News aus dem Kanton St. Gallen

App macht dankbarer

von Stefan Degen
min
30.11.2023
Mental gesund und widerstandsfähig bleiben. Das verspricht die App Resilyou, eine Entwicklung der reformierten St. Galler Kirche. Nach dreijähriger Projektphase wird sie nun in die Selbstständigkeit entlassen.

«Chrampfe, chrampfe, chrampfe!» – Kathrin Gabathulers Alltag war stressig. Die Rheintalerin war im Job unter Druck und arbeitete zu viel. Da erfuhr sie über Linkedin von «Resilyou». «Nützt’s nüt, so schadt’s nüt», dachte sie und lud die App runter. Resilyou ist eine Entwicklung der Reformierten Kirche des Kantons St. Gallen. Sie will mit kurzen täglichen Übungen die Resilienz stärken: die Fähigkeit, sich von kleinen Alltagskrisen und grösseren Lebenskrisen nicht unterkriegen zu lassen.

Von der HSG zur Kirche

Die Idee zu Resilyou entstand an der Universität St. Gallen (HSG), wo Studierende für Firmen Produktideen entwickelten – eine davon für die Kirche. Die Idee war so überzeugend, dass der Kirchenrat 2020 entschied, sie umzusetzen. Meike Kocholl, die als Studentin die Idee entwickelt hatte, wurde von der Kirche für das Projekt angestellt.

Bei kleineren Lebenskrisen, wenn einem die Arbeit stinkt, man nicht weiss, was man will im Leben, man vielleicht mühsame Kunden hat, da hilft sie, motivierter und dankbarer zu bleiben.

Als die App im Herbst 2022 lanciert wurde, war Kathrin Gabathuler eine Nutzerin der ersten Stunde. Im Zug oder abends vor dem Einschlafen tippte sie in die App ein, wofür sie dankbar war. «Ich finde es cool, dass man sich bewusst wird, was man alles hat, allem Stress zum Trotz.» Dank Resilyou kam Gabathuler auch schon zu einem Aha-Erlebnis: Als sie das Kapitel zum Thema Erfolg bearbeitete, realisierte sie plötzlich, dass sie unter «Erfolg» nur berufliche Dinge notierte: «Dabei ist es doch auch ein Erfolg, Sport zu machen und Freunde zu treffen.»

Die App will die Resilienz stärken. Hält sie was, sie verspricht? «Ich war schon vorher resilient», sagt Gabathuler. Sie empfehle die App Menschen, die psychisch gesund seien, aber vielleicht mal eine Tiefphase hätten. «Bei kleineren Lebenskrisen, wenn einem die Arbeit stinkt, man nicht weiss, was man will im Leben, man vielleicht mühsame Kunden hat, da hilft sie, motivierter und dankbarer zu bleiben.» Bei einer richtigen Depression reiche die App wohl nicht. Auch Kocholl stellt klar: «Resilyou wirkt in erster Linie präventiv und ersetzt keine Psychotherapie.»

Von Jury ausgezeichnet

Als vor Jahresfrist der «Blick» über die App berichtete, schossen die Nutzerzahlen in die Höhe. Rund 5000-mal wurde sie mittlerweile runtergeladen und von Best of Swiss Apps 2023 ausgezeichnet.

Die Zeit der Anschubfinanzierung durch die Kirche geht nun zu Ende. 2023 entschied der Kirchenrat, die App in die Selbstständigkeit zu entlassen. Das bedeutet, dass ein Premium-Abo kostenpflichtig wird, «um die Betriebskosten zu decken und die App weiterzuentwickeln», wie Meike Kocholl erläutert. Wäre Kathrin Gabathuler, die Nutzerin der ersten Stunde, denn bereit, in Zukunft dafür zu bezahlen? «Ich würde lieber Werbung anschauen», sagt sie, «oder eine reduzierte Gratisversion nutzen.»

www.resilyou.com

Kirche tut gut

Von seelsorgerischer Begleitung über Angebote für Jugendliche bis zum gewöhnlichen Sonntagsgottesdienst: Kirche tut gut. Auch denjenigen, die mit Kirche vordergründig nur wenige oder keine Berührungspunkte haben. Mehr dazu hier:

ref-sg.ch/kirche-tut-gut

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