News aus dem Kanton St. Gallen

Kein Kraftfutter für die Kühe

von Katharina Meier
min
23.02.2024
Gesunde und zufriedene Schweine und Kühe sind ihm wichtig. «Wir haben deshalb unseren Milchwirtschaftsbetrieb 2018 bewusst umgestellt – weg von der intensiven hin zur extensiven Tierhaltung», sagt Köbi Hagmann vom Adelbacher Hof in Necker.

Als der gelernte Landwirt und seine Frau Leandra 2016 den Hof in der neunten Generation ├╝bernahmen, mussten die K├╝he m├Âglichst viel Milch liefern. Zweimal t├Ąglich wurden sie gemolken, dazwischen tranken sie viel Wasser, kauten Raufutter und Kraftfutter wider, damit sie m├Âglichst viel von der weissen Fl├╝ssigkeit produzierten. 2022 lag der Mittelwert einer der 672ÔÇë500 K├╝he in der Schweiz (Zahl 2023) bei rund 7000 Kilogramm Milch, 1500 Liter mehr als vor zwanzig Jahren. ┬źHochleistungsk├╝he k├Ânnen aber bis zu 10ÔÇë000 Liter Milch pro Jahr liefern┬╗, so der 32-J├Ąhrige. Doch solche Extremsportlerinnen bei den K├╝hen bed├╝rfen einer grossen Aufmerksamkeit.┬á

Sehr zeitintensiv

Da K├╝he sowohl chemisch als auch biologisch verdauen, kann es bei Hochleistungsk├╝hen eher zu Stoffwechselproblemen f├╝hren. Die Tiere m├╝ssen mehr kontrolliert und beobachtet werden. ┬źIst der Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht, kann dies m├Âglicherweise Probleme bei der Nachgeburt, beim Kalbern oder der k├Ârperlichen Verfassung der Kuh geben.┬╗ Oft sei die intensive Tierhaltung eine Gratwanderung, die indes viele Bauern beherrschten. Doch dies wollte K├Âbi Hagmann zwei Jahre nach der Hof├╝bernahme nicht mehr. ┬źWir haben bewusst die Strategie┬áge├Ąndert, von intensiv auf extensiv umgestellt, um die Arbeit zu erleichtern, Zeit zu sparen und zu sorgen, dass die Landwirtschaft rund, also weniger problembehaftet l├Ąuft.┬╗┬á

Weiden von April bis November

Konkret hiess dies, dass die gut 20 K├╝he fortan kein Kraftfutter mehr erhielten, ihre Nahrung, sobald die Vegetation es zul├Ąsst, selber auf der Wiese holen. ┬źWeil wir ein engeres Tal sind und l├Ąnger Frost haben, ist dies in der Regel von April bis Ende Oktober m├Âglich. 2023 konnten wir unsere Brown Swiss, Swiss Fleck und Simmentaler aber schon von April bis Mitte November weiden lassen.┬╗ Im Wochen- oder Zehntagesrhythmus wird die Futterweide gewechselt. W├Ąhrend des Winters erhalten die Tiere Heu und Emd vom 21 ha grossen Betrieb.

Wir verzichten bei der Milchproduktion bewusst auf Soja und bei der Verarbeitung unserer Erzeugnisse ist Palmöl ein Tabu.

Wenn es hoch kommt und Bedarf da ist, gibt es ab und zu auch Maisw├╝rfel, ebenso wenn die K├╝he gekalbt haben. Umgestellt haben die Hagmanns auch bei der Fortpflanzung der K├╝he. Fr├╝her, so der Bauer, seien sie k├╝nstlich besamt worden. ┬źDa musste immer jemand dabei sein.┬╗ Mit dem Kauf eines Munis setzt der Bauer auf den Natursprung. ┬źR├╝ckblickend gesehen haben wir weniger unerwartete Problemf├Ąlle im Stall, auch bez├╝glich der Fruchtbarkeit. Ich bin zeitlich ÔÇô auch dank eines Melkroboters ÔÇô┬áweniger angebunden und weniger h├Ąufig im Stall. Im Gegenzug haben die K├╝he heute eine durchschnittliche Milchleistung von 6000 Liter im Jahr.┬╗ Doch dies, so Hagmann, reiche aus f├╝r sein zweites Standbein.┬á

www.kamerasau.ch

Denn seit der Umstellung auf extensive Bewirtschaftung f├╝hren die Hagmanns auch eine Hofmolkerei. Hier werden Joghurts, Desserts und Bircherm├╝esli hergestellt. ┬źSo wie wir bei der Milchproduktion bewusst auf Soja verzichten, tun wir es in der Molkerei auch mit Palm├Âl. Wir verarbeiten nur Erzeugnisse und Fr├╝chte aus der Schweiz und setzen auf Knospenhaferflocken und nicht auf europ├Ąische Fabrikate.┬╗ Auch bei der Verpackung spielt die Nachhaltigkeit eine┬á Rolle. Organisch abbaubarer Karton kommt zum Zug. Hagmann ist ein ┬źT├╝ftler┬╗, und so studiert er schon an der n├Ąchsten Idee herum, um die freigesetzte Energie seines Hofes m├Âglichst im Betrieb zu behalten oder sie hier zu produzieren. Der Mann, der vor Ideen nur so sprudelt, sorgte ja bereits w├Ąhrend der Pandemie mit seiner ┬źKamerasau┬╗ f├╝r Furore. Diese Freilandschweine (damals mit einer Kamera auf dem R├╝cken) auf dem IP-Suisse-Hof unterstreichen die Philosophie der Hagmanns ohne Worte, daf├╝r mit einem zufriedenen Grunzen.

Weniger Probleme im Stall, mehr zeitliche Flexibilität, dafür weniger Milchleistung pro Kuh – das sind die Folge der Umstellung auf extensive Milchwirtschaft. Foto: meka

Weniger Probleme im Stall, mehr zeitliche Flexibilität, dafür weniger Milchleistung pro Kuh – das sind die Folge der Umstellung auf extensive Milchwirtschaft. Foto: meka

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Messele Seyoum Ayanno ist als Hirtenjunge in Äthiopien aufgewachsen. Heute ist er eine anerkannte Führungspersönlichkeit. Als Kampagnengast des Heks berichtet er in der Schweiz über den Kampf der äthiopischen Hirtengemeinschaften gegen die Folgen des Klimawandels.