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Kirche

Konfirmanden als Kirchenschreck

Konfirmanden gelten oft als Störenfriede, die mit Gott und so sowieso nicht wirklich viel anfangen können. Man duldet sie in der Kirche, weil man halt auch etwas für die Zukunft tun muss. Doch jugendlich zu sein bedeutet mehr, als ein ungläubiges Ärgernis darzustellen.

Als ich vor knapp drei Jahren begann, Konfirmandenunterricht zu geben, bangte ich um mein Leben. Die Konfirmanden würden mich mindestens einmal durch den Fleischwolf drehen, grillieren und meine Reste dann zum Abendessen aufwärmen – dachte ich. Denn dass «Jugendarbeit» eigentlich nur ein anderes Wort für «sich ein paar Stunden von Jugendlichen ärgern lassen» ist, das war mir damals völlig klar. 

Warum ich mich trotzdem darauf einliess? Weil die Kirche halt nun einmal die Jugendlichen noch nicht rausgeworfen hat, und ich mir schon damals ganz ernsthaft überlegte, ob ich nicht den Weg in Richtung Pfarramt einschlagen will. Also musste ich wohl oder übel rausfinden, ob ich die Konfirmanden in Zukunft für ein paar Stunden die Woche aushalten würde. 

Schlussendlich waren es meine Konfirmanden, die mich überzeugten, diesen Weg tatsächlich einzuschlagen. Und zwar nicht, weil ich merkte, dass ich die Jugendarbeit schon irgendwie aushalten würde, sondern weil es mir schlicht und einfach Spass macht, mit meinen Konfirmanden unterwegs zu sein. 

Meine allererste Erkenntnis war, dass Jugendliche tatsächlich keine Monster sind, sondern Menschen  – und zwar tolle Menschen. Menschen, die gerade dabei sind, ihren Weg ins Leben zu suchen und dabei das Beste wollen. Menschen mit Hoffnungen, Träumen, Ängsten und Zweifeln, in denen sie oft erfrischend ehrlich sind. Jugendlich zu sein ist anstrengend und spannend, es ist verwirrend und aufregend, doch es macht einen nicht «böse». 

Jugendliche fragen…

Ich will damit jetzt natürlich nicht sagen, dass in unserem Konfirmandenunterricht immer Friede, Freude, Eierkuchen herrscht und die
Jugendlichen gar nie auch nur auf die Idee kämen, mich zu ärgern. Wir unterhielten uns beispielsweise über Schnupf­tabak, da es gewisse Kirchgänger – natürlich aus völlig unerfindlichen Gründen – einfach stört, wenn die Konfirmanden mitten im Gottesdienst ihren Schnupf aus­packen, sich eine Prise genehmigen und danach laut niessend auf sich aufmerksam machen. Wir philosophieren auch hin und wieder über die Öffnungszeiten der Migros auf der anderen Strassenseite, der doch tatsächlich nach dem Konfunterricht noch immer geöffnet hat, sodass durchaus nicht der sichere Hungertod droht, wenn man nicht mitten in der Konfstunde Proviant einkaufen gehen kann. 

Doch ich will sagen, dass Jugendliche so viel mehr sind, als einfach jene, die in der Kirche schnupfen und im Unterricht stören. Derselbe Konfirmand, den man wegen seines Niessens eben noch am liebsten aus dem Gottesdienst verbannt hätte, kann seinen Kollegen wenig später darauf hinweisen, er solle nicht fluchen – und schon gar nicht in der Kirche. 

«Die Konfirmanden träumen den Traum eines Lebens voller Liebe, Geborgenheit und Erfolg.»

Und während des angestrengten Nachdenkens über die Öffnungszeiten der Migros kann aus dem Nichts die Frage auftauchen, wie man denn nur an einen Gott glauben kann, der so viel Leid zulässt – und die Jugendlichen lassen sich eine halbe Stunde lang ernsthaft und interessiert auf die Frage nach dem «Gott, der doch eigentlich gut ist, aber doch so viel Schlimmes geschehen lässt» ein. Und wer, wenn nicht die Kirche, soll und kann denn den Jugendlichen helfen, Antworten auf solche Fragen zu finden?

…und christliche Antworten

Die Konfirmanden träumen den Traum eines Lebens voller Liebe, Geborgenheit und Erfolg. Sie freuen sich darauf, einen Beruf zu erlernen, zu reisen, die Welt zu entdecken – etwas aus sich zu machen. Und sie merken gerade, dass das Leben manchmal ganz ungeahnte Probleme bringt, was Versagen bedeuten kann und wie erschreckend Ungewissheit hin und wieder ist. 

Das Geniale an der kirchlichen Jugendarbeit ist, dass wir jemanden kennen, der sich vor rund 2000 Jahren bereits mit all diesen Ängsten und Träumen auseinandergesetzt hat. Und auch wenn die Konfirmanden im ersten Moment oft so gar nichts für das Thema «Jesus» übrig zu haben scheinen, so erzählen sie doch begeistert vom «Abendmahl», das sie am Lagerfeuer zusammen gefeiert haben. 

Sich mit Jugendlichen Glaubenssätzen wie «Gott hat uns zuerst geliebt» anzunähern ist immer ein Abenteuer, und es kann durchaus sein, dass eine flapsige Antwort wie «Dann wünsch ich ihm mal viel Vergnügen dabei!» zurückkommt. Es kann aber auch sein, dass sie sich überlegen, wo Gottes Liebe sie in ihrem Leben irgendwie trägt. Oder beides – meistens beides. 

Und so sollte es einen eigentlich auch nicht weiter verwundern, wenn eine lärmende Gruppe von Konfirmanden auf einmal zum Schluss kommt: «Auf Menschen können wir uns nie ganz verlassen, doch auf Gott schon.»

 

Text und Foto: Tiziana Kaufmann (24), Theologiestudentin aus Rieden SG – Kirchenbote SG, Mai 2017

 


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