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Frauenstimmrecht: Basler Kirche der Zeit voraus

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29.01.2021
Vor fünfzig Jahren wurde das Frauenstimmrecht in der Schweiz eingeführt. Bereits 1920 gestand die Kirche Basel-Stadt ihren weiblichen Mitgliedern das Stimm- und Wahlrecht zu.

¬ęDie Frau schweige in der Gemeinde.¬Ľ Das sogenannte apostolische Gebot wurde Jahrhunderte lang in Kirche und Politik gebetsm√ľhlenartig als Argument gegen das Frauenstimmrecht herangezogen. In der ersten H√§lfte des 20. Jahrhunderts beginnt diese Ideologie zu br√∂ckeln.

In den reformierten Kirchen fasst das Frauenstimmrecht Fuss, als es in der Politik noch kategorisch ausgeschlossen wird. Der Prozess beginnt in der Romandie: 1908 und 1910 stimmen die reformierten Kirchen der Kantone Waadt und Genf dem aktiven Wahlrecht f√ľr Frauen zu. In den gleichen Jahren wird in Neuenburg, Z√ľrich, Bern und Graub√ľnden √ľber die Mitsprache der Frauen im kirchlichen Leben √∂ffentlich diskutiert.

Stete Lobbyarbeit
Dahinter steht die unerm√ľdliche Lobbyarbeit engagierter Stimmrechtsk√§mpferinnen. Das Mitspracherecht in Kirche, Schulbeh√∂rden und Armenpflege sind wichtige Etappen auf dem langen Weg zur politischen Gleichberechtigung der Frauen.

Auch in Basel-Stadt setzt sich die Meinung durch, dass Frauen in der Kirche mitbestimmen sollen. ¬ęIn der Vorlage einer Kirchenverfassung vom September 1910 f√ľr die 1911 vom Staat teilweise getrennte evangelisch-reformierte Kirche wurde die Frage des Frauenstimmrechts angesprochen¬Ľ, erkl√§rt Matthias Zehnder, Beauftragter f√ľr Information und Medien der ERK Basel-Stadt. Paragraf 5 sah die M√∂glichkeit vor, dass die Synode zu einem sp√§teren Zeitpunkt weiblichen Mitgliedern das aktive Stimmrecht gew√§hren k√∂nne. ¬ęDamit h√§tte das Frauenstimmrecht ohne Verfassungs√§nderung eingef√ľhrt werden k√∂nnen.¬Ľ

Kirchenvolksabstimmung 1920
Am 3. Dezember 1913 reichte die Kirchgemeinde St. Theodor einen entsprechenden Anzug ein, welchen dieSynode am 10. Mai 1916 an den Kirchenrat√ľberwies. Am 9. Mai 1917 folgte das Kirchenparlament dessen Antrag und weitete am 14. November 1917 das aktive Stimmrecht formell auf weibliche Mitglieder aus. Am 29. September 1920 folgte der Antrag auf Einf√ľhrung auch des passiven Wahlrechts, also auf die Wahlf√§higkeit von Frauen in kirchliche √Ąmter. Da dies die Synode nicht mehr allein entscheiden konnte, wurde eine entsprechende Verfassungs√§nderung vor das Kirchenvolk gebracht. Die kirchliche Volksabstimmung vom 13./14. November 1920 ergab das eindeutige Resultat von 6191 Ja-Stimmen gegen 1255 Nein. Erstmals zur Anwendung gelangte die neue Verfassungsbestimmung bei den kirchlichen Erneuerungswahlen 1924, wo Frauen in die Kirchenvorst√§nde und in die Synode gew√§hlt wurden.

Landschaft zieht nach
In der reformierten Kirche Baselland erhielten die Frauen das aktive und passive Wahlrecht mit der Einf√ľhrung der neuen Kirchenverfassung 1952 ‚Äď ¬ęohne Diskussion und gleichsam stillschweigend¬Ľ, schreibt die Historikerin Jeannette Voirol, die im Buch ¬ęzwischenzeit¬Ľ die Geschichte der Frauenrechte aufarbeitet.

Ebenfalls 1952 wird in Liestal zum ersten Mal eine Stelle mit einer Pfarrhelferin besetzt. Die k√ľrzlich verstorbene Elisabeth (Gretler) B√∂hme-Iselin √ľbernimmt damit zwar s√§mtliche Funktionen ihrer m√§nnlichen Pfarrkollegen, hat aber noch nicht die gleichen Rechte wie diese. Bis die Frauen gleichberechtigt ein Pfarramt √ľbernehmen k√∂nnen, vergehen noch mehr als zehn Jahre, n√§mlich bis 1965.

Wenn jetzt √ľberall das 50-Jahr-Jubil√§um des politischen Frauenstimmrechts gefeiert wird, so hat die reformierte Kirche als Vorreiterin dazu beigetragen, es in weiten Gesellschaftskreisen mehrheitsf√§hig zu machen.

Schliesslich wurde am 16. März 1971 das Frauenstimmrecht denn auch auf eidgenössischer Ebene wirksam, nachdem der männliche Teil der Schweizer Bevölkerung zuvor in der Abstimmung vom 7. Februar 1971 seinen Segen dazu gegeben hatte.

Toni Sch√ľrmann, kim

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