News aus dem Kanton St. Gallen
Kirche online

Kirche und Social Media: Warum Kirchgemeinden (auch) digitale Kanäle nutzen sollten

von Cyrill Rüegger
min
23.03.2026
Viele Kirchgemeinden kommunizieren noch kaum über Social Media – dabei bieten digitale Kanäle grosse Chancen. Zwei Expertinnen erklären, warum Kirchen neben Print auch auf Social Media und künstliche Intelligenz setzen sollten – und worauf es dabei ankommt.

Während mittlerweile fast alle Kirchgemeinden über ihren lokalen Kirchenboten oder die Webseite kommunizieren, tun sie sich auf Social Media häufig noch schwer. Das sei eine verpasste Chance, sagt die gebürtige Stettfurterin Alexandra Stark: «Mit digitalen Kanälen können wir mehr Menschen erreichen: solche, die keine Printmedien nutzen und solche, die keinen regelmässigen Kontakt zu kirchlichen Angeboten haben.»

Stark arbeitet als Journalistin und Beraterin an der Schnittstelle von Journalismus und Technologie. Die sozialen Medien bieten aus ihrer Sicht einen weiteren grossen Vorteil: Mit ihnen könne die Kirche direkt mit Menschen in den Dialog treten.

 

Alexandra Stark: «Via Social Media kann die Kirche direkt mit Menschen in Dialog treten.»

 

Gemeinschaft aufbauen

Diesen Aspekt streicht auch Nicole Noelle, Online- und Social Media-Redaktorin des Kirchenboten, hervor: «Über Social Media ist der Aufbau einer Community, also einer Gemeinschaft, möglich. Diese kann dann auch wieder in den analogen Alltag reichen – zum Beispiel mit interessenbasierten Veranstaltungen, die man zusammen mit der Community entwickelt.»

 


Nicole Noelle: «KI kann Routineaufgaben übernehmen und den Ideenhorizont erweitern.»

 

Noelle warnt gleichzeitig davor, sich zu übernehmen. Die digitale Kommunikation mache in der Regel nämlich mehr Arbeit, als man denke. «Es ist sinnvoll, sich zu überlegen: Wen möchte ich ansprechen? Was möchte ich kommunizieren? Und auf welchem Kanal findet das statt?» Diesbezüglich sei weniger oft mehr, wenn dafür regelmässig kommuniziert werde. Zudem müsse das Rad nicht immer neu erfunden werden. «Es lohnt sich, zu schauen, wie andere es machen, wo etwas ankommt oder nicht ankommt, und sich davon inspirieren zu lassen.»

Mehr Zeit dank KI

Alexandra Stark, die mittlerweile in Zürich lebt, fokussiert sich in ihrer Beratungstätigkeit zunehmend auf Künstliche Intelligenz (KI). Diese könne – gerade auch im Umgang mit sozialen Medien – Arbeit abnehmen und Zeit freischaufeln, «die wir dort nutzen können, wo wir als Menschen einen Unterschied machen können».

Nicole Noelle konkretisiert: «KI kann Routineaufgaben wie Textentwürfe, Übersetzungen und Zusammenfassungen übernehmen. Sie hilft auch, Texte barrierefreier zu schreiben und den Ideenhorizont zu erweitern.» Wichtig sei, dass man alles prüfe, was die KI ausspucke.

Print bleibt wichtig

Trotz aller digitalen Möglichkeiten sind sich die beiden Expertinnen einig, dass auch Printmedien wie der Kirchenbote mit lokalen Informationen ihren Platz im Kommunikationsmix der Kirche haben. Nicole Noelle erklärt: «Mit Printmedien lassen sich Menschen erreichen, die nicht oder wenig online unterwegs sind. Das gedruckte Medium schafft eine andere Aufmerksamkeit, lädt zum Verweilen ein und hat eine besondere Wertigkeit. Gerade für Gemeinschaftsgefühl und lokale Verwurzelung bleibt ‹Print› zentral.»

Es gelte deshalb, analoge und digitale Kommunikationskanäle sinnvoll miteinander zu verknüpfen, um die Vorteile aus beiden Welten zu nutzen.

 

 

Eine unvollständige und wertungsfreie Auswahl von Schweizer Kirchgemeinden, Kantonalkirchen sowie Pfarrerinnen und Pfarrern, die auf Social Media aktiv sind. Kennen Sie weitere Beispiele? Schreiben Sie es in die Kommentare!

 

Unsere Empfehlungen

Kirche setzt auf Prävention – und geht voran

Kirche setzt auf Prävention – und geht voran

Die Reformierte Kirche Kanton Luzern geht neue Wege: Als erste reformierte Kirche in der Schweiz hat sie ihre Mitglieder systematisch zum Thema Grenzverletzungen befragt. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Prävention ist kein Randthema.