News aus dem Kanton St. Gallen

«Das Engagement der Kirchen ist für den Staat wichtig»

von Tilmann Zuber, kirchenbote-online / Regula Vogt, kirche heute
min
07.09.2022
Bundesrätin Karin Keller-Sutter besuchte das Ukraine-Friedensgebet in der Elisabethenkirche Basel. Es war ihr ein persönliches Anliegen, mit den ukrainischen Flüchtlingen zu sprechen und den Freiwilligen und Kirchen zu danken.

Frau Bundesr├Ątin Keller-Sutter, warum besuchten Sie das Friedensgebet?
Im Fr├╝hling habe ich in der Tagesschau einen Beitrag ├╝ber die Friedensgebete in der Basler Elisabethenkirche gesehen. Das hat mich angesprochen und ich nahm mir vor, eines zu besuchen. Der jetzige Zeitpunkt im Vorfeld des eidgen├Âssischen Dank-, Buss- und Bettags passt gut. Und jetzt, da das Interesse am Ukrainekrieg etwas nachgelassen hat, kann so ein Besuch die Menschen, die sich engagieren, motivieren.

Sie haben den Freiwilligen gedankt, die die Fl├╝chtlinge unterst├╝tzen. Wie wichtig ist deren Einsatz?
Er ist sehr wichtig. Ohne all die Privaten w├Ąre es nicht m├Âglich gewesen, so viele Fl├╝chtlinge in so kurzer Zeit zu beherbergen. Ich habe verfolgt, was die Landeskirchen und j├╝dischen Gemeinschaften getan haben, um die Fl├╝chtlinge unterzubringen und zu betreuen. Gerade f├╝r die j├╝dischen Gemeinschaften sind der Krieg in Europa und die Fl├╝chtlinge ein D├ęj├á-vu. Und die Kirchgemeinde hier hat mir von ihren Sprachkursen f├╝r die Ukrainerinnen und Ukrainer berichtet. Diese Arbeit sch├Ątzen wir sehr.

Was k├Ânnen die Kirchen tun?
Die Landeskirchen wie auch der Schweizerische Israelitische Gemeindebund und andere Glaubensgemeinschaften haben eine wichtige Rolle bei der Unterbringung und der Betreuung der Fl├╝chtlinge aus der Ukraine gespielt. Hier in Basel etwa haben die Kirchen Sprachkurse und Friedensgebete organisiert. Das Engagement der Kirchen ist f├╝r den Staat wichtig, die Beh├Ârden w├Ąren gar nicht in der Lage gewesen, alles in dieser kurzen Zeit selbst zu machen. F├╝r den Staat ist dieses Engagement eine grosse Entlastung.

Caritas und andere Hilfswerke kritisieren, dass die Migranten und Fl├╝chtlinge durch die verschiedenen Kategorien unterschiedlich behandelt werden.
Ich finde diese Kritik nicht berechtigt. Der Schutzstatus S wurde in der Schweiz noch nie angewendet. Er wurde nach den Kriegen in Ex-Jugoslawien f├╝r die Situation konzipiert, in k├╝rzester Zeit zehntausende vertriebene Menschen aufnehmen zu k├Ânnen, ohne f├╝r jede und jeden ein individuelles Asylverfahren durchf├╝hren zu m├╝ssen. Der Status S ist ein Sonderfall. Ich hoffe, dass wir k├╝nftig nicht noch einmal erleben, was wir jetzt mit dem Krieg in der Ukraine durchmachen. Die Schweiz steht mit dem Schutzstatus S nicht alleine da. Es gibt auch im Schengenraum diesen vor├╝bergehenden Schutz neben dem Asylverfahren, in dem man individuelle Gr├╝nde f├╝r Asyl geltend machen muss. Ungleiches sollte man nicht gegeneinander ausspielen.

Wie es im Moment aussieht, wird sich der Krieg in der Ukraine noch l├Ąnger hinziehen. Wie kann man die Freiwilligen motivieren, wenn die Unterst├╝tzung l├Ąnger dauert?
Ich habe den Eindruck, diese sind schon motiviert. Sie tun dies aus ├ťberzeugung und erhalten viel zur├╝ck. Gerade eben haben mir Ukrainerinnen gedankt, f├╝r die Unterst├╝tzung durch die Freiwilligen, die Kirche und die Schweiz. Den Frauen ist sehr bewusst, dass unser Land hilft. Nat├╝rlich wird, wenn die Aufmerksamkeit nicht mehr so gross ist, an dem einen oder anderen Ort die Unterst├╝tzung zur├╝ckgehen. Aber Pfarrer Frank Lorenz sagte in der Tagesschau, dass die Kirche in Jahrhunderten und Jahrtausenden denke und darum solange helfe, wie es die Kirche brauche. Daf├╝r m├Âchte ich mich bedanken.

Interview: Tilmann Zuber, kirchenbote-online, und Regula Vogt, kirche heute

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