Per «Staubsauger» zu Blumensamen
«Da hat es noch zu viele fremde Samen drin», sagt Johannes Burri und zeigt auf das Saatgut in seiner Hand. Für Laien jedoch sieht alles gleich aus. Bis der Profi ergänzt: «Die Kornblumensamen sehen aus wie Pinseli, die anderen nicht. Weil die Unreinheiten die gleiche Form, die gleiche Grösse und das gleiche Gewicht wie die Kornblumen haben, kann man sie nicht physikalisch trennen.» Ein Fall für die Computermaschine namens Farbausleser. Sie steht seit rund drei Jahren in einem Schopf auf Burris Hof, macht von jedem Samen ein Bild und sortiert so die guten in den einen, die schlechten in den anderen Eimer. Dies ist die letzte Station auf dem langen Weg der Saatgutreinigung. Zu den vorhergehenden Reinigungsstationen gehört unter anderem eine Siebmaschine. Daneben stehen etwa 80 Siebe mit Lochdurchmesser von 0,1 bis 10 Millimeter.
Wiesen sind schwierig zu finden
Erhalten Johannes und Marlies Burri eine Bestellung von bestimmten Wildblumen, so müssen sie sich zuerst auf die Suche machen. «Wildblumenwiesen zu finden, die weder angesät noch gezüchtet worden sind, ist in den letzten Jahren schwieriger geworden», sagen Johannes und Marlies Burri. Diese Wiesen brauchen sie aber, um Basissaatgut zu ernten und dann daraus Wildblumensaatgut zu produzieren. Wenn sie fündig geworden sind, fragen sie die Wiesenbesitzer an, ob sie von den gewünschten Wildblumen die Samen ernten dürfen. Dann kann die Wiese erst nach dem Verblühen der Wildblumen geschnitten werden. Auf ihrem Hof in Lenggenwil oberhalb von Uzwil säen Burris die Samen in Aussaatschalen aus.
Der Einfluss des Klimawandels
Jede Pflanze dokumentieren sie. Dadurch sehen sie den Einfluss des Klimawandels: «Der Frühling verschiebt sich nach vorne im Jahr. Wir haben Pflanzen, die etwa 14 Tage früher dran sind als noch zu unseren Anfangszeiten», sagt Johannes Burri. Marlies Burri ergänzt: «Und wenn dann doch noch ein Frost kommt Ende April oder Anfang Mai, erfrieren sie.»
Es kommt nicht nur auf den Boden und aufs Wetter an, ob Pflanzen gedeihen, sondern auch, in welcher Gemeinschaft sie sind. Denn Blumen und Gräser leben in Pflanzengesellschaften und sind aufeinander angewiesen
Bis die Samen keimen, braucht es Geduld und Pflege. Sind die Keimlinge gross genug, werden sie pikiert. Das heisst, die Jungpflanzen kommen aus der Aussaatschale in Presstöpfchen. Alles per Handarbeit. Wenn die Pflanzen gross genug sind, werden sie ins Feld gepflanzt. Später werden die Blumen und Gräser bei etwa 50 Vertragsproduzenten produziert. Dort, wo sie ursprünglich gesammelt worden sind. Im Ganzen werden etwa 570 verschiedene Wildblumen- und Gräserarten auf ungefähr 100 Hektaren Anbaufläche produziert.
Vor rund 40 Jahren haben die Brüder Christian und Johannes Burri zusammen mit ihren Ehefrauen mit der Wildblumensaatgutproduktion begonnen. Johannes Burri reiste quer durch Europa, um sich mit anderen Saatgutproduzenten auszutauschen. Die beiden Brüder haben die «Staubsauger-Maschine» ausgetüftelt und gebaut. Mit ihren zwei Saugrohren vorne sieht sie aus wie ein zweirüssliger Elefant. Sie kommt bei der Ernte von Körbchenblütlern zum Einsatz, weil verschiedene Arten in dieser Familie ihre Samen mithilfe von Fallschirmchen verbreiten. Je nach Blüte der Pflanze braucht es noch weitere Erntetechniken. Burris haben darum noch zwei andere Erntemaschinen. Gewisse Pflanzen lassen sich aber nur von Hand ernten. Täglich werden die reifen Samenstände gepflückt oder die Pflanzen mit einem Messer abgeschnitten.
Was Blumen und Menschen Verbindet
Übrigens ist es mit Wildblumen und -gräsern ähnlich wie mit Menschen. «Es kommt nicht nur auf den Boden und aufs Wetter an, ob Pflanzen gedeihen, sondern auch, in welcher Gemeinschaft sie sind. Denn Blumen und Gräser leben in Pflanzengesellschaften und sind aufeinander angewiesen», sagt Johannes Burri.
Per «Staubsauger» zu Blumensamen