News aus dem Kanton St. Gallen

Der Glaube geht durch den Magen

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05.07.2018
Die Sommerserie der reformierten Kirchenzeitungen schwingt in den nächsten fünf Wochen den Kochlöffel. Im Web stellt sie berühmte Mahlzeiten aus dem Neuen Testament und der Kirchengeschichte vor und serviert dazu die Rezepte, natürlich mit einem Tipp für den passenden Wein. Na, dann guten Appetit.

Wer das Neuen Testament liest, dem wird schnell klar, Jesus und seine J├╝nger waren keine Kostver├Ąchter. Verschiedene Bibelstellen berichten ├╝ber opulenten Feste, bei denen der Wein nicht fehlen durfte. Sei es an der Hochzeit zu Kana oder am Passahfest, aus dem sp├Ąter das christliche Abendmahl hervorging. Immer wieder beschreibt Jesus das Reich Gottes als grosses Gastmahl. Und selbst das bekannteste Gebet der Welt, das ┬źUnser Vater┬╗, bittet um das t├Ągliche Brot.┬á

Zwischen rein und unrein

Die meisten grossen Religionen kennen Essensvorschriften und Rituale. Die muslimische K├╝che unterscheidet zwischen ┬źHaram┬╗, verboten und unrein, und ┬źHalal┬╗, erlaubt und rein. Auch das j├╝dische Essen sollte koscher sein.

Das Christentum hingegen kennt keine direkten Speisegebote, das Neuen Testament macht diesbez├╝glich keine Vorschriften. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte das Christentum Traditionen wie das Fischessen am Freitag im Gedenken an den Todestag Christi oder das Fasten vor Ostern und Weihnachten. Das Tischgebet geh├Ârt bei vielen Gl├Ąubigen zur Esskultur. Und Brot und Wein bilden im Abendmahl und in der Eucharistie das symbolische Zentrum des Gottesdienstes und der Messe.

Ausdruck der grenzenlosen Gemeinschaft

Das Essen steht im Christentum jedoch f├╝r einen besonderen Aspekt, den andere Religionen weniger betonen. ┬źEs ist Ausdruck einer grenz├╝berschreitenden Gemeinschaft, sagt Mois├ęs Mayordomo, Neutestamentler an der Theologischen Fakult├Ąt Basel. ┬źAm christlichen Tisch sollen alle Platz finden. Das war und ist auch heute revolution├Ąr.┬╗.

Schon Jesus war bei der Wahl seiner Gastgeber nicht zimperlich. Der Nazarener kehrte bei Z├Âllnern und Steuereintreibern ein und speiste mit den ┬źS├╝ndern┬╗. Entsprechend kritisierten ihn die Pharis├Ąer und Schriftgelehrten.

Diese Offenheit f├╝hrten die ersten christlichen Gemeinden weiter. Beim S├Ąttigungsmahl sassen Armen und Reichen, Sklaven und Herren und M├Ąnner und Frauen gemeinsam am gleichen Tisch.

In seinen Briefen pl├Ądiert Paulus f├╝r Toleranz beim Essen. (R├Âmer 14.1 ÔÇô 3)┬á Er brachte Judenchristen und hellenistische Christen zusammen, indem er die j├╝dischen Reinheitsgesetze relativierte. Der Apostel hatte in Antiochia gesehen, wie j├╝dische und hellenistische Christen zusammen speisten. Aus dieser Praxis formulierte Paulus seine Theologie der Rechtfertigung. Es komme nicht auf die Einhaltung des j├╝dischen Gesetzes an, weil die Menschen aus dem Glauben heraus vor Gott gerechtfertigt sind.┬á

Vom Petrusfisch zur Kappeler Milchsuppe

Die Sommerserie 2018 der reformierten Kirchenzeitungen der Deutschschweiz greift in den kommenden f├╝nf Wochen verschiedene ber├╝hmte Mahlzeiten aus dem Neuen Testament und der Kirchengeschichte auf und stellt sie im Web vor. Die Serie startet mit Beitr├Ągen zum Fisch im Neuen Testament und zum letzten Abendmahl Jesu.

Dann macht die Reihe einen Sprung in die Zeit der Reformation. Auch hier schlugen sich die historischen Ereignisse in den Speisen nieder. Die Serie begleitet den Gourmet Martin Luther durch die sp├Ątmittelalterliche K├╝che und findet dort Spuren seiner Reformation. Sp├Ąter schneidet sie mit Huldrych Zwingli beim Fastenbrechen ein herzhaftes St├╝ck Wurst ab und taucht bei Kappel Brotst├╝cke in die Milchsuppe.

Dazu servieren die Beitr├Ąge leckere Rezepte, mit den entsprechenden Empfehlungen zum Wein.┬á

Tilmann Zuber, kirchenbote-online.ch

Radio Life Channel: Vom Petrusfisch zur Kappeler Milchsuppe

 

 

 

 

 

 

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