News aus dem Kanton St. Gallen

Freiwillige betreut demente Frau

von Julia Sutter
min
18.03.2024
Hans Peter Hug hat seine an Demenz erkrankte Frau jahrelang daheim begleitet. Möglich war dies dank der Unterstützung durch eine freiwillige Wegbegleiterin.

Als seine Ehefrau 2014 an einer demenziellen Entwicklung erkrankt, steht Hans Peter Hug noch aktiv im Berufsleben. Mit der emotionalen Belastung kommt er zurecht. Er f√ľhlt sich getragen, kann Ja sagen zu dem, was ist. Was ihm nebst anderem zu schaffen macht: dass er bald nie mehr l√§ngere Zeit von daheim wegbleiben kann.

Angebot der Kirchen

Hug geht in Pension, m√∂chte jedoch einzelne Mandate wie das Pr√§sidium des St.‚ÄČGallischen Hilfsvereins oder den Stiftungsrat der Stiftung Heimst√§tten Wil weiterpflegen. ¬ęF√ľr die Zeiten, in denen ich nicht da w√§re, w√ľnschte ich mir f√ľr meine Frau eine Vertrauensperson.¬Ľ Er st√∂sst auf die √∂kumenische Wegbegleitungsgruppe der Reformierten Kirchgemeinde Oberuzwil-Jonschwil. Ein erster Kontakt mit einer der Freiwilligen f√ľhlt sich f√ľr beide Seiten gut an, und Hugs Frau hat von nun an regelm√§ssig jemand Dritten an ihrer Seite, mit der sie spazieren gehen, Musik h√∂ren oder kochen kann. Das gemeinn√ľtzige Engagement der Wegbegleiterin hat Hug imponiert. Einen grossen¬†Teil seines Erwachsenenlebens habe er beim Wort ¬ęKirche¬Ľ prim√§r ans Steuernzahlen gedacht. Aber mit zunehmendem Alter merke man, dass man ein Teil vom Ganzen sei. Man werde offener f√ľr Angebote, und man frage sich auch, wo man selbst einen Beitrag leisten k√∂nne.¬†

Selbst Beitrag leisten

Wenn es sich ergebe, berate er heute manchmal Leute, die in der gleichen Situation seien wie er selbst vor zehn Jahren. Seine Frau lebt inzwischen in einer Betreuungs- und Pflegeeinrichtung, wo er sie t√§glich besucht, und immer wieder neu ersp√ľrt, wie Emotionen anklingen k√∂nnen, wie ein gemeinsamer Austausch zu einem Miteinander m√∂glich wird. Hug selbst h√§tte sich damals eine Art Coach gew√ľnscht, eine Case Managerin, die alle paar Monate das Gespr√§ch gesucht und Fragen gekl√§rt h√§tte. ¬ęIn der Gemeinde sind Angebote vorhanden, aber man muss sich diese zusammensuchen, und dazu fehlt Betroffenen oft die Kraft.¬Ľ Wenn wirklich ein politischer Wille da sei, dass sich Menschen m√∂glichst lange im bekannten Umfeld bewegen k√∂nnten, brauche es entsprechende Unterst√ľtzungsangebote, nicht nur von der Kirche. Der 70-J√§hrige ist entschlossen, seinen Beitrag zu leisten. Bereits hat er Kontakt mit dem Gemeindepr√§sidenten und mit katholischen und evangelischen Pfarrpersonen aus dem Dorf aufgenommen. Als Erstes w√ľnscht er eine Auslegeordnung der bestehenden Angebote. ¬ęWeitere Schritte sind entsprechend vorzusehen. Ich bleibe dran.¬Ľ

Kirche tut gut

Von seelsorgerischer Begleitung √ľber Angebote f√ľr Jugendliche bis zum gew√∂hnlichen Sonntagsgottesdienst: Kirche tut gut. Auch denjenigen, die mit Kirche vordergr√ľndig nur wenige oder keine Ber√ľhrungspunkte haben. Mehr dazu hier:

ref-sg.ch/kirche-tut-gut

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