News aus dem Kanton St. Gallen

«Brrr!» – im Kanal getauft

von Andrea Kobler, Journalistin, Marbach
min
02.09.2023
Franziska, Katharina und Alexander sind zehn, acht und sechs Jahre alt. Im Juni empfingen die Geschwister zusammen mit zwei weiteren Kindern im eiskalten Werdenberger Binnenkanal ihre Taufe. Ein Weg, den sie bewusst selber gewählt haben.

Sonntagmorgen am Werdenberger Binnenkanal. Berge mit wenig Restschnee und ein wolkenloser Himmel bilden die perfekte Kulisse der Taufe der drei Geschwister Franziska, Katharina und Alexander Mayer. Zuvor hatten sie in der Kirche Salez gemeinsam Gottesdienst gefeiert und Franziska spielte ┬źHallelujah┬╗ auf dem Schwyzer├Ârgeli. Die drei Wasserratten sind nerv├Âs. Ihnen ist etwas mulmig.

Oma und Opa, Verwandte, Kolleginnen und Kollegen aus der Schule, Nachbarn und Bekannte sind an diesem besonderen Tag dabei und beobachten sie vom Ufer und von der Br├╝cke aus. Das Wasser im Binnenkanal ist eisig kalt. Die Taufpaten, zuerst etwas ├╝berrascht, dass sie selber in den Kanal steigen m├╝ssen, geben den T├Ąuflingen aber das n├Âtige Vertrauen und tauchen sie schliesslich ins Wasser. Der sechsj├Ąhrige Alexander h├Ąlt sich die Nase zu. Als er wieder auftaucht, lacht er.

Der eigene Wunsch der Kinder

┬źJetzt sind wir Teil der Gemeinschaft┬╗, sagen Franziska und Katharina. Das w├╝nschten sie sich, seit sie im Religionsunterricht erfahren hatten, dass die meisten ihrer Kolleginnen und Kollegen getauft sind. Besonders sch├Ân fanden sie die Erz├Ąhlung eines Kollegen, dem Sohn von Diakon Ruedi Eggenberger. Er und seine Geschwister waren es, die mit dem Wunsch auf ihren Vater zugingen, sich taufen zu lassen und die ihn fragten, ob er eine┬áFlusstaufe machen w├╝rde. Der Diakon, der in der Kirchgemeinde Sennwald f├╝r Kinder, Familien und Jugendliche zust├Ąndig ist, setzte sich zusammen mit den Kolleginnen aus dem Konvent mit der Flusstaufe auseinander,┬áeiner urchristlichen Praxis. ┬źEs war eine kurze Diskussion┬╗, erinnert sich Eggenberger, ┬źdenn es sprach nichts dagegen.┬╗

Die einst aus der Kirche ausgetretenen Verwandten eines Täuflings beantragten nach der Taufe den Wiedereintritt in unsere Kirchgemeinde.

Bereits Jesus liess sich vor rund 2000 Jahren von Johannes im Jordan taufen. Dabei musste der Sohn Gottes in den Fluss steigen und ganz untertauchen. Zudem wurde die Flusstaufe in verschiedenen St.ÔÇëGaller Kirchgemeinden immer mal wieder angewandt.

Diakon erlebte ├╝berraschung

Ruedi Eggenberger taufte seine Kinder im letzten Jahr im Werdenberger Binnenkanal und ├Âffnete dieses Ritual auch f├╝r weitere Interessierte. Dabei erlebte er auch Unerwartetes: ┬źDie einst aus der Kirche ausgetretenen Verwandten eines T├Ąuflings beantragten nach der Taufe den Wiedereintritt in unsere Kirchgemeinde. Das freute mich sehr.┬╗ Die Taufe von Franziska, Katharina und Alexander in diesem Fr├╝hsommer war f├╝r den Diakon deshalb so speziell, weil sie im Gottesdienst ber├╝hrend sagen konnten, weshalb sie getauft werden m├Âchten und was ihnen die Taufe bedeutet: ┬źDass Kinder in ihrem Alter sagen, dass sie mit Gott unterwegs sein m├Âchten, war f├╝r mich spannend zu h├Âren.┬╗

┬źIch w├╝nsche mir, dass Gott mir hilft, die richtigen Entscheidungen zu treffen┬╗, schrieb Franziska in ihrem Taufversprechen. Katharina glaubt: ┬źWenn jeder so leben w├╝rde, wie Gott es sagt, w├Ąre die Welt viel friedlicher. Ich will Gott dabei helfen.┬╗ Ihre Eltern Melanie und J├╝rgen wollten ihre Kinder l├Ąngst taufen. Doch verschoben sie das Vorhaben immer wieder. Heute finden sie es sch├Ân, dass die Kinder den Zeitpunkt selber bestimmen konnten. Dass die Taufe in der Natur stattfand, haben sie bewusst gew├Ąhlt: ┬źDie Natur ist uns sehr wichtig. Der Werdenberger Binnenkanal ist ein sch├Âner Ort f├╝r das Taufversprechen. Hier gehen wir spazieren, die Kinder fahren Inline-Skates oder Trottinett. So werden wir auch immer wieder an den unvergesslichen Tag erinnert, der die ganze Verwandtschaft und uns so sehr begeisterte┬╗, erz├Ąhlt Mutter Melanie.

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