News aus dem Kanton St. Gallen

Abgeordnete sagen Ja zur Ehe für alle

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06.11.2019
Die Delegierten des Kirchenbundes sprachen sich in Bern für die Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare aus. Mit 49 Ja- zu 11 Nein-Stimmen war der Entscheid überraschend deutlich.

Die Abgeordnetenversammlung (AV) des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes bef├╝rwortet die Ehe f├╝r alle. In der Abstimmung vom 5. November im Berner Rathaus stimmten 45 Delegierte daf├╝r, die ├ľffnung der Ehe f├╝r homosexuelle Paare auf zivilrechtlicher Ebene zu unterst├╝tzen. Lediglich 10 lehnten dies ab. Zuvor war eine geheime Abstimmung beantragt worden.

Ratsmitglied Sabine Br├Ąndlin betonte zu Beginn der Diskussion, dass die reformierte Kirche mit ihrem Entscheid nicht l├Ąnger warten d├╝rfe. ┬źEs geht darum, jetzt unsere Stimme in die gesellschaftliche Debatte einzubringen┬╗, sagte sie. Der Antrag des Kirchenbundes sei zudem nicht bindend. ┬źDer endg├╝ltige Entscheid ├╝ber eine Einf├╝hrung der Trauung liegt immer noch bei den Kantonalkirchen┬╗, so Br├Ąndlin.

Im Anschluss daran entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. Der Obwaldner Abgeordnete Michael Candrian sagte, es sei falsch, eine Entscheidung auf nationaler Ebene zu treffen. Vielmehr sei es Aufgabe der Kantonalkirchen und Kirchgemeinden, ├╝ber die Ehe f├╝r alle zu befinden. Candrian kritisierte zudem, dass der Entscheid des Kirchenbundes zur Ausgrenzung einer theologischen Minderheit f├╝hre.

Angst vor Spaltung
Demgegen├╝ber betonte die Aargauer Delegierte Catherine Berger-Meier, dass die AV in ihrer letzten Sitzung vom Juni bereits Ja zu unterschiedlichen sexuellen Orientierungen gesagt habe. Es sei folgerichtig, nun auch den n├Ąchsten Schritt zu tun. Berger-Meier warnte eindringlich davor, Minderheiten zu diskriminieren: ┬źF├╝r nicht betroffene Gruppen ist es schwer nachzuempfinden, was Diskriminierung bedeutet.┬╗

In der Debatte war vor allem eins zu sp├╝ren: die Angst davor, dass der Graben zwischen Bef├╝rwortern und Gegnern die Reformierten spalten k├Ânnte. Der Baselbieter Kirchenratspr├Ąsident Martin Stingelin rief zu mehr Gelassenheit auf. Der Entscheid der AV nehme nichts vorweg. ┬źLasst uns doch einfach einmal das Bild, das sich heute ergibt, zur Kenntnis nehmen┬╗, sagte Stingelin.

Ja zur Gewissensfreiheit
Mit deutlicher Mehrheit sprachen sich die Abgeordneten schliesslich auch f├╝r zwei weitere Antr├Ąge der Exekutive aus. Darin empfiehlt der Rat den Kantonalkirchen, den allf├Ąllig neuen zivilrechtlichen Ehebegriff f├╝r die kirchliche Trauung vorauszusetzen. Zudem soll die Gewissensfreiheit der Pfarrerinnen und Pfarrer bei kirchlichen Trauungen von gleichgeschlechtlichen Paaren gewahrt bleiben.

Keine Mehrheit fand hingegen die Empfehlung des Rates an die Mitgliedkirchen, Trauungen gleichgeschlechtlicher Paare in die Trauregister aufzunehmen. In der Schlussabstimmung wurde noch einmal ├╝ber das Gesamtpaket der drei genehmigten Antr├Ąge abgestimmt. Dieses fand bei 49 Ja- und 11-Nein-Stimmen eine klare Mehrheit.

Hintergrund der Abstimmung in der AV ist eine parlamentarische Initiative der Gr├╝nliberalen, die den Gesetzgeber auffordert, alle rechtlich geregelten Lebensgemeinschaften f├╝r alle Paare zu ├Âffnen ÔÇô unabh├Ąngig von Geschlecht oder sexueller Orientierung. Die Debatte im Parlament wird voraussichtlich in der Fr├╝hlingssession 2020 beginnen.

no, ref.ch, 5. November 2019

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