Saatgut ist Zukunft
Erdnüsse, Maniok, Hirse, Mais, Bohnen. In allen Farben, in allen Grössen, in allen Formen. Die Tische der Aussteller:innen an der Saatgutmesse in der Stadt Esse im Zentrum Kameruns sind brechend voll. Die Atmosphäre ist entspannt, mehr als 300 Bäuerinnen und Bauern sind gekommen, aus zehn Ländern West- und Zentralafrikas. Sie stellen 250 Saatgutsorten aus, diskutieren über deren Vorzüge, handeln und tauschen. Jede Sorte zeugt nicht nur von der biologischen Vielfalt Afrikas, sondern auch vom Wissen der Vorfahren, die Samen auszuwählen, sie zu vermehren, aufzubewahren und zu tauschen.
Charmelle, eine Bäuerin aus Gabun, hat verschiedene Sorten Tomaten, Salat, Hirse, Reis, Sorgho und Stangenbohnen für die Ausstellung mitgebracht. «Das genetische Erbe teilen und bewahren» – so lautet das Motto der Messe. Deshalb habe sie sich entschieden, Saatgut weiterzugeben, das vom Aussterben bedroht sei. «Sollte ich das Saatgut verlieren, hat es wenigstens jemand anderes», erklärt Charmelle.
Bäuerliches Saatgut unter Druck
Organisiert wird die jährliche Saatgutmesse jeweils von RADD (Réseau des Acteurs du Développement Durable), einer Partnerorganisation von HEKS. Im Lauf der Zeit hat sie sich zu einer internationalen Veranstaltung mit 1500 bis 2000 Besucher:innen entwickelt. Auch Forschungsinstitute, staatliche Landwirtschaftsbehörden und Lebensmittelproduzent:innen sind vertreten. Die Messe bringt damit alle Akteur:innen des Ernährungssystems zusammen und spielt eine wichtige Rolle bei der Verteidigung bäuerlichen Saatguts und der Ernährungssicherheit.
Denn in Kamerun – wie auch weltweit - beobachten viele Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, wie industriell produzierte Sorten ihr traditionelles Saatgut verdrängen. Der Grund sind die Aktivitäten der internationalen Agrarkonzerne, die auch in afrikanischen Ländern neue Märkte erschliessen wollen. Dadurch gerät die bäuerliche Produktion von lokal angepasstem Saatgut unter Druck und die Saatgutvielfalt nimmt ab.
Politisches Engagement
Um dem zu begegnen, organisiert RADD neben der Messe auch Workshops für lokale Produzent:innen. In diesen tauschen sie sich darüber aus, wie sie Saatgut auswählen, lagern und für kommende Generationen erhalten können. Um ihr Know-how zu erweitern und die bestehenden Saatgutbanken zu erhalten sowie neue zu entwickeln, werden Studienreisen innerhalb Kameruns oder in Nachbarländer angeboten. An regelmässigen Treffen können die Projektteilnehmenden sich über ihr neues Wissen austauschen.
Wichtig ist auch das politische Engagement, da Saatgutgesetze das bäuerliche Recht auf Saatgut zu untergraben drohen. So drohen beispielsweise Bäuerinnen und Bauern in Ghana für die Lagerung, den Verkauf und den Tausch von nicht zertifiziertem Saatgut zehn Jahre Gefängnis. «Das Recht der Bäuerinnen und Bauern auf ihr Saatgut muss anerkannt und durchgesetzt werden. Nur so können sie sich unabhängig ernähren und eine nachhaltige Ernährungssouveränität auf globaler Ebene fördern», sagt RADD-Jurist Yvan Lionnel Youmssi Eya.
Direkter Test auf dem Feld
Auch im westafrikanischen Binnenland Niger setzt die HEKS-Partnerorganisation SahelBio auf lokales Saatgut, um Hunger und Mangelernährung zu bekämpfen. Hirse und Bohnen sind die Grundnahrungsmittel in der Region Zinder, wo SahelBio rund 2000 Haushalte in 100 Dörfern unterstützt. Die Familien erhalten klimaangepasstes Saatgut, das resistenter gegen Trockenheit ist, und testen dieses direkt auf ihren Feldern. Fachleute von SahelBio und eines Forschungsinstituts begleiten sie dabei, beobachten mit ihnen das Wachstum und den Ertrag.
