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Politik

Ein Dorf unter Strom

Dank Ostschweizer Engagement haben die 45 Haushalte von La Gracia nun Strom. Eine neue Lebensqualität verbreitet sich im abgelegenen Weiler im mittelamerikanischen Belize. Ein Erfolg, der mithilfe innovativer Solartechnik und kluger Köpfe zustande kam.

Bisher gab es in dem Dorf auf der Halbinsel Yucatan keine stabile Stromversorgung. Nun können die 200 Einwohner per Prepaidkarte individuell saubere Energie für ihr Haus beziehen. Federführend war dabei die Murger Firma Zenna AG. «Gemeinsam mit unseren Partnern», betont Lukas Küffer, der das Solarunternehmen vor sechs Jahren mit Roland Schlegel gegründet hat. «Der staatliche Stromanbieter hatte La Gracia nicht angeschlossen, weil es sich nicht lohnte», erklärt der 41-jährige Konstruktionsschlosser die Ausgangslage. Darum habe man mit Repic, der Entwicklungshilfe-Plattform des Bundes zur Förderung erneuerbarer Energien, ein lokal verankertes Pilotprojekt vorgeschlagen. 

«Planen und diskutieren kann man viel, aber am Ende kommt es auf die Umsetzung an.»

«Die Leute mit einbeziehen»
Die Idee: Es lässt sich dezentral und unabhängig von bestehenden Infrastrukturen leicht aufbauen. So ist binnen weniger Monate aus einem Schiffscontainer ein 25-Kilowatt-Solarkraftwerk entstanden. Neben Fotovoltaik-Elementen verfügt es mit Batterien und Gasgenerator auch über einen Puffer, so dass der Energiefluss selbst bei Dunkelheit gewährleistet ist. Der Bund steuerte via Repic bis zur Hälfte an die 300 000 Franken teure Anlage bei. Den Rest brachten private Geldgeber auf. Gut schweizerisch. Die Firma Zenna AG holte Privatunternehmen und Serviceclubs aus dem Sarganserland ins Boot. So entstand eine Anlage, die mit einfachen Mitteln reproduzierbar ist und sehr nachhaltig wirkt. «Sie soll ja nicht nur am Anfang laufen, sondern lange», betont Küffer. 

Es wird nicht vandaliert
Bisher ist sie denn auch nur ein einziges Mal kurz ausgefallen. Ganz im Gegensatz zur landestypischen Quote von einem Blackout pro Woche. «Die Akzeptanz bei der Dorfbevölkerung ist hoch.» Es gebe keinen Vandalismus. Das hänge wohl auch damit zusammen, dass man die Bewohner beim Bau miteinbezogen habe, sagt er. Zudem wurden Konzept, Chancen und Grenzen des Projekts kommuniziert und gehören zum Lehrplan der Dorfschule. «Die Leute sind involviert.» Entwicklungspolitisch gilt das Vorhaben bereits als gelungenes Pilotmodell und dürfte EU-Gelder in Höhe von sechs Millionen Franken auslösen.

 

Text: Reinhold Meier, Wangs | Foto: Lukas Küffer  – Kirchenbote SG, März 2018

«Letztlich muss es korrekt sein»

Herr Küffer, warum haben Sie und Ihre Firma das Projekt in Belize unterstützt?
Ich fand es eine gute Sache. Strom ist ein Grundbedürfnis, es steht für Licht, Kraft und Information. Für all das konnten wir mit den Bewohnern nun die Grundlagen schaffen. Mit dem Solarkraftwerk haben die Menschen mehr Lebensqualität gewonnen. Und zwar nachhaltig, weil erneuerbar. Zugleich steigen die Entwicklungschancen. Das Dorf wächst erstmals seit Langem. Die Jungen bleiben, weil sie eine Zukunft sehen. Das Projekt war technisch herausfordernd. Es ist ja ein Pilot, ein Referenzprojekt. So etwas ist für uns einfach spannend. Deswegen machen wir den Job. Wir haben auch viel gelernt. Beispielsweise was es heisst, dass bei uns Strom praktisch unendlich verfügbar ist, dort aber nicht. 

Was hat Sie motiviert?
Wir sind Typen, die Herausforderungen brauchen. Und wir suchen sie auch. Wir sehen ein Problem, so wie in La Garcia. Und dann wollen wir einfach zeigen, dass es geht, dass man es lösen kann. Deshalb fangen wir auch nicht mal nur an, sondern wir ziehen es auch durch. Bis es wirklich klappt und wirklich nachhaltig ist. Das ist unsere Philosophie. 

Helfen Sie gerne?
Ja. Wir helfen gerne. Wir haben bereits weitere Projekte im Kopf. Aber darüber wollen wir noch nicht sprechen, weil es zu früh wäre. In Belize lernten wir, wie wichtig es ist, dass ein Projekt vor Ort konkret werden muss. Planen kann man viel und diskutieren auch, aber am Ende kommt es darauf an, das auch umzusetzen und zwar so, dass es einfach und nachhaltig läuft. 

Worauf achten Sie sonst noch?
So ein Projekt läuft nur mit guten Partnern. Man muss an einem Strang ziehen, miteinander Ideen entwickeln und umsetzen. Wir hatten tolle Projektpartner, bei denen wir uns bedanken. Das war grossartig! Wir haben das Projekt übrigens in einem Kurzfilm zusammengefasst (www.vimeo.com/zenna/repic). Eindrücklich ist für uns, was die Dorfbewohner darin erzählen, etwa Patricia Molina von ihrer Waschmaschine. Da wissen wir, es hat sich gelohnt.

 

Interview: Reinhold Meier, Wangs – Kirchenbote SG, März 2018


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