News aus dem Kanton St. Gallen

«Einfachheit ist angesagt»

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19.11.2018
Die Weihnachtszeit ist intensiv – nicht zuletzt für Pfarrerinnen und Pfarrer. Neben dem Vorbereiten und Leiten verschiedener Feiern sind sie auch als Seelsorgende gefordert. Bleibt da überhaupt noch Zeit, um mit der eigenen Familie zu feiern?

Janine Haller, Lukas Mettler und das Ehepaar Regine und Johannes Hug sind sich einig: Weihnachten ist die intensivste Zeit des Jahres. Sie alle sind als Pfarrpersonen t├Ątig und bereiten in der Vorweihnachtszeit zahlreiche Feiern, Andachten und Gottesdienste vor. ┬źDie ersten ├ťberlegungen beginnen schon im Oktober ┬╗, sagt Janine Haller. Wenn die Sonnenstrahlen noch w├Ąrmend durchs Fenster einfallen, lasse sie sich im B├╝ro schon von Adventsliedern berieseln. ┬źDas hilft mir, die Gedanken in Richtung Weihnachten zu lenken.┬╗

Weihnachtsfreude wiedergefunden
In ihren Anfangsjahren als Pfarrerin habe sie M├╝he gehabt, die Weihnachtszeit dann noch richtig geniessen zu k├Ânnen. ┬źDoch in den letzten Jahren konnte ich die Weihnachtsfreude f├╝r mich wieder finden.┬╗ Auch die Pfarreheleute Regine und Johannes Hug geniessen die vielen sch├Ânen Termine in dieser Zeit. Bewusst n├Ąhmen sie sich Zeit f├╝r Besuche bei einsamen und kranken Menschen. Denn ihrer Erfahrung nach sei manches Leid schwerer zu ertragen, wenn andere fr├Âhlich feiern. F├╝r das Ehepaar Hug bleibt trotz all der Pfarramtstermine gen├╝gend Zeit f├╝r die Feierlichkeit mit der eigenen Familie. Sie schm├╝ckten jeweils kurz vor Heiligabend zusammen mit den beiden S├Âhnen (12 und 14 Jahre alt) den Christbaum. An Heiligabend stimmten sie sich im Familiengottesdienst auf Weihnachten ein, um danach im famili├Ąren Kreis weiter zu feiern ÔÇô mit einem einfachen Abendessen, Liedern und Geschichten. Und nat├╝rlich mit Geschenken, die auch f├╝r ihre Kinder wichtig seien.

┬źMir fehlt noch die Hoffnung┬╗
Pfarrer Lukas Mettler feiert mit seiner Familie am 26. Dezember. Er sch├Ątzt es, sich dabei mal ganz zur├╝cknehmen zu k├Ânnen. ┬źW├Ąhrend ich bei den Gemeindefeiern fast immer irgendeine tragende Rolle habe, bin ich hier einfach einer unter vielen.┬╗ Wortw├Ârtlich, denn zur Familie geh├Âren zahlreiche Mitglieder ÔÇô darunter eine Schwiegertochter aus Afrika und ein Schwiegersohn aus der T├╝rkei. Durch den multikulturellen Einfluss sei eine┬áam├╝sante Tradition entstanden: das Weihnachtslotto. Statt mit Zahlen spiele man es mit Begriffen, die mit Weihnachten zu tun haben. ┬źDaraus ergeben sich ganz lustige Situationen, zum Beispiel wenn jemand ruft ÔÇ╣Mir fehlt noch die HoffnungÔÇ║ und jemand anderes antwortet ÔÇ╣Und mir das VertrauenÔÇ║┬╗.

Nicht alle Erwartungen erf├╝llen
Dass viele Menschen die Weihnachtszeit als stressig erleben, h├Ąnge mit der regelrechten Geschenkeflut zusammen, vermutet Janine Haller. Statt nach Geschenken zu suchen, k├Ânne man die Zeit ja beispielsweise f├╝r das Guetzlibacken mit der Familie nutzen. Regine und Johannes Hug nehmen sich bewusst ┬źstille Zeiten┬╗ im Rahmen der Familie heraus. Lukas Mettlers Kraftquelle ist hingegen das gemeinsame Singen im Gospel- und im Adventschor. Sein Rat f├╝r eine stressfreie Weihnachtszeit: ┬źEinfachheit ist angesagt. Man muss nicht immer alle Erwartungen sofort erf├╝llen.┬╗


(23. November 2018, Cyrill R├╝egger)

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