Damit sie den besten Zeitpunkt für die Aussaat kennen, werden die Familien mit Wetterdaten versorgt. In Schulungen lernen sie ausserdem, Wasser effizient zu nutzen, Kompost aus Pflanzenresten herzustellen und Schädlinge mit natürlichen Methoden zu bekämpfen - zum Beispiel mit Schlupfwespen, die Raupen auf den Hirsefeldern eindämmen. Familien ohne eigenes Land erhalten etwa durch die Gemüseproduktion in kleinen Hütten neue Möglichkeiten, da diese selbst in Dürrezeiten Erträge ermöglicht.
Höhere Erträge
Doch es geht nicht nur ums Überleben, sondern auch um Entwicklung. Wenn Bauernfamilien ihre Produkte besser verarbeiten und verkaufen können, verbessert sich ihr Einkommen. Ein Teil der Ernte wird zu Öl gepresst, ein anderer zu Futterballen verarbeitet, die Tiere in der Trockenzeit versorgen. Gleichzeitig lernen die Menschen, agrarökologische Produktionsmittel aus lokal verfügbaren Materialien herzustellen. So sinken die Kosten und das Wissen bleibt in den Dörfern.
Das Projekt ist äusserst erfolgreich. Viele Bauernfamilien konnten ihre Hirse- und Bohnenernten in den letzten Jahren mehr als verdoppeln, manche gar verdreifachen. Dies verbessert nicht nur die Ernährungssicherheit der Familien, sondern erlaubt es ihnen auch, einen Teil der Ernte zu lagern und zu einem günstigen Zeitpunkt auf dem Markt zu veräussern. «Mit den neuen Anbautechniken konnten wir den Ernteertrag stark steigern», sagt der Kleinbauer Mohamed Souleyman. «Das ist entscheidend, denn wegen der Trockenheit kämpfen wir hier zunehmend mit Schädlingen und mit der Erosion der Anbauflächen.»
Aktionen der ökumenischen Kampagne
Suppentage
Beim Suppentag werden Geschichten ausgetauscht, Erfahrungen weitergegeben, Traditionen gelebt. Eine Suppe mit Produkten aus dem Hofladen, aus dem eigenen Garten oder mit seltenen Gemüsesorten setzt ein Zeichen der Solidarität. Informieren Sie sich über lokale Angebote der Suppentage in Ihrem Gemeindeteil des Kirchenboten.
Fastenkalender: Täglich neue Hoffnung
Lassen Sie sich Tag fĂĽr Tag zu einem global verantwortungsvollen Lebensstil anregen. Die Fastenzeit lädt uns ein, Schritt fĂĽr Schritt einem Neubeginn entgegenzugehen, Hoffnung neu zu entdecken und zu nähren. Nutzen Sie diese Zeit, um achtsam hinzuschauen und Gewohnheiten zu hinterfragen. Sie finden praktische Tipps, fast vergessene Rezepte, Meditationen und Beiträge zu Entwicklungsprojekten – gedruckt oder online. Auf sehen-und-handeln.ch/fastenkalender können Sie Inhalte bequem von unterwegs ansehen.Â
Rosen und Wildblumen setzen ein Zeichen
Die Rose steht fĂĽr Solidarität und Frieden, eine Blumenwiese fĂĽr die Sicherung unserer Nahrung und fĂĽr Biodiversität. Diese symbolstarken Artikel werden am Aktionstag fĂĽr das Recht auf Nahrung am 14. März an Ständen und durch mobile Gruppen verkauft. Der Erlös fliesst in die Projekte von Fastenaktion, HEKS und Partner sein, welche sich fĂĽr eine Welt ohne Hunger einsetzen. Â
Brot zum Teilen
Brot kaufen und Gutes tun: Mit nur 50 Rappen Aufpreis pro «Solidaritätsbrot» unterstützen Sie Kleinbauernfamilien im globalen Süden und helfen ihnen aus Hunger und Armut. Die schweizweite Aktion «Brot zum Teilen» zielt auf eine gerechtere Welt ohne Hunger. Finden Sie eine Bäckerei in Ihrer Nähe.
Saatgut ist Zukunft