Aus der Zeit gestiegen
Der Weg dorthin schlängelt sich von Walenstadt hinauf nach Walenstadtberg und windet sich auf eine Hochebene am Fusse der steil aufragenden Churfirsten. Das Friedensmal ist nicht ersichtlich. Es liegt geschützt in einer Mulde. Erst wer eine Treppe hinuntersteigt und um die Ecke blickt, wird getroffen von der Wuchtigkeit eines Tempels. Er ist das Lebenswerk von Karl Bickel († 1982).
Nach Erkrankung zurückgekehrt
1886 geboren, wächst Klein-Karl vaterlos auf, schlägt den Weg des Lithografen ein, nimmt Abendkurse in Gebrauchsgrafik und Zeichnen an der Kunstgewerbeschule Zürich und eröffnet 1908 sein eigenes Atelier. Er feiert Erfolge mit Modekatalogen für Grieder, reist 1912 nach Italien und kommt mit der Bearbeitung von Carraramarmor in Berührung. Doch jäh erkrankt er ein Jahr später an Tuberkulose. Und so fährt der Grafiker und Künstler mit der Postkutsche hoch nach Walenstadtberg und von hier weiter ins Sanatorium, um sich zu kurieren.
Er errichtet in der schneefreien Zeit den Rohbau aus Kalksteinquadern aus der Umgebung, deckt das Hallendach mit Tessiner Granit und wendet für die Seitenmauern eine neuartige Mosaik-Relieftechnik an.
Die oft tödlich endende Infektionskrankheit wirft den Zürcher auf sich zurück und aus der Bahn. 13 Monate pumpt er hier auf fast 1300 Meter Höhe die frische Bergluft in seine Lungen, atmet ein wie aus und nimmt sich vor, sollte er genesen, «sein Leben sinnvoll zu gestalten», es muss ja nicht gleich ein Kapellenbau sein. Denn die Idee des Tempels kommt später, als Bickel die Grausamkeiten des Ersten Weltkriegs gewahrt. Doch vorerst kehrt der Genesene nach Zürich zurück, entwirft Plakate für das Musikhaus Hug, die Tourismusdestinationen Arosa und St. Moritz. Dann stirbt die Mutter. Bickel verkauft sein Haus in Zürich, bricht dort die Zelte 1924 ab.
Genesis und fünftes Gebot
Er steigt aus, kehrt zurück in den Luftkurort und fängt an, das Paxmal zu bauen. Er errichtet in der schneefreien Zeit den Rohbau aus Kalksteinquadern aus der Umgebung, deckt das Hallendach mit Tessiner Granit, wendet für die Seitenmauern eine neuartige Mosaik-Relieftechnik an und setzt dabei Marmor und Granit aus Italien, Schweden und der Tschechoslowakei ein. Die Längswände zeigen sechs Stationen bzw. das körperliche und das geistige Leben. In der Halle, wo Bickel mit seiner Frau und Karl jun. lange auch im Obergeschoss wohnt, kommen die beiden seitlichen Folgen in der «Familie» und der «Grossen Gemeinschaft» zusammen, dort, wo sich in der Tempelmitte die «Altersgemeinschaft», das Hauptbild des Lebensabends und der Lebenserfüllung, befindet. Im Giebelfeld prangt das Wort Pax: Der Gegenentwurf zum Krieg und zur Krise. 1949 ist das Friedensmal fertig, auch der Zweite Weltkrieg vorbei. Bickel widmet es dem «umfassenden, schaffenden und guten Menschen», der Gemeinschaft und der Familie: Die Mutter ist verewigt, auch ein fiktiver Vater. Der biblische Anklang findet sich in der Genesis und dem fünften Gebot. Das Umfassende, Erhabene aber wird allerspätestens mit der Ruhe, dem Ausblick über das Lebenselixier Wasser auf die Berge spürbar. Ein heiliger Ort?
Am Fusse der Churfirsten
Anreise per ÖV
Zug mit Halt in Walenstadt. Ab Bahnhof Walenstadt Busbetrieb nach Walenstadtberg-Rehaklinik. Danach Wanderung (ca. 1 Std.) nach Schrina-Hochrugg zum Paxmal.
Mit dem Auto
Die Parkmöglichkeiten in Schrina-Hochrugg sind begrenzt. Es empfiehlt sich, in Walenstadtberg zu parkieren und den Fussweg zu benutzen.
Aufgrund der Schneeverhältnisse ist das Friedensmal vom Spätherbst bis ins Frühjahr nicht erreichbar. Die Strasse wird nicht geräumt.
Aus der Zeit gestiegen