News aus dem Kanton St. Gallen

«Ohne Rücksicht auf Person und Institution strafrechtlich verfolgt»

von Stefan Degen
min
29.11.2023
Drei Fälle von Missbrauch in der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen seien ihm bekannt, schreibt der St. Galler Kirchenrat in seiner Antwort auf eine Interpellation. Die Präventionsmassnahmen in der Reformierten St. Galler Kirche sieht er zurzeit als ausreichend an.

Nach dem grossen medialen Echo zur Pilotstudie zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche, welche mehr als 1000 FĂ€lle aufdeckte, wenden sich nun Synodale der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen Fragen an den Kirchenrat. Die Interpellation der Erstunterzeichnenden Ursula Kugler (Unteres Neckertal) wird an der Wintersynode vom 4. Dezember 2023 verhandelt. Die schriftliche Antwort des Kirchenrates liegt bereits vor.

Die Interpellantinnen und Interpellanten fragen, ob dem Kirchenrat Zahlen zu MissbrauchsfĂ€llen in der Reformierten Kirche vorlĂ€gen und ob Anpassungen in den Strukturen der St. Galler Kantonalkirche notwendig seien. Der Kirchenrat schreibt in der Antwort, ihm seien drei VorfĂ€lle aus der Vergangenheit bekannt, welche strafrechtlich abgehandelt worden seien. Das beziehe sich auf die vergangenen 20 Jahre, prĂ€zisierte er auf Anfrage. Vermutlich gebe es aber auch bei den Reformierten eine Dunkelziffer, schreibt der Kirchenrat weiter. «Das, was aber bekannt ist, wurde ohne RĂŒcksicht auf Person und Institution strafrechtlich verfolgt.» Denn die reformierten Kirche hĂ€tten keine eigene Gerichtsbarkeit und seien den staatlichen Strukturen und dem staatlichen Recht verpflichtet.

Die PrĂ€ventionsmassnahmen hĂ€lt der Kirchenrat fĂŒr ausreichend: «Bei uns wird bei jeder AbklĂ€rung zur Erteilung der WahlfĂ€higkeit der Privatauszug und der Sonderprivatauszug aus dem Strafregister verlangt», und zwar «seit vielen Jahren», wie er betont. Die Frage der Interpellation, ob die Anlaufstelle «Kontaktgruppe» personell und fachlich genĂŒgend dotiert sei, bejaht der Kirchenrat: «Wir sind froh, schon relativ frĂŒh im Vergleich zu anderen Kantonalkirchen oder auch der EKS diese Gremien geschaffen zu haben.»

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