News aus dem Kanton St. Gallen

Früchte statt Kohle verkaufen

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21.02.2023
In Brasilien trägt die Zusammenarbeit zwischen Kleinbauernfamilien und der HEKS-Partnerorganisation «Grande Sertão» Früchte – auch im übertragenen Sinn.

Wo Buriti-Palmen wachsen, da hat es Wasser. ¬ęWerden die B√§ume abgeholzt, versiegt auch das Wasser¬Ľ, erkl√§rt Santino Lopes de Ara√ļjo. Er lebt in √Āgua Doce, einer abgelegenen Gemeinde, rund vier Autostunden von der brasilianischen Stadt Montes Claros entfernt. Es regnet selten in der Region, die Wasserquellen sind deshalb √ľberlebenswichtig. Menschen wie Santino Lopes de Ara√ļjo spielen hierbei eine wichtige Rolle. Der Kleinbauer verf√ľgt √ľber einen grossen Wissensschatz, was lokale Pflanzen, Tiere und nat√ľrliche Zusammenh√§nge betrifft. Seine vielf√§ltige Sammlung an Setzlingen nutzt er, um versiegte Quellen zu regenerieren. Er bepflanzt die Stellen, an denen fr√ľher Wasser vorhanden war, mit Baumsetzlingen. Mit der Zeit kann sich so die Natur erholen.

Neue Verdienstmöglichkeiten
Den Lebensunterhalt mit Landwirtschaft zu bestreiten, ist in der Umgebung von √Āgua Doce schwierig. Viele Kleinbauernfamilien leben deshalb von der Herstellung und vom Verkauf von Kohle. Grossgrundbesitzer bringen mit h√§ufig illegal angelegten Plantagen das fragile √Ėkosystem aus dem Gleichgewicht. Die Kooperative ¬ęGrande Sert√£o¬Ľ, eine Partnerorganisation von HEKS, gibt Gegensteuer. Ziel ihrer agrar√∂kologischen Initiative ist es, den Kleinbauernfamilien andere Verdienstm√∂glichkeiten zu er√∂ffnen, damit das Land dank nachhaltiger Produktionsmethoden langfristig fruchtbar bleibt.

 

¬ęWerden die B√§ume abgeholzt, versiegt auch das Wasser.¬Ľ

Santino Lopes de Ara√ļjo

 

Statt die B√§ume f√ľr die Herstellung von Kohle abzuholzen, k√∂nnen die Kleinbauernfamilien die Fr√ľchte der B√§ume, beispielsweise¬†Buriti oder Pequi, zu fairen Preisen an die Kooperative verkaufen. In einer kleinen Fabrik am Ort werden die Fr√ľchte zu Fruchtpulpe verarbeitet. Rund 60 Familien liefern regelm√§ssig an die Kooperative, in der Hauptsaison sind es sogar 100 bis 150. F√ľr die Kleinbauernfamilien sind die B√§ume wertvoll geworden, ihr Schutz lohnt sich ‚Äď ein wichtiger Schritt zur Bewahrung der Artenvielfalt in der Region, die f√ľrs Klima so wichtig ist.¬†

Traditionelles Wissen nutzen
F√ľr die Umsetzung agrar√∂kologischer Projekte sind die Partnerorganisationen von HEKS auf Menschen wie Santino Lopes de Ara√ļjo angewiesen. Weil sie mit ihrer Begeisterung und ihrer Initiative Ver√§nderungen anstossen k√∂nnen. Vor allem aber, weil sie ihr Wissen in die Projektaktivit√§ten einfliessen lassen. Etwa, wenn die Kooperative ¬ęGrande Sert√£o¬Ľ gemeinsam mit der Universit√§t von Minas Gerais das Wissen zur Buriti-Palme systematisiert. Oder wenn es darum geht, das Angebot an agrar√∂kologischen Produkten auszubauen. So testet die Kooperative derzeit gemeinsam mit Santino Lopes de Ara√ļjo und weiteren Kleinb√§uerinnen und -bauern, ob sie den sogenannten Affenpfeffer vermarkten k√∂nnte.

¬ęGrande Sert√£o¬Ľ verkauft ihre Produkte an unterschiedliche Kunden. Schulmensen,¬†Restaurants und Private sind wichtige Abnehmerinnen und Abnehmer, aber auch internationale Firmen aus dem Kosmetik- oder dem Pharmabereich. Die Kooperative ist zum Bindeglied zwischen Kleinbauernfamilien und teils grossen Abnehmern geworden. Die¬†bisherigen Erfolge zeigen, dass mit dem Konzept der Agrar√∂kologie nachhaltige √∂konomische Entwicklungen m√∂glich sind.

Text: Sara Baumann, HEKS | Foto: Kristin Bethge ‚Äď Kirchenbote SG, M√§rz 2023

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