News aus dem Kanton St. Gallen

Eine musikalische Herausforderung

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20.10.2017
Die Kirchenvorsteherschaft von Evangelisch Arbon beschäftigt sich mit der Restaurierung der Orgel – der grössten im Kanton Thurgau. Organist Simon Menges wünscht sich, dass sie wieder etwas charmanter klingt.

Simon Menges ist seit sieben Jahren Organist in der evangelischen Kirche in Arbon und ein international gefragter Musiker. Seit Wochen treibt ihn aber noch ein anderes Thema um: Die Restaurierung ┬źseiner┬╗ Orgel. Mit ├╝ber 60 Registern ist sie die gr├Âsste Orgel im Kanton Thurgau. Die Kuhn-Orgel ist zwar seit ihrem Baujahr 1924 verschiedentlich restauriert worden, aber ┬źjetzt muss man wieder die Lederteile austauschen und das Instrument reinigen. ┬╗ Die Restaurierung ist keine Kleinigkeit; die Kirchenvorsteherschaft besch├Ąftigt sich seit Wochen mit dem Vorhaben. F├╝r Menges ist die Restaurierung eine Herzensangelegenheit. Seit 1924 sei die Orgel leider zweimal klanglich stark ver├Ąndert worden. Am liebsten m├Âchte er, dass das Instrument wieder seinen urspr├╝nglichen, romantischen Klang erh├Ąlt. ┬źDie Orgel w├╝rde dann etwas charmanter klingen als heute, wo sie manchmal doch ziemlich laut und scharf daherkommt.┬╗

In der Orgelklasse verliebt

Auf einer Orgel in romantischen Klangfarben┬áspielt seine Frau, die geb├╝rtige S├╝dkoreanerin Eun-Hye Lee. Sie ist seit f├╝nf Jahren Organistin an der katholischen Johannes-Kirche in Weinfelden. ┬źEs war Liebe auf den ersten Blick┬╗, sagt Eun-Hye Lee. ┬źDieses Instrument ist eine Pers├Ânlichkeit, sein Klang ber├╝hrt meine Seele. Ich war vom ersten Moment an vernarrt in diese Orgel.┬╗ Kennengelernt haben sich die beiden in Berlin, als sie beide in derselben Orgelklasse und Assistenzorganisten am Berliner Dom waren. Das Paar ist auch insofern eine Besonderheit, als Simon Menges als Katholik in einer evangelischen Kirche den Orgeldienst versieht und Eun-Hye Lee als Reformierte in einer katholischen Kirche Organistin ist. Doch das ist f├╝r beide kein Problem. Im Gegenteil: ┬źDie jeweils andere Liturgie ist eine Bereicherung. Man kann nur lernen┬╗, sind sie sich einig.

Jodellieder improvisiert

In beiden Kirchen suchen die Pfarrer die Lieder f├╝r den Gottesdienst aus. Aber die Organisten k├Ânnen auch ihre Vorschl├Ąge bringen. Simon Menges improvisiert sehr gerne, auch w├Ąhrend des Gottesdienstes, zum Beispiel am vergangenen Erntedank-Sonntag. ┬źDer Jodelklub trat auf. Ich wollte zwar etwas Klassisches spielen. Aber das h├Ątte die ganze spezielle Atmosph├Ąre zerst├Ârt. Dann habe ich halt Jodellieder improvisiert.┬╗ Offen sind die beiden auch f├╝r Popularmusik in den Kirchen. Aber, sagt Eun-Hye Lee: ┬źMan muss Sorge tragen zu den Traditionen. Die Jugendlichen interessieren sich sehr wohl f├╝r Chor├Ąle.┬╗ Gegenseitige Toleranz und Offenheit seien jedenfalls sehr wichtig, betont Simon Menges.

Konzerte in London und Paris

Menges hat k├╝rzlich sein Masterstudium in Chorleitung in Z├╝rich abgeschlossen und seine Konzertt├Ątigkeit als Organist und Pianist deshalb etwas reduzieren m├╝ssen. Das soll sich aber bald wieder ├Ąndern. Er m├Âchte ankn├╝pfen an seine erfolgreichen Konzerte in grossen Kathedralen wie zum Beispiel in St. Pauls in London und Notre Dame in Paris. Als n├Ąchstes steht ein gemeinsames Konzert┬áin D├╝sseldorf in der Agenda. Dar├╝ber hinaus engagieren sich beide in ihren Kirchgemeinden: Simon Menges hat das Internationale Orgelfestival Arbon ins Leben gerufen und Eun-Hye Lee gestaltet zusammen mit Daniel Walder, dem Kantor der Evangelischen Kirchgemeinde Weinfelden, den traditionellen, ├Âkumenischen Abendmusikzyklus. Und dann ist da auch noch Anna, die im November┬á2016 geborene Tochter: Sie erfordert zurzeit die ganze Aufmerksamkeit des Paares und stellt den Musikerhaushalt gelegentlich t├╝chtig auf den Kopf.

 

(Esther Simon, 20.10.2017)

 

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