen Finanzausgleichs, welche die zu erwartenden Herausforderungen ber√ľcksichtige.

 

H√§rtefallausgleich √ľber vier Jahre

Mit zahlreichen Wortmeldungen wehrten sich die Synodale und Kirchgemeindepr√§sidentin Miriam Sieber aus Wolfhalden und weitere Synodale gegen die ¬ęnegativen Impulse¬Ľ, welche der neue Finanzausgleich gebe. Sie appellierten eindringlich an die Zusammengeh√∂rigkeit der Kirchgemeinden in der Landeskirche und an deren Solidarit√§t: ¬ęDie Grossen unterst√ľtzen die Kleinen und in anderen Bereichen vielleicht auch umgekehrt¬Ľ. Zu den Kirchgemeinden, welche in den kommenden Jahren weniger Finanzausgleich erhalten, geh√∂ren B√ľhler, Wald, Wolfhalden, Reute-Oberegg und Hundwil. Diese profitieren √ľber vier Jahre von einem H√§rtefallausgleich. Nach einigen Anpassungen folgten die Synodalen mit grossem Mehr dem Vorschlag des Kirchenrats.

 

Fachkräftemangel herrscht auch im Pfarrberuf

Im Mittelpunkt stand beim Entwurf des Reglements Kirchgemeinden das Mindestpensum der Pfarrerin oder des Pfarrers in einer Kirchgemeinde. Der Kirchenrat schl√§gt im Minimum ein Pensum von 50 Stellenprozenten vor. Er vertritt die Meinung, dass es unter 50 Stellenprozenten kaum mehr m√∂glich sei, die gesetzlich vorgeschriebenen Aufgaben wahrzunehmen. Miriam Sieber wehrte sich gegen die Nennung eines Mindestpensums. Es solle m√∂glichst wenig reglementiert sein, somit k√∂nnten die Aufgaben der Kirchgemeinden beispielsweise auch mit Sozialdiakoninnen oder Sozialdiakonen erf√ľllt oder mit gr√∂sseren Kirchgemeinden zusammengearbeitet werden. So k√∂nne dem Fachkr√§ftemangel begegnet werden. Dagegen wehrten sich die beiden Pfarrerinnen im Kirchenrat, Regula Gamp Syring und Martina Tapernoux: ¬ęWohin bewegen wir uns ohne Fachkr√§fte? Wo ist der Wert einer eigenst√§ndigen Kirchgemeinde, wenn kein Personal zur Verf√ľgung steht?¬Ľ. Die Synode folgte der Argumentation des Kirchenrats. Das Reglement Finanzen nahmen die Synodalen einstimmig an. Die zweite Lesung der drei Reglemente findet an der Synode vom 27. November 2023 statt.

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