News aus dem Kanton St. Gallen

Neue Grenzen, alte Probleme

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26.04.2016
Die Schweizer Katholiken denken schon länger laut über neue Bistumsgrenzen nach. Doch was sagen die Reformierten in den betroffenen Kantonen dazu?

Bischof Vitus Huonder hat j├╝ngst eine Aufteilung des Bistums Chur in drei Teile zur Diskussion gestellt: Graub├╝nden und Glarus sollen das neue Bistum Chur bilden, Z├╝rich soll ein eigenes Bistum werden, und Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden w├╝rden zu einem neuen Bistum Urschweiz zusammengefasst. Hintergrund dieses Vorschlags ist der aus Z├╝rich kommende Wunsch, sich vom Bistum Chur abzuspalten. Die Umfrage unter den Betroffenen l├Ąuft noch, Ende April soll ├╝ber das weitere Vorgehen informiert werden.

Auch Reformierte zur Stellungnahme aufgefordert
Den Brief von Bischof Huonder mit Bitte um Stellungnahme haben auch die Z├╝rcher Reformierten erhalten. ┬źDie Bistumsaufteilung ist ein offizielles Thema┬╗, sagt Michel M├╝ller, Kirchenratspr├Ąsident der Reformierten Kirche des Kantons Z├╝rich. Obwohl klar sei, dass das prinzipiell eine innerkatholische Sache sei. Diese Abgrenzung ist auch f├╝r die verantwortlichen Reformierten in den Kantonen Schaffhausen, Luzern und Schwyz klar: Alle Angefragten finden, die Neueinteilung sei Angelegenheit der r├Âmisch-katholischen Kirche. Man wolle sich nicht in die Debatte einmischen, man sei dem Thema gegen├╝ber neutral eingestellt. In Luzern heisst es, man k├Ânne zu diesem Thema nichts Weiteres sagen.

┬źDie Strukturen unterscheiden sich stark┬╗
┬źDie Gl├Ąubigen denken immer, wir glaubten alle an den gleichen Gott, was ja auch stimmt┬╗, sagt M├╝ller. ┬źDie Strukturen der reformierten und der katholischen Kirche jedoch unterscheiden sich massiv.┬╗ Man habe schlicht ein anderes Verh├Ąltnis von Gemeinschaft. ┬źOb Chur oder Z├╝rich: Die Monarchie ist die gleiche, das Z├Âlibat bleibt┬╗, so M├╝ller. Die Gesamtkultur werde sich nicht ├Ąndern, wenn neue Grenzen geschaffen w├╝rden.

Relevant sei f├╝r die ├ľkumene jedoch, welche Person konkret neu als Bischof eingesetzt w├╝rde, sollten neue Bist├╝mer zustande kommen, sagt M├╝ller. Das best├Ątigen auch die anderen Kantone. ┬źDie Position und die Haltungen des Bischofs sind f├╝r die ├ľkumene wichtiger als der Standort des Bischofssitzes┬╗, sagt Andreas Rechsteiner, Synodenpr├Ąsident der reformierten Kirche des Kantons Schaffhausen. Heinz Fischer, Kirchenratspr├Ąsident der reformierten Kirche im Kanton Schwyz, stellt klar: ┬źWichtig ist f├╝r uns, dass der bisher gute ├Âkumenische Dialog gut bleibt. ├änderungen in der Bistumsstruktur d├╝rfen keine negativen Auswirkungen haben und keine h├Âheren Kosten generieren.┬╗ Ohnehin habe die katholische Kirche derzeit doch andere Priorit├Ąten als die Frage der Anzahl Bist├╝mer auf relativ wenig geografischem Raum.

Wenig Chancen auf Fortschritt
Die Schaffhauser hoffen derweil, dass der neue Bischof, sollte es denn einen geben, mithilft, die ┬źalten Gr├Ąben zu ├╝berwinden und an der einen Kirche aller Christen zu arbeiten┬╗. Was gut klingt, ist f├╝r M├╝ller aus Z├╝rich schwer zu glauben: ┬źDiese Hoffnung, dass man dann einen Bischof nach eigenen Bed├╝rfnissen hat, ist mit grosser Vorsicht zu geniessen.┬╗ Die Gefahr sei in der aktuellen Lage sehr gross, dass ein konservativer Bischof eingesetzt werde. Das berge Risiken f├╝r die Zusammenarbeit und die ├ľkumene. M├╝ller selbst sieht wenig Chancen auf einen Fortschritt, ┬źauch wegen der Entwicklungen innerhalb der Bischofskonferenz┬╗.

N├Ąher an den Medienh├Ąusern
Kommunikationstechnisch ist f├╝r M├╝ller klar: Kommt das Bistum Z├╝rich, sitzt der neue Bischof n├Ąher an den Toren der Medienh├Ąuser. ┬źWas f├╝r die Katholiken ein Vorteil sein wird, wird f├╝r uns Reformierte kommunikativ umso herausfordernder┬╗, sagt M├╝ller. Aber schlecht sei das nicht. Das w├╝rde die Reformierten ein wenig wachr├╝tteln.

Erste R├╝ckmeldungen aus der Innerschweiz zur laufenden Umfrage gibt es schon: Wie die ┬źSchweiz am Sonntag┬╗ j├╝ngst berichtete, wehren sich die Vorsteher der katholischen Landeskirchen von Uri, Nidwalden, Obwalden und Schwyz dagegen, vom Bistum Chur abgespalten zu werden. Das Bistum m├╝sse nicht aufgeteilt werden, es brauche einen aufgeschlossenen Bischof, der mit der Basis zusammenarbeite. Ein Bistum Urschweiz sei nicht lebensf├Ąhig, sagte die Schwyzer Kirche, allein wegen der finanziellen Lasten. F├╝r die Glarner w├Ąre ein Zusammenschluss mit St. Gallen denkbar. Die Idee eines eigenen Bistums wird auch in Genf diskutiert: Vergangenes Jahr f├╝hrte das Bistum Lausanne, Genf und Freiburg eine Umfrage ├╝ber eine Neueinteilung durch. Dabei sprachen sich 44 Prozent der Befragten f├╝r ein Bistum Genf aus, 35 Prozent dagegen.

Bis die neue Bistumseinteilung Realit├Ąt wird, wird es wohl noch ein wenig dauern. Huonder selbst wird bei der Neuaufteilung gar nicht mehr aktiv mitmischen: Er wird n├Ąchstes Jahr 75 und muss beim Papst den R├╝cktritt einreichen. Wie das Gebiet aufgeteilt w├╝rde, entscheidet Rom in Absprache mit den Schweizer Bisch├Âfen. Das Thema Neuaufteilung wird seit 1814 immer wieder diskutiert. Bis heute ohne definitive L├Âsung.

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von ┬źreformiert.┬╗, ┬źInterkantonaler Kirchenbote┬╗ und ┬źref.ch┬╗.

Anna Miller / Kirchenbote / 27. April 2016

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