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Berührungen

Wann und wie Knuddeln gut tut – Weltkuscheltag am 21. Januar

von Dieter Sell, epd
min
20.01.2026
Kuscheln ist mehr als Nähe: Zum Weltknuddeltag erklären eine Profi-Kuschlerin und ein Haptik-Forscher, warum Berührungen Stress abbauen und Körper wie Seele stärken. Ein Blick auf Oxytocin, warme Hände und die heilende Kraft des Umarmens.

Kuscheln, drücken, umarmen, schmusen – egal, wie es auch genannt wird, immer geht es um das Knuddeln, um Berührungen. Der Weltknuddeltag am 21. Januar – auch Weltkuscheltag genannt – will ins Bewusstsein rufen, dass Zärtlichkeit, Gefühle und Berührungen wichtig sind. Sogar lebenswichtig, wie Expertinnen und Experten wie die Osnabrücker Profi-Kuschlerin Anette Wolff und der Leipziger Haptik-Forscher Martin Grunwald sagen.

Warme Hände sind immer schön

Anette Wolff ist nebenberuflich Profi-Kuschlerin. Sie gibt Menschen, die bei ihr eine Kuschelstunde buchen, Nähe und Berührungen. Wer zu ihr kommt, wird beispielsweise an den Händen oder über den Rücken gestreichelt, im Sitzen oder im Liegen. «Wenn Vertrauen entsteht, entspannen sich die Kundinnen und Kunden, der Muskeltonus verändert sich, der Atem, die Mimik.» Gelegentlich hört sie wohliges Brummen. Manchmal streichelt sie leicht, manchmal mit mehr Druck. «Warme Hände sind immer schön, manchmal aber auch kalte», hat die 57-Jährige erfahren, die hauptberuflich in der Verwaltung arbeitet. «Das ist alles ganz unterschiedlich und kommt auf die jeweilige Person und deren Tagesform an.»

Eine Meisterleistung der Natur

Berührungen, Fühlen und Tasten ist nach den Worten des Leipziger Psychologen und Haptik-Forschers Martin Grunwald wichtiger für das Überleben als Sehen, Hören, Riechen und Schmecken. «Eine kurze Umarmung kann positive Emotionen auslösen, die viele Stunden oder gar Tage andauern», schreibt der Psychologe in seinem Standardwerk «Homo hapticus». Kindliches Wachstum und psychische Stabilität seien ebenso abhängig von ausreichenden Körperberührungen wie das gute Miteinander von Liebes- und Lebenspartnern. Der Tastsinn sei «das biologisch grösste und einflussreichste Sinnessystem, eine Meisterleistung der Natur – und zugleich eine Selbstverständlichkeit, die wir kaum würdigen».

Kuschelhormon Oxytocin

Das findet auch Anette Wolff, die der «Kuschelkiste» angehört, einem Netzwerk ausgebildeter Kuschlerinnen und Kuschler (www.cuddlers.net) in Deutschland, Österreich, Luxemburg und der Schweiz. «Über die Bedeutung des Kuschelns können wir gar nicht genug reden», betont sie. Deshalb findet die Osnabrückerin auch den Weltknuddeltag so wichtig. «Berührungen und Nähe brauchen wir so dringend wie Nahrung und Schlaf.»

Beim Kuscheln wird im Körper das Stresshormon Cortisol reduziert und durch die Hirnanhangdrüse vermehrt Oxytocin ausgeschüttet. Dabei handelt es sich um ein Hormon, das entspannt und das Immunsystem unterstützt, aber auch Vertrauen und Verbindung schafft. Deshalb wird es auch gerne «Kuschelhormon» genannt.

Häufige Berührungen förderlich

Grunwald schreibt, Berührungsreize könnten sogar zur Regeneration von Hirnstrukturen nach einem Schlaganfall beitragen. Forschende aus Bochum, Duisburg-Essen und Amsterdam konnten belegen, dass Berührungen vor allem geeignet sind, Schmerz, Depression und Angst zu lindern. Für die Untersuchung wurden 130 internationale Studien mit rund 10‘000 Teilnehmenden ausgewertet. Ein zentrales Ergebnis: Häufigere Berührungen sind besonders förderlich, müssen aber scheinbar nicht lange dauern.

Auch auf Blutdruck und Herzfrequenz wirken sich die Berührungen nach Erkenntnissen der Forschenden positiv aus. «Berührung, die gewünscht ist, verbessert sowohl bei Menschen mit Erkrankungen in klinischen Situationen als auch bei Gesunden das Befinden», bilanziert Julian Packheiser vom Institut für Kognitive Neurowissenschaft der Ruhr-Universität Bochum. Und ergänzt: «Wer den Impuls hat, Familie oder Freunde zu umarmen, sollte sich daher nicht zurückhalten, wenn das Gegenüber es nicht ablehnt.»

Hautkontakt wichtig

Das Einverständnis, der Konsens in dem, was passiert, ist auch in der Arbeit von Profi-Kuschlerin Anette Wolff zentral, die unter anderem von einsamen Menschen gebucht wird. Auch Personen mit einer psychischen oder körperlichen Einschränkung melden sich bei ihr. Wer niemanden zum Kuscheln habe, dem könnten professionelle Kuschelstunden oder auch Kuschelpartys helfen, rät sie.

Auch Massagen und Selbstberührungen zum Beispiel im Gesicht und an den Armen wirken, haben Forschende herausgefunden. Und sogar Kontakte durch soziale Roboter, schwere Decken oder Umarmungskissen. Der Hautkontakt verstärke die positiven Effekte. «Berühren, Kuscheln, das ist ein Beitrag zum inneren Frieden», bringt es Anette Wolff auf den Punkt und ermutigt: «Mit Kuscheln anderen etwas Gutes zu tun, heisst ja auch, sich selbst etwas Gutes zu tun.»

 

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