News aus dem Kanton St. Gallen

Back to the Roots

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17.06.2016
Zum Reformationsjubiläum 2017 gab die Evangelische Kirche Deutschland eine neue Fassung der Lutherbibel in Auftrag. Am Donnerstag begann im schwäbischen Nördlingen der Andruck, ab Oktober soll die neue Bibel erhältlich sein. Statt auf Modernisierung setzt sie wieder auf Luthers Worte.

Zur├╝ck zu den Wurzeln: Nach f├╝nfj├Ąhriger Arbeit haben Theologen und Sprachwissenschaftler eine neue Fassung der Lutherbibel vorgelegt. Bei der j├╝ngsten ├ťberarbeitung ├╝berpr├╝ften 70 Fachleute die Lutherbibel auf Treue zum biblischen Text. ├änderungen sollten nur dort vorgenommen werden, wo sie zwingend geboten sind, ┬źwobei jede Ver├Ąnderung des den Gemeinden vertrauten Klangs der Lutherbibel m├Âglichst vermieden werden soll┬╗, lautete die Vorgabe. Trotzdem weist die neue Lutherbibel mindestens 12ÔÇë000 ver├Ąnderte Bibelverse auf.

Sprachgewaltig
Die Evangelische Kirche Deutschland trug bei der ├ťberarbeitung wieder st├Ąrker der Tradition der lutherischen Sprache Rechnung. Als 1534 die erste Gesamt-Lutherbibel erschien, pr├Ągte sie durch ihre Volksn├Ąhe und Sprachgewalt die deutsche Sprache wie kein zweites Buch. Luthers Bibel war der Wegbereiter des Neuhochdeutschen. Durch seine Bibel wurde die deutsche Sprache einheitlicher. Im Fleckenteppich des Deutschen Reiches entstand ein ┬źWir-Gef├╝hl┬╗. Bei seiner ├ťbersetzung schuf der Reformator zahlreiche sprachliche Neusch├Âpfungen, wie den ┬źDenckzedel┬╗ mit dem er den j├╝dischen Gebetsriemen wiedergab.

Manche Irrt├╝mer wurden nun beseitigt: So stand Gott in Amos Vision auf der Mauer und hielt ein Senkblei in der Hand wie ein Handwerker. Neue Forschungen hingegen zeigen, dass es sich da nicht um Blei, sondern um Zinn handelte, aus dem Waffen hergestellt wurden. Gott schmiedet jetzt in der Lutherbibel auf den Mauern Waffen f├╝r das Gericht ├╝ber Israel.

Verst├Ąndlich
Alttestamentler Albert de Pury findet es verst├Ąndlich, dass sich die Lutherbibel wieder st├Ąrker an den Worten des Reformators orientiert. ├ťber Jahrhunderte habe diese Sprache die Liturgie und die Kirchensprache gepr├Ągt. Die verschiedenen Bibel├╝bersetzungen h├Ątten durchaus ihre Berechtigung. F├╝r de Pury setzt jedoch die neue Z├╝rcher Bibel├╝bersetzung aus dem Jahr 2007 Massst├Ąbe in Sachen Genauigkeit und Verst├Ąndlichkeit. Der Alttestamentler arbeitete am Kommentar zur Z├╝rcher Bibel ├╝ber Genesis 1 bis 26 und fand kaum Stellen, die falsch ├╝bersetzt wurden.

Eine erste Revision der Lutherbibel geschah in der zweiten H├Ąlfte des 19. Jahrhunderts. Die zweite ├ťberarbeitung stammt von 1912. Die noch aktuelle dritte Revision fand zwischen 1964 und 1984 statt. Jetzt geht die vierte Revision in den Druck

Tilmann Zuber / Kirchenbote / 17. Juni 2016

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