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USA

US-Demokraten wollen religiöse Wähler stärker ansprechen

von Konrad Ege/epd
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08.04.2026
In den USA prägen weisse Christen seit Langem die Basis der Republikaner um Donald Trump. Doch nun versuchen einige Demokraten, religiöse Wählerinnen und Wähler stärker anzusprechen.

Im November werden in den USA das Repräsentantenhaus und Teile des Senats neu gewählt. Einige demokratische Kandidatinnen und Kandidaten, die sich klar von Donald Trump abgrenzen, wollen bei diesen Zwischenwahlen gezielter um religiöse Wähler werben. Weisse christliche Wählerinnen und Wähler unterstützen in der Regel eher die Republikaner. Bei der Wahl 2024 stimmten laut CNN-Nachwahlbefragung 72 Prozent der weissen Protestanten und 63 Prozent der weissen Katholiken für Trump.

In der Republikanischen Partei spielt die gut organisierte rechte christliche Bewegung eine prägende Rolle, und viele Republikaner präsentieren sich als Verteidiger christlicher Werte. Trump erklärte, es sei kaum vorstellbar, dass Christen für einen Demokraten stimmen. Der Exekutivdirektor des Verbandes «Vote Common Good», Doug Pagitt, räumt ein, dass die Demokraten im Umgang mit religiösen Wählern Fehler gemacht hätten. Eine stark auf Diversität ausgerichtete Partei habe in der Vergangenheit wenig Raum für bekennende Christinnen und Christen gelassen. Das sei keine erfolgversprechende Strategie in einem Land, in dem sich etwas mehr als 60 Prozent der Bevölkerung als christlich bezeichnen.

Mobilisierung gläubiger Wähler

Die Organisation «Vote Common Good» will gläubige Wähler mobilisieren, sich für das Gemeinwohl einzusetzen, und demokratischen Kandidatinnen und Kandidaten helfen, gezielt auf evangelikale sowie katholische Wähler zuzugehen. Progressive Christen hätten sich oft gescheut, über ihren Glauben zu sprechen oder Nähe zu religiösen Wählern zu suchen, sagte Pagitt. Strategen der Demokraten hätten betont, sie wollten keine «christliche Sprache» in der Politik – die Partei solle nicht religiös geprägt sein.

Ein klassisches Beispiel dafür seien die Parteiversammlungen 2024, bei denen Trump und die Demokratin Kamala Harris nominiert wurden. Bei den Republikanern traten Geistliche zum Reden und Beten auf. Die Demokraten liessen erst nach Tagungsschluss beten, als viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer schon auf dem Weg nach draussen waren.

Kandidaten setzen sich für Gemeinwohl ein

Die «VoteCommonGood»-Webseite listet rund 70 Kandidatinnen und Kandidaten auf, die sich für das Gemeinwohl einsetzen, darunter die gelernte Theologin und Unternehmerin Anna Golladay, die in Tennessee für einen Sitz im Repräsentantenhaus antritt. In Arkansas kandidiert der protestantische Pastor Robb Ryerse mit dem Slogan «Glauben, Familie, Freiheit«. Diese Begriffe seien «oft benutzt worden, um uns zu spalten». Er hoffe, damit Menschen zusammenzubringen.

Als Vorzeigepolitiker des progressiven Christentums gilt der Landtagsabgeordnete und Theologiestudent James Talarico, der im konservativen Bundesstaat Texas für den Senat kandidiert. Sein Grossvater sei Baptistenprediger gewesen, sagt der in nationalen Medien viel beachtete Talarico. Dieser habe ihm beigebracht, dass es zwei zentrale Gebote gebe: Liebe zu Gott und zum Mitmenschen. Talarico hat Anfang März die demokratischen Vorwahlen in Texas gewonnen.

Beide Parteien setzen auf die Bibel

Der Politikwissenschaftler, Datenexperte und ehemalige baptistische Pastor Ryan Burge zeigt sich von all dem wenig überzeugt. Wie er dem epd sagte, geht der Anteil jener Amerikanerinnen und Amerikaner zurück, die sich zugleich als progressiv und christlich verstehen. Die Demokratische Partei habe zwar erkannt, dass sie mit ihrer derzeitigen Wählerkoalition - zu der Menschen ohne religiöse Bindung, Atheisten, Agnostiker, Muslime und Juden gehören – allein keine Mehrheiten gewinnen kann. Zugleich beobachtet Burge aber ein komplexes Wechselspiel zwischen religiöser und politischer Überzeugung: Sowohl Republikaner als auch Demokraten nutzten die Bibel, um ihre jeweilige politische Haltung zu untermauern.

Pagitts Hoffnungen sind bescheiden. Bei vielen Kongresswahlen gewann der Sieger mit nur drei oder vier Prozentpunkten Vorsprung. Es gehe nicht darum, »das ganze Land« zu verändern, sondern Republikanern mit Zweifeln «Ausnahmekandidaten» anzubieten, für die sie stimmen können, ohne ihre Identität infrage zu stellen. Vielleicht tut sich tatsächlich Raum auf: Ein Jahr nach Trumps Amtsantritt ermittelte das Pew Research Center im Januar 2026, dass «nur» 58 Prozent der weissen Evangelikalen «alle oder die meisten» seiner Pläne und Massnahmen für gut halten – ein Rückgang um acht Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr.

 

